Buro sprach sich für eine zivile Lösung des Konfliktes zwischen Israel und dem Iran aus. Dies könne etwa bedeuten, dem Iran ein Angebot für einen Nichtangriffspakt zu machen – verbunden mit den Kontrollmechanismen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Als Beispiel nannte er die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die in den 1970er und 80er Jahren dem Kalten Krieg entgegengewirkt hatte. In Dialogkonferenzen könnten die Konfliktparteien Lösungen ausarbeiten, die für beide Seiten vorteilhaft seien. So plane die UNO für dieses Jahr eine Konferenz über eine atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten. Dort müsse sich dann allerdings auch Israel einbringen. Alles spreche für eine friedliche Lösung.
Der Referent warf auch die Frage auf, welche Folgen ein Militärschlag gegen den Iran haben könnte. Er zitierte den israelischen Friedensaktivisten Uri Avnery, der damit rechnet, dass Israel den Iran nicht angreifen wird. Denn es wisse genau, was für weitreichende Konsequenzen sich daraus ergeben würden. Außerdem gebe es in Israel einen "Putsch gegen den Krieg", was Buro als eine Art verbalen Aufstand ranghoher Persönlichkeiten aus Politik und Militär erklärte. Ein US-israelischer Angriff wäre ein unkalkulierbares, risikoreiches Unternehmen, das möglicherweise einen dritten Weltkrieg auslösen könne. Wenn die Islamische Republik in den Besitz von Atomwaffen gelangte, würde das Land vermutlich völlig zerstört.
"Es geht nicht ums Atomprogramm"
Der Träger des Aachener Friedenspreises befasste sich in seinem Vortrag auch mit der Frage, worum sich die Auseinandersetzung wirklich drehe. Der Iran habe sein Atomprogramm längst aufgegeben. 16 US-Geheimdienste hätten ihm diesbezüglich bereits 2003 ein korrektes Verhalten konstatiert. Diese Erklärung hätten sie kürzlich wiederholt. Auch habe die iranische Delegation bei den Gesprächen in Istanbul unlängst eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) zitiert, die eine Produktion von Massenvernichtungswaffen verbiete. Es gehe nicht um das Nuklearprogramm, sondern vielmehr um einen angestrebten Regimewechsel. Man wolle eine Regierung installieren, die den Vorstellungen des Westens entspreche.
Zur aktuellen militärischen Lage sagte Buro, nicht Israel sei bedroht, sondern der Iran. Denn das Land sei ringsum von amerikanischen Stützpunkten umgeben, und ein US-Flotte befinde sich auf dem Weg in die Region. USA und Israel drohten mit Atomwaffen, "denen der Iran nichts entgegenzusetzen hat". Israel habe im an den Iran grenzenden Aserbaidschan einen Fluglandeplatz gemietet, um den Militärschlag besser ausführen zu können. In mehreren anderen Nachbarländern herrsche Instabilität: in Afghanistan, Pakistan und dem Irak. Zudem gebe es in der Islamischen Republik Minderheitenprobleme. Der Iran habe seit Anfang des 20. Jahrhunderts niemanden angegriffen und werde es aus den genannten Gründen sicherlich auch jetzt nicht tun.
Der Referent hat an einer Erklärung mitgewirkt, die Anfang April in der "Süddeutschen Zeitung" erschien: "Friedens- statt Kriegspolitik im Irankonflikt" war die Anzeige betitelt. Kurz darauf veröffentlichte Günter Grass sein vielkritisiertes Gedicht "Was gesagt werde muss". "Der Israel-Lobby ist es doch tatsächlich gelungen, aus der Iran-Frage eine Grass-Frage zu machen", kommentierte der Referent die Diskussion, die er als "Grass-Krieg" bezeichnete.
Der Vortrag stand unter der Überschrift: "Kein Embargo / kein Krieg gegen den Iran!" Eingeladen hatten die örtliche attac-Gruppe, der Wetzlarer Friedenstreff und der Arbeitskreis Frieden im Kirchenkreis Braunfels.