Franziskus machte seinem Programm Ehre, bescheiden zu sein. Weil er alle Sekretäre entlassen hat, mussten ihm seine Gastgeber die vom Wind ins Gesicht geblasenen Schultertücher zurecht zupfen. Durch Bethlehem fuhr er mit einem offenen Papamobil. In Jerusalem hatte die Sicherheit einen gepanzerten „Subaru“ bereitgestellt, eine Billigmarke.
Für die Palästinenser war sein stilles, spontanes Gebet an der israelischen Sperrmauer Labsal für die Seele. Würdig war sein Besuch in der Holocaust Gedenkstätte „Yad Vashem“. Das Kirchenoberhaupt fragte nicht, wo Gott während der „Schoah“ war, sondern wo denn der Mensch war. Demütig küsste er sechs Holocaustüberlebenden die Hand.
Den „unerträglichen“ politischen Zustand im Nahen Osten berührte er nur am Rande und ohne Parteinahme. Im Mittelpunkt stand die zweite Umarmung des Papstes mit dem Patriarchen von Istanbul zur Überwindung des Schismas zwischen Ost- und Westkirche. Ebenso wichtig waren seine Begegnungen mit Rabbinern zur Überwindung der Feindseligkeit zwischen Juden und Christen. Seine politische Initiative, den israelischen und palästinensischen Präsidenten zum „gemeinsamen Gebet“ in den Vatikan einzuladen, ist die symbolische Geste eines gläubigen Christen, mit Gottes Hilfe Frieden zu bringen.