Kommentar: Nabil Scha‘aths nostalgische Träume

Der frühere palästinensische Außenminister Nabil Scha‘ath sehnt sich offenbar nach den Flugzeugentführungen vergangener Zeiten. Damit demonstriert er seine Ratlosigkeit, meint Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm.
Frustriert über den Nahostkonflikt: Nabil Scha'ath
„Müssen wir wieder Eure Flugzeuge entführen und Eure Flughäfen zerstören, damit Ihr Euch um unsere Probleme kümmert?“ Das fragt Nabil Scha‘ath, ehemaliger palästinensischer Außenminister und einer der möglichen Nachfolger von Mahmud Abbas als Präsident der Autonomiebehörde. In dem Interview von „Al-Awda-TV“ behauptete Scha‘ath auch, dass die Amerikaner als Vermittler nichts taugen und dass es den Europäern „egal“ gewesen wäre, ob alle Syrer sterben, wenn nicht die Flüchtlinge Europa überschwemmten, die „rassische“ Zusammensetzung Europas veränderten und IS-Terror einschleusten, wie in Frankreich. Scha‘ath ist frustriert über den seit Jahren feststeckenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Er will eine Internationalisierung der Friedensgespräche mit Beteiligung von Frankreich, Deutschland, den USA, Russland, Indien, Brasilien und China, nur ohne Ägypten. Als intimer Kenner der internationalen Szene weiß er, dass dabei nichts herauskommen könnte. Schlimmer noch: Der Ex-Außenminister scheint sich nach der „guten alten Zeit“ zurückzusehnen, als Jasser Arafat und seine PLO-Konsorten Ende der sechziger Jahre mit Flugzeugentführungen und internationalem Terror die Welt auf das Phänomen „Palästina“ aufmerksam gemacht hatten. Opfer waren vor allem Nicht-Israelis. Auch der Terroranschlag bei den Olympischen Spielen 1972 in München war Teil dieser Kampagne.

UNO kam Arafats Forderungen nach

Die Araber des ehemaligen britischen Mandatsgebiets hatten sich gerade erst (1968) den Namen „Palästinenser“ gegeben und forderten ein „Selbstbestimmungsrecht“. Während die Deutschen mit „Selbstbestimmungsrecht“ damals die Wiedervereinigung meinten, stellte sich die restliche Weltgemeinschaft voll auf die „gerechten“ Forderungen Arafats ein, ohne sie weiter zu hinterfragen. Sie belohnte ihn mit einem Auftritt vor der UNO 1974, mit der Anerkennung seiner bis dahin als „Terror-Organisation“ geächteten PLO und mit Geheimabkommen (etwa mit der Schweiz). Scha‘ath scheint nicht zu verstehen, dass die Welt heute dringlichere Probleme hat als eine „Lösung“ des leidigen Konflikts mit Israel. Sollte die PLO auf Flugzeugterror zurückgreifen, nur um „Aufmerksamkeit“ auf sich zu lenken, wäre es das Ende der Autonomiebehörde. Auch die Idee einer Zweistaatenlösung wäre dann ausgeträumt. Die Drohung mit Flugzeugentführungen und internationalem Terror zeugt von Unreife und Verantwortungslosigkeit. So offen ausgesprochen von einem der führenden palästinensischen Politiker wirkt sie wie eine Bankrotterklärung.

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