Kommentar: Knick in der Logik

DAMASKUS (inn) – Indem Russland empfiehlt, alle syrischen Massenvernichtungswaffen der UNO zu übergeben und Syriens Außenminister Walid Muallem diesem Vorschlag „freudig zustimmt“ hat, widersprechen Russen wie Syrer ihren eigenen Aussagen.

Zweifel an der Echtheit der Bilder vergaster Menschen haben sich inzwischen verflüchtigt. Offen ist nur noch, ob Rebellen oder Syriens Armee die Giftgranaten auf Viertel in Damaskus verschossen hat. Die Russen hatten noch im Juli in einem Geheimbericht an die UNO behauptet, dass das Giftgas in den sunnitischen Gebieten des Irak produziert und über die Türkei an Al-Quaida-Rebellen in Syrien übergeben worden sei. Syrien hatte pauschal bestritten, Giftgas zu besitzen.
Am 22. Juli vergangenen Jahres hatte Dschihad Makdissi, Sprecher des syrischen Außenamtes, erklärt, dass Syrien Giftgas nicht gegen die eigene Bevölkerung einsetzen werde. Die amerikanische Zeitung „New York Times“ feierte Makdissis sensationelle Worte als erstes offizielles syrisches Eingeständnis, doch über Massenvernichtungswaffen zu verfügen. Aber die Freude war verfrüht. Makdissi wurde wegen „falscher Behauptungen“ entlassen. Sein Haus in Damaskus wurde angezündet und Makdissi musste Hals über Kopf nach London fliehen.
Der russisch-syrische Kompromiss bedeutet also, dass die unkontrollierbaren Rebellen ihr Giftgas behalten dürfen, während Syrien zustimmt, nicht existente Waffen abzugeben. Hauptsache, der amerikanische Angriff wird abgewendet. Fast alle Welt atmete auf.
Der israelische Fernsehsender „Kanal 2“ berichtete jedoch am Dienstag von einem „Paket“ der Russen für die Syrer. Als Kompensation für die chemischen Waffen will Moskau Kampfflugzeuge, Panzer und Ersatzteile an Damaskus liefern. Präsident Wladimir Putin erklärte dazu: „Es ist schwer, Syrien oder sonst ein Land in der Welt zur einseitigen Abrüstung zu bewegen, solange es mit einer Militäraktion bedroht wird.“ Seit jenem 21. August, an dem 1.462 Menschen durch Giftgas umkamen, seien in Syrien 1.637 Menschen mit konventionellen Waffen getötet worden. Mit den neuen Flugzeugen und Panzern könnte Assads nun noch effektiver die eigene Bevölkerung umbringen. Nachdem die Welt zu 130.000 toten Syrern geschwiegen hat, gilt offensichtlich, dass ein Diktator auf konventionell Weise beliebig viele Menschen umbringen darf. Schlimmer als Giftgas ist nur eine amerikanische Einmischung. Denn dann könnte es ja „Kollateralschaden“ geben.

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