Kommentar: Attentat hatte klares politisches Motiv

Dürfen rechtsextreme Aktivisten im Westen ohne Prozess hingerichtet werden? Die Medienberichterstattung über das Attentat auf Rabbi Jehuda Glick lässt dies teilweise vermuten. Ein Kommentar von Nahost-Korrespondent Ulrich W. Sahm.
Dem Attentat auf Jehuda Glick könnten weitere politische Verbrechen folgen.

Terroristen morden meisten willkürlich, wenn Flugzeuge entführt, Linienbusse oder Restaurants gesprengt werden. Eine ganz andere Qualität haben Attentate auf ausgesuchte Persönlichkeiten. Das Attentat auf den österreichischen Kronprinzen in Sarajewo gilt als Auslöser für den Ersten Weltkrieg. Die Ermordung des Legationsrats Ernst Eduard vom Rath am 7. November 1938 durch den polnischen Juden Herschel Grynszpan diente den Nazis zwei Tage später als Vorwand für die sogenannte „Reichspogromnacht“ (Kristallnacht) und die Vernichtung von sechs Millionen Juden im Rahmen des Holocaust.
Viele andere berühmte Persönlichkeiten wurden gezielt ermordet, darunter Abraham Lincoln, Jordaniens König Abdullah I. in der Jerusalemer Al-Aksa-Moschee, John F. Kennedy, der Beatle John Lennon und Ägyptens Präsident Anwar el-Sadat, durch Moslembrüder wegen seines Friedensschlusses mit Israel. In Israel fiel Jitzhak Rabin einem jüdischen Attentäter, Jigal Amir, zum Opfer, was den Friedensprozess mit den Palästinensern bis heute stoppte. PFLP-Terroristen erschossen 2001 Israels Tourismusminister Rehavam (Ghandi) Se‘evi in seinem Hotelzimmer.

Palästinensische Freude bedeutsamer als Ausrichtung des Opfers

Jehuda Glick hat das Attentat in Jerusalem lebensgefährlich verletzt (noch) überlebt. Glick ist kein Entscheidungsträger, sondern zählt als ehemaliger Leiter des „Tempelinstituts“ zu einer bedeutungslosen Randgruppe.
Gleichwohl handelt es sich erneut um ein gezieltes Attentat mit klarem politischem Motiv. Die Hervorhebung in manchen Medien, dass Glick ein „rechter Aktivist“ oder ein „Rechtsextremist“ sei, soll wohl andeuten, dass er „selber schuld“ sei, als ob im Westen einem Rechten, Aktivisten oder Extremisten die Hinrichtung ohne Prozess gebührt. Viel entscheidender wäre genaueres Hinschauen beim mutmaßlichen Täter und seinen Hintermännern, die vielleicht gar den Mord an einem prominenten Israeli in Auftrag gegeben haben.
Die Glückwünsche zu dem Attentat durch den Islamischen Dschihad und die Hamas, die Freudenfeiern der Palästinenser in Ostjerusalem mit Feuerwerk sollten von größerer Relevanz sein, als die politische Ausrichtung des Opfers. Die Familienangehörigen von Mutas Hidschasi, 32, der schon elf Jahre im israelischen Gefängnis saß, deuten darauf hin, dass dem Attentat weitere politische Verbrechen folgen könnten. Im Juni hatte die von der Hamas organisierte und befohlene Entführung von drei israelischen Jugendlichen zum Gaza-Krieg und zu mehr als 2.100 palästinensischen Toten geführt.

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