Zerstörte Panzer in der Sinaiwüste

Zerstörte Panzer in der Sinaiwüste

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Vor 65 Jahren engagierte sich Israel in der „Suezkrise“ militärisch an der Seite Frankreichs und Großbritanniens um die lebensnotwendige Wasserstraße zwischen Europa und Asien. Damit wurde es zum zuverlässigen Verbündeten im Kampf gegen muslimische Hegemonieansprüche.

Zugegeben, als Sieger aus der so genannten „Suezkrise“ vom Oktober 1956 sind weder Frankreich, noch die Briten, noch Israel hervorgegangen. Alle drei mischten mit in jener denkwürdigen Auseinandersetzung mit Ägypten, die in die Geschichte einging und bei der es um Geld und den freien Handel zwischen Europa und Fernost ging. Ein Konflikt, bei dem der jüdische Staat offiziell nur eine Randfigur war und doch als zuverlässiger Verbündeter an der Seite Europas stand.

„Durch seinen militärischen Beitrag im Kampf gegen Ägypten, einen mehrheitlich muslimischen Staat, hatte Israel gezeigt, dass die Axiome seiner Außenpolitik nicht im Orient, sondern bei den westlichen Demokratien liegen“, sagt der Historiker Uwe Puschner von der FU Berlin. Durch die Suezkrise sei auch den arabischen Staaten bewusst geworden, dass sie bei einem militärischen Konflikt mit Israel immer auch mit pro-israelischen Interventionen aus Europa würden rechnen müssen. Dies nimmt der jüdische Staat bis heute als zweite „Lebensversicherung“ für sich in Anspruch, nach den Garantien der USA.

Und dennoch: Ins Zwielicht gerieten bei der Suezkrise, aus Sicht Israels, auch die USA, die seinerzeit ihre Außenpolitik im Verhältnis zu den blockfreien Staaten neu ausloteten. Das hatte zur Folge, dass Israel seine Sicherheitsinteressen danach eigenverantwortlich wahrnahm und eine hochmoderne Waffenindustrie aufbaute.

Geld für Krieg gegen Israel

Begonnen hatte der Konflikt um den Suezkanal, die nach dem Panamakanal wohl wichtigste Seehandelsroute der Welt, durch die Ankündigung des damaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser (1918–1970), die Kontrolle über den Kanal zu übernehmen. Nasser lockten die lukrativen Dauereinnahmen aus der Kanalnutzung und die Möglichkeit, mit Durchfahrtsrechten Einfluss auf die Weltpolitik zu nehmen.

Was heute ein offenes Geheimnis ist: Das Geld benötigten er und seine muslimischen Spießgesellen in Amman, Bagdad und Beirut vor allem für den Kampf gegen den Erzfeind Israel, wie die späteren, von den Arabern angezettelten Kriege noch zeigen sollten. Stets ging es dabei allein um die physische Vernichtung des jüdischen Staates und seiner jüdischen Bevölkerung, woran sich – aller Friedensrhetorik und allen Abkommen zum Trotz – in der islamischen Welt bis heute nur teilweise etwas geändert hat. Vor allem der Iran, die Hisbollah und die Hamas trachten nach der Auslöschung Israels.

Handelshemmnisse und Hilfen aus Bonn

Nach zehnjähriger Bauzeit war der Suezkanal ab 1869 von der französischen „Compagnie Universelle du Canal Maritime de Suez“ betrieben worden. Diese besaß ein Nutzungsrecht auf 99 Jahre, das anschließend an Ägypten übergehen sollte. Zwölf Jahre vor Ablauf des Nutzungsrechts, am 26. Juli 1956, kündigte Nasser den Vertrag überraschend einseitig und verstaatlichte den Kanal. Das war für Briten und Franzosen, die sich nach dem Sieg über Hitlerdeutschland als Weltmächte sahen, eine Provokation.

Doch nicht nur das. Um das Bedrohungsszenario für Israel noch zu erhöhen, hatten Ägypten, Jordanien und Syrien ihre Armeen wenige Monate zuvor unter gemeinsamen Oberbefehl gestellt; zeitweilig war Nasser sogar kooptives Staatsoberhaupt Ägyptens und Syriens.

Die militärische Antwort Israels folgte auf den Fuß; auch, weil der Kanal bereits seit 1950 für israelische Handelsschiffe gesperrt war, was die wirtschaftliche Entwicklung des jungen, jüdischen Staates massiv gehemmt hatte. Warenverkehr mit Afrika und Asien war nur mehr per Luftfracht oder auf Umwegen möglich, was die Inflation angeheizt und zu sozialen Verwerfungen geführt hatte. Bis heute leidet Israel an einem im internationalen Vergleich sehr hohen Preisniveau, was neben steuerlichen Belastungen auch auf den nach EU-Maßstäben geringen Handel mit seinen Nachbarn zurückzuführen ist.

Höchst willkommen waren damals Wirtschaftsbeihilfen aus Westdeutschland, auf die sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Premier David Ben-Gurion schon zu Beginn der 1950er Jahre informell verständigt hatten. Bis heute zahlen die USA jährlich rund drei Milliarden US-Dollar Direkthilfen an Israel, um die einzig stabile Demokratie im Nahen und Mittleren Osten nicht zu gefährden.

Einmarsch in den Gazastreifen

Als Reaktion auf die neuerliche Aggression Nassers, der „Wiedergeburt Hitlers“, so bezeichneten es die Regierungen in London und Paris in offiziellen Kommuniqués, marschierte Israel am 29. Oktober 1956 – nach geheimer Rücksprache mit Franzosen und Briten – in den Gazastreifen ein. Zusätzlich besetzte es den Sinai, von dem sich seine Truppen allerdings bis März 1957 auf Druck der USA, die sich im Wahlkampf befanden, wieder zurückziehen mussten.

Immerhin: Israel konnte erreichen, dass in Scharm el-Scheich, an der Südspitze des Sinai, UNO-Truppen stationiert wurden und damit die freie Schifffahrt durch die Meerenge von Tiran sichergestellt war. Zuvor hatten sich ägyptische und israelische Einheiten an der gemeinsamen Grenze einen jahrelangen Kleinkrieg geliefert, vergleichbar mit den jüngsten Raketenangriffen aus Gaza. Es war also auch ohne die Suezkrise nur eine Frage der Zeit, bis Israel intervenieren sollte, was zehn Jahre später tatsächlich geschah.

Obwohl sich die militärische Lage im Suezdelta in den kommenden Jahren etwas entspannte, hatte Israel der arabischen Welt in der Suezkrise zu verstehen gegeben, dass seine Armee auch kurzfristig zu reagieren imstande ist. Dieser Umstand kostete dem ägyptischen Präsidenten und selbst ernannten Politmessias Nasser, der neben Mohammed angeblich auch für Voltaire und Ghandi schwärmte, schließlich 1967, nach dem verlorenen Sechs-Tage-Krieg gegen Israel, das Amt.

Von: Benedikt Vallendar

Dr. Benedikt Vallendar arbeitet als freier Publizist und ist Berichterstatter der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main. 2004 promovierte er an der FU Berlin im Fach Neuere Geschichte.