In der Wüste wandte sich Gott seinem Volk neu zu (Symbolbild)

In der Wüste wandte sich Gott seinem Volk neu zu (Symbolbild)

Israel zwischen Wüstentod und Lebenslicht

Wie ein roter Faden zieht sich die Geschichte Israels durch die Bibel. Israel ist gleichsam hineingewebt in die Heilsgeschichte von Abraham bis zu einem himmlischen Jerusalem am Ende der Offenbarung. Völker kamen und gingen. Großreiche blühten auf, verwelkten und verschwanden. Israel blieb durch die Zeiten nicht von Schlägen verschont, aber Israel lebt.

Es ist das Wunder von Israels Erhaltung. Die Bibel beschreibt nicht die glorreiche Geschichte eines auserwählten Volkes, eher umgedreht. Die Propheten wettern gegen Könige ebenso wie gegen das gemeine Volk. Sie klagen Gesetzlosigkeit und Gottlosigkeit an. Und der Gott Israels selber findet harte Worte, wenn er sagt: „Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist“ (2. Mose 32,9).

Eine heftige Szene schildert 2. Mose 32: Nach vierzig Tagen auf dem Berg kommt Mose mit den Steintafeln der Gebote zurück ins Lager der Israeliten. Dort hatte sich das Volk inzwischen einen goldenen Stier errichtet und zum Gottesbild erhoben: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! Mose ist sprachlos. Gott redet Klartext: „Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie verzehre; dafür will ich dich zum großen Volk machen.“

Das scheint das Ende für Israel. Nach der wunderbaren Befreiung aus Ägypten, dem Weg durch das Schilfmeer und der täglichen Versorgung mit Manna und Wasser in den Weiten der Wüste ist Gott fertig mit diesem Volk. Er wird einen Schlusspunkt setzen wie mit der Menschheit in der Sintflut, wo nur Noah und dessen Familie für einen Neuanfang überlebten. Israel soll im Wüstensand verschwinden und mit Mose will Gott neu beginnen, ein neues und gehorsames Volk wachsen lassen.

Doch da geschieht die Wende. Mose stellt sich in den Riss und fleht für das Volk, er erinnert Gott an dessen Zusagen. Ein ergreifender Moment in der Heilsgeschichte. Hätte Mose nicht ganz groß rauskommen können? Er als der Stammvater eines neuen gottgefälligen Volkes! Doch das lehnt er ab: „Ach, Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.“ Und so wendet sich Gott neu seinem Volk zu und führt es ins verheißene Land.

Lebenslicht als Segensspur

Am Ende bleibt Gott bei seinen Zusagen und hält Wort. Er geht mit dem Volk durch die Weite der Zeiten und setzt es der Welt zum Segen, wie er Abraham verheißen hatte: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Und so erkennen wir neben allen Heimsuchungen und dem Leidensweg Israels zugleich ein Volk mit Segensspuren. Noch mehr: „Ich, der Herr, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden“ (Jesaja 42,6). Israel hat der Menschheit nicht nur die zehn Gebote gebracht, sondern auch, begründet in der Ebenbildlichkeit, eine unvergleichliche Botschaft von der Würde jedes Menschen. Israel hat dies der Menschheit vorgelebt: Die Sieben-Tage-Woche mit dem Gebot der Sabbatruhe, nach sechs Tagen Arbeit und Mühe ein freier Tag. Ein „Sabbatical“ als zusätzlich freie Zeit gehört heute zur modernen Lebensweise von Machern und Managern.

Israel hat in großer Treue Gottes Wort bewahrt, indem die heilige Schrift von Generation zu Generation buchstabengenau überliefert wurde. Nicht zuletzt die 2.000 Jahre alten Schriften, die 1947 und danach in Qumran gefunden wurden, lassen diese Schrifttreue erkennen.

Bleibt am Ende die Ankündigung eines messianischen Heilsbringers für das Volk Israel und alle Völker. Millionen Menschen weltweit sehen in Jesus den Messias Israels und folgen dem Christus, den Gott der Welt zum Licht gesetzt hat.

Von: Egmond Prill

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