Das Grab des Propheten Hesekiel befindet sich laut jüdischer Überlieferung in Al-Kifl im Irak

Das Grab des Propheten Hesekiel befindet sich laut jüdischer Überlieferung in Al-Kifl im Irak

Hesekiel – Gericht und Gnade

Dass der Gott Israels auch in der Fremde regiert und redet, war für die Verbannten in Babylon eine neue Erkenntnis. Auch außerhalb Jerusalems erwies sich der Gott Israels als der lebendige Gott. Er war da. Wie damals in den Zeiten der Wüstenwanderung unter Moses. Er war bei seinem Volk, selbst im Gericht war er gegenwärtig.

Der Prophet Hesekiel („Gott wird stärken“) wurde vermutlich mit anderen aus Juda im Zuge der ersten Eroberung Jerusalems 597 vor Christus von den Babyloniern weggeführt. Die Sieger nahmen vor allem Jugendliche aus führenden Familien, Handwerker und den jungen König Jojachin mit in die Fremde. Dem Volk sollte die Führung genommen werden, um Juda und Jerusalem machtpolitisch zu enthaupten. Hesekiel stammte aus einer Priesterfamilie und gehörte von daher zur angesehenen Oberschicht in Jerusalem. Mit anderen wohnte er vor den Toren der Stadt Babylon am Fluss Kebar im Ort Tel-Aviv (Hesekiel 3,15). Dort in der Fremde erhielt er erste Offenbarungen.

Der Prophet sagt das Ende für Juda und Jerusalem an. Götzendienst, Gräueltaten und Gottlosigkeit im Lande rufen Gottes Gericht herauf. Worte aus 5. Mose 28 werden Wirklichkeit. Fremde Völker ziehen heran: „Der HERR wird ein Volk über dich schicken von ferne, vom Ende der Erde, wie ein Adler fliegt, ein Volk, dessen Sprache du nicht verstehst, ein freches Volk, das nicht Rücksicht nimmt auf die Alten und die Jungen nicht schont. Es wird verzehren die Jungtiere deines Viehs und den Ertrag deines Ackers, bis du vertilgt bist“ (49ff). Das Prophetenbuch lässt sich gut in drei Teile gliedern: Kapitel 1–24 kündigen Gerichte an; 25–32 sind Worte über die Völker; ab 33-48 sind Heilszusagen für die Zukunft enthalten.

Nebukadnezar: Zweimal gegen Jerusalem

Im Vorderen Orient trat schnell und mächtig das Neubabylonische Reich das Erbe des versunkenen und besiegten Assyrer-Reiches an. Unter König Nabopolassar und mit der Thronbesteigung seines Sohnes Nebukadnezar stieg einem Kometen gleich Babylon zur Großmacht auf. Das änderte die Verhältnisse auch für Juda und Jerusalem.

An die Stelle der bislang herrschenden Assyrer kamen nun die Babylonier und forderten den Tribut abhängiger Völker. Vermutlich hat Juda nichts gezahlt und vielleicht gab es den Gedanken: Babylon ist weit weg und Jerusalem für eine Weltmacht unbedeutend klein. Doch 597 vor Christus stand Nebukadnezar vor der Stadt und siegte. Jetzt musste gezahlt werden. Neben Gold und Silber auch Menschen. Die Sieger führten Jugendliche der Oberschicht und Handwerker nach Babylon.

Als nach dem Abzug Nebukadnezars bald darauf die Tributzahlungen wieder ins Stocken kamen, erschien er zum zweiten Mal vor Jerusalem. Jetzt kam eine totale Niederlage mit der völligen Zerstörung des Landes und der Stadt mit dem prachtvollen Tempel Salomos. Es wurde geplündert, verbrannt und versklavt. Nun wurden viele aus dem Volk in die babylonische Gefangenschaft geführt.

Zukunft durch Gottes Gnade

587 vor Christus sehen wir das Ende für das alte Israel. Alles war aus und vorbei. Die Geschichte und der Glaube Israels waren wie ausgelöscht. Denn eine feindliche Macht und ein fremder Gott hatten gesiegt. Doch gerade dort setzt der Gott Israels für sein Volk einen Neuanfang. Der Prophet Hesekiel, selbst nahe Babylon, darf Worte des Trostes und neuer Hoffnung prägen. Es ist die Vision in Hesekiel 37: Eine weite Wüste voller toter Knochen, doch das Totenfeld soll neues Leben erhalten.

Unvorstellbar angesichts der Wirklichkeit. Viele vom Volk sind unter der Knute Babylons. Ein kläglicher Rest in Juda und dem zerstörten Jerusalem. Und so ist selbst der Prophet am Ende und kann sich eine glanzvolle Wiederherstellung Israels nicht vorstellen. Der Frage Gottes „meinst du wohl, dass diese Gebeine wieder lebendig werden?“ kann er nur ausweichend antworten: „Herr, mein Gott, du weißt es.“ Er weiß es nicht. Er kann sich die Auferstehung Israels, eine Zukunft für Land und Volk, nicht wirklich vorstellen. Doch genau diese Zukunft soll er ansagen.

Von: Egmond Prill

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