Wehrt sich dagegen, in einem palästinensischen Staat zu leben: Ajman Odeh

Wehrt sich dagegen, in einem palästinensischen Staat zu leben: Ajman Odeh

Israelisch-arabischer Widerstand gegen Trump

Viele israelische Araber protestieren gegen den Friedensplan von US-Präsident Trump. Sie wollen in Zukunft nicht in einem palästinensischen Staat leben. Das widerspricht ihrer häufigen Selbstdefinition als „Palästinenser“, wie Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm beobachtet.

JERUSALEM (inn) – Die israelischen Araber, also Araber mit israelischer Staatsangehörigkeit, bekämpfen den „Friedensplan“ von Donald Trump, weil er „rassistisch“ sei. Das sagte Ajman Odeh, der Vorsitzende der arabischen „Vereinigte Liste“. Sein Parteienbündnis ist mit 13 Sitzen in der Knesset vertreten, dem israelischen Parlament. Odeh beklagt sich darüber, dass gemäß der „Friedensvision“ des amerikanischen Präsidenten die großen arabischen Siedlungsblöcke, darunter die Stadt Umm el-Fahm, dem künftigen palästinensischen Staat zugeschlagen werden sollten. Das sei nicht akzeptabel, lamentiert der Parlamentarier mit israelischem Pass in der Tasche.

Auf Twitter schrieb er mit Bezug auf Premier Benjamin Netanjahu und den amerikanischen Präsidenten: „Der Annexions- und Transferplan von Bibi und Trump sieht grünes Licht vor, um Hunderttausenden Arabern im Dreieck die (israelische) Staatsbürgerschaft zu verweigern. Wir bekämpfen diesen spaltenden Rassismus mit allen Mitteln, die wir haben. Jeder arabische und jüdische Bürger, der an Demokratie und Frieden glaubt, muss sich diesem gefährlichen Plan widersetzen. Die Übertragung / der Austausch darf nicht sein." Und er ergänzte: Noch seine Enkel würden israelische Staatsbürger sein.

Ins Deutsche übersetzt hält Odeh es für „Rassismus“, wenn israelische Araber, die sich selber oft als „Palästinenser“ bezeichnen, vom jüdischen Staat Israel der palästinensischen Autonomie, also dem künftigen Staat Palästina zugeschlagen werden sollten. Dass er und seine Familie sich am liebsten mit der palästinensischen Flagge zeigen, ist in solchen Momenten wohl vergessen.

Der Vorschlag, mit einer einfachen Veränderung des Grenzverlaufs hunderttausende arabische Israelis im sogenannten „Dreieck“ nördlich von Tel Aviv zu Palästinensern zu machen, ist nicht neu. Der frühere Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte diese Idee schon vor einigen Jahren geäußert. Lieberman bekam damals viel Gegenwind, von linken Israelis, aber vor allem von den israelischen Arabern. Für sie war Liebermans Anstoß ein Anlass, plötzlich ihre Loyalität zu „ihrem Staat“, nämlich dem jüdischen Staat Israel, zu zeigen. Kein einziger Bewohner des Dreiecks hätte umziehen müssen, denn das palästinensische Autonomiegebiet befindet sich in nächster Nachbarschaft. Anlass für Liebermans Idee waren die sehr feindseligen Demonstrationen arabischer Israelis gegen Israel, bei denen die damals noch verbotene Flagge der „Palästinensischen Befreiungsorganisation" (PLO) gehisst wurde.

Vor- und Nachteile gegenüber jüdischen Mitbürgern

Es stellt sich also heraus, dass die israelischen Araber, von denen sich viele selbst als „Palästinenser“ bezeichnen, offenbar durchaus zufrieden sind mit ihrem Leben in Israel. Zwar heißt es in den Medien – auch in Deutschland – dass diese „Palästinenser“, immerhin fast 20 Prozent der israelischen Staatsbürger, unter „Apartheid“ litten und diskriminiert würden, aber Bürger eines palästinensischen Staates wollen sie in Wirklichkeit keinesfalls sein.

Die israelischen Araber sind vom Militärdienst befreit und können deshalb manche Berufe nicht ergreifen, bei denen Militärdienst als Voraussetzung gilt. Andererseits können diese Araber ganze drei Jahre früher als ihre jüdischen Kollegen studieren und sind deshalb auch schneller fertig. Besonders beliebt, vor allem bei arabischen Frauen, ist das Studium der Pharmazeutik. In der Folge gibt es kaum noch eine Apotheke in Israel, in der nicht eine Araberin eine Anstellung gefunden hat und ihren Dienst tut. Araber sind nicht nur an den Universitäten in großen Zahlen vertreten, sondern auch in vielen Berufssparten.

Fundamentalisten der Opposition

Wenn die israelischen Araber nicht zum größten Teil jegliche Wahl boykottierten, wären sie mit über 20 Abgeordneten vertreten, so aber schafft es die „Vereinigte Liste" immerhin auf 13 Abgeordnete. Es handelt sich hier um ein Bündnis von strammen Kommunisten bis hin zu islamistischen Fundamentalisten. Die Liste vereint alle Araber, die gegen Israel sind, unter der Führung von Ajman Odeh.

Diese Partei ist immer in der Opposition. Allerdings gilt sie auch nicht als „regierungsfähig“, weil ein arabischer Minister dann Zugang zu den bestgehüteten Militärgeheimnissen Israels hätte. Die jüdischen Israelis trauen ihren arabischen Kollegen aus gutem Grund nicht, da die arabischen Abgeordneten immer wieder in arabische Länder reisen und bei jeder Gelegenheit ihre Solidarität mit palästinensischen Terror-Organisationen oder den schlimmsten Feinden Israels im Libanon, in Syrien oder Iran zeigen.

Ebenso pochen sie auf ein „freies Palästina“. Doch wie sich jetzt wieder einmal herausstellt, ist das bei ihnen eine politische Masche. Wenn es darauf ankommt, wollen sie unter keinen Umständen ihren Status als Bürger des jüdischen Staates verlieren oder gar nach „Palästina“ abgeschoben werden. Die dort herrschende Korruption, die marode Wirtschaft, fehlende Sozialleistungen, mangelnde Krankenversorgung und viele andere Gründe sind für die israelischen Araber alles andere als verlockend.

Loyal gegenüber Israel: Beduinen und Drusen

Angesichts dieser Tatsachen gibt es auch eine steigende Anzahl von arabischen Bürgern Israels, die sich durch diese Fundamentalisten nicht vertreten sehen. Insbesondere Beduinen, Drusen und Tscherkessen stehen treu zum jüdischen Staat.

Ein Beispiel bietet Mohammad Kabia. Er ist ein israelisch-muslimischer Beduine, der im nordisraelischen Dorf Kabia geboren und aufgewachsen ist. Das Dorf wurde nach seiner Familie benannt. Kabia wurde 1948 infolge der Unabhängigkeit Israels Teil des jüdischen Staates. Die Bewohner kämpften Seite an Seite mit den Juden und wurden stolze Israelis. Im Alter von 18 Jahren trat Mohammad den Israelischen Verteidigungsstreitkräften bei und diente in der Luftwaffe als Such- und Rettungssoldat. Heute ist er ein Aktivist, der Brücken zwischen verschiedenen Minderheiten in Israel aufbaut. Er wurde auch ein strategischer Berater für die Armee und vertritt israelische Beduinen in der internationalen Politik.

Zu erwähnen wäre hier auch noch der langjährige Likud-Abgeordnete Ajub Kara, ein Druse, der auch Ministerposten einnahm. Die Drusen sind ein Volksstamm, der auch im Libanon und in Syrien lebt. Sie gelten als muslimische Sekte, die israelischen Drusen stehen aber loyal zu Israel und unterliegen ebenso wie die Beduinen der Militärpflicht.

Zynisch und irreführend

Die sogenannten „Palästinenser“ in Israel sind also ein komplexes Phänomen. Sie sollten keinesfalls in einen Topf geworfen werden mit den Bürgern in den Autonomiegebieten, die immerhin die „palästinensische Staatsangehörigkeit“ und die entsprechenden Ausweispapiere besitzen, während die Araber in Israel ausnahmslos Staatsbürger des jüdischen Staates sind. Es ist deshalb auch sehr fragwürdig, sie als „Palästinenser“ zu bezeichnen, wie das in den deutschen Medien üblich ist.

Wie zynisch und irreführend mit dem Begriff umgegangen wird, zeigt der Filmemacher Elia Suleiman aus der nordisraelischen Stadt Nazareth. In seinem Film „Vom Gießen des Zitronenbaums“ stellt er sich als Palästinenser vor. Das ist ein tolles Geschäftsmodell, um Interesse zu wecken und Gelder anzulocken. Denn den „armen und unterdrückten Palästinensern“ muss geholfen werden, gewiss aber nicht einem „Israeli“. Je nach Gusto ist Suleiman also mal Israeli und mal „Palästinenser“, je nachdem, wie er am besten profitiert.

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