Am jüdischen Neujahr wird traditionell das Schofar geblasen

Am jüdischen Neujahr wird traditionell das Schofar geblasen

Na dann: Guten Rutsch!

Die Jahre kommen und gehen, auch in Israel. Das Jubiläumsjahr „70 Jahre Staat Israel“ ist zu Ende gegangen. Anfang September begann das neue Jahr 5779 jüdischer Zeitrechnung. Was hat es auf sich mit diesem Kalender? Wie ist er entstanden? Wo gilt er heute? Eine Beobachtung von Egmond Prill

Alle jüdischen Feste und auch die staatlichen Feiertage in Israel werden nach dem jüdischen Kalender gerechnet und gezählt. So feierte Israel den 70. Jahrestag der Staatsgründung siebzig Jahre nach dem 5. Ijar 5708 natürlich am 5. Ijar 5778. Was damals nach der Zählung der allgemein verbreiteten christlichen Zeitrechnung der 14. Mai 1948 war, fiel sieben Jahrzehnte später auf den 19. April 2018.

„Gutes Jahr“: „Schana tova!“

Der Neujahrstag heißt „Rosch HaSchanah“. Er fällt nach unserem Kalender in den Zeitraum September/Oktober. Das Neujahrsfest erstreckt sich auf zwei Tage. In der Bibel finden wir je nach Übersetzung auch die Namen „Posaunenfest, Fest des Trompetenschalls, Gedächtnistag mit Hörnerschall“. Nach jüdischer Tradition ist Neujahr der Jahrestag der Schöpfung. Das Fest erinnert an die Erschaffung der Welt am Anfang der Geschichte und Gottes Gericht am Ende der Geschichte. Es wird das Widderhorn „Schofar“ geblasen. Dessen lauter Schall soll die Menschen zur Umkehr rufen.

Mit „Rosch HaSchanah“ beginnen zehn Tage der Besinnung und der Buße, die „(ehr)furchtvollen Tage. Sie enden mit „Jom Kippur“, dem großen Versöhnungstag. In biblischen Zeiten war das der einzige Tag, an dem der Hohepriester das Allerheiligste im Tempel betrat und um Gottes Erbarmen für das versammelte Volk flehte. Beladen mit der Schuld aller wurde der Sündenbock in die Wüste gejagt. Das neue Jahr beginnt mit dem ersten Tag des siebenten Monats, der den Namen „Tischri“ trägt. Den biblischen Hintergrund bilden die Worte im 3. Buch Mose 23,23–31.

Ein besonderer Kalender

Das jüdische Jahr wird nach dem Mondjahr mit 354 Tagen gerechnet, wobei die fehlenden Tage durch eine komplizierte Regel von Schaltmonaten immer wieder reguliert werden. Es ist ein „solargebundener Mondkalender“. So wird im Ablauf der Zeiten dafür gesorgt, dass die Frühlingsfeste auch im Frühling bleiben und Neujahr zum Ende des Sommers.

„Wenn man den Kalender nicht angepasst hätte, wäre das biblische Gebot, das Fest in dieser Jahreszeit zu feiern, übertreten worden, da Pessach durch die jährliche, elfttägige Verschiebung nach kurzer Zeit in die Wintermonate gefallen wäre. Die elftägige Differenz zwischen dem jüdischen und dem zivilen Kalender wurde ausgeglichen, indem man alle zwei oder drei Jahre einen zusätzlichen Monat (Adar II) einschob (in neunzehn Jahren siebenmal). Außerdem wurde jedes Jahr in den Monaten Cheschwan und Kislev ein Tag hinzugefügt oder weggenommen, je nach Bedarf. Das waren die ‚Schaltmonate’: in manchen Jahren hatten sie neunundzwanzig, in anderen dreißig Tage.“ (Alfred J. Kolatch, „Jüdische Welten verstehen“).

Für die biblische Zeitrechnung ist noch interessant: In der Frühzeit rechnete Israel im Einklang mit dem ägyptischen Kalender und hatte damit den Jahresanfang im Frühling. Später rechnete Israel nach dem babylonischen Kalender und dem Jahresbeginn im Herbst. Das führte dazu, dass das jüdische Jahr mit dem Frühlingsmonat Nissan tatsächlich im Frühling startet, aber im siebten Monat das Neujahr gefeiert wird, immer im Herbst.

„Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus.“ (2. Mose 12,1+2). Kurz gesagt: Es gibt ein kulturelles Jahr, das sich nach dem zyklischen Lauf der Jahreszeiten richtet: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und es gibt ein religiöses Jahr, das mit „Rosch HaSchanah“ beginnt, dem „Haupt des Jahres“. In Deutschland wünschen wir zum Jahreswechsel an Silvester gern einen „guten Rutsch“, gemeint ist ein „guter Rosch“, ein guter Anfang des neuen Jahres. In diesem Sinne: Guten Rutsch!

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 5/2018 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online.

Von: Egmond Prill

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