Alles andere als ein friedlicher Protest: die sogenannten Märsche der Rückkehr im Gazastreifen

Alles andere als ein friedlicher Protest: die sogenannten Märsche der Rückkehr im Gazastreifen

Hinter der Maske des Friedens gegen Israel

Seit März wird Israel regelmäßig von militanten palästinensischen Aktivisten angegriffen, die am sogenannten „Marsch der Rückkehrer“ im Gazastreifen teilnehmen. Dabei versteckt die radikal-islamische Hamas ihre Angriffe gegen Israel perfide hinter einer Rhetorik des Friedens. Ein Gastbeitrag von Marc Neugröschel

Die sprichwörtlichen „99 Luftballons“ aus dem gleichnamigen Lied der Sängerin Nena gelten als Sinnbild der Arglosigkeit: als Antithese zu zerstörerischem Kriegsgerät. In der Tat wäre bis vor einigen Monaten wohl niemand auf die Idee gekommen, Ballons mit Krieg, Feuer und Zerstörung in Verbindung zu bringen. Statt dessen hätte man sie wohl eher mit den fröhlichen Augen spielender Kinder oder ausgelassenen Gästen einer Geburtstagsfeier assoziiert.

Doch seit im März unter dem Motto „Marsch der Rückkehrer“ eine Serie regelmäßiger, gewalttätiger Ausschreitungen im Gazastreifen begonnen hat, gehört es zur Routine militanter Palästinenser, Brandsätze mit Hilfe von Ballons und Drachen in israelisches Territorium fliegen zu lassen. 3.000 Hektar Land sind aufgrund der Angriffe mit diesen fliegenden Brandsätzen mittlerweile verbrannt. Darunter Waldflächen und Naturschutzgebiete, die Lebensraum für viele Tierarten waren.

Mit Brandsätzen bestückte Drachen aus dem Gazastreifen haben in den vergangenen Monaten in Südisrael zahlreiche Feuer ausgelöst

Mit Brandsätzen bestückte Drachen aus dem Gazastreifen haben in den vergangenen Monaten in Südisrael zahlreiche Feuer ausgelöst

Existenzen von Landwirten und Imkern wurden zerstört. Und auch die Anwohner der israelischen Gemeinden und Kibbutzim in der Nähe des Gazastreifens müssen sich seit dem nicht nur vor Raketen und Mörsergranaten, sondern auch vor brennenden Ballons und Drachen in Acht nehmen. Erst kürzlich landete ein fliegender Brandsatz auf dem Spielplatz eines Kindergartens. „Wie soll ich den Kindern erklären, dass es verboten ist, einen Luftballon anzufassen?“, fragte eine Kindergärtnerin, die für eine Nachrichtensendung interviewt wurde.

Für den palästinensischen Kampf gegen Israel ist diese Kriegsführung mit Symbolen der Harmlosigkeit bezeichnend. Bereits Palästinenserführer Jasser Arafat verstand es, Aktionen, die letztendlich die Vernichtung des jüdischen Staates zum Ziel hatten, als Kampagnen für Menschenrechte, gegen Rassismus und gegen Imperialismus zu verkaufen. Dass die palästinensische Terror-Organisation Hamas den „Marsch der Rückkehrer“ als friedliche Demonstration für die Rechte der Palästinenser bezeichnet und ihn gleichzeitig für eine paramilitärische Kampagne gegen Israel instrumentalisiert, passt in dieses Muster.

„Wir betonen, dass dieser Marsch friedlich ist“, zitierte die Deutsche Welle im März Chalil al-Haja, der die Hamas im Palästinensischen Legislativrat vertritt. Im April präsentierte sich der Hamas-Führer Ismail Hanije bei einem öffentlichen Auftritt in Gaza vor einem Banner mit den Portraits von Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela, drei Ikonen des gewaltlosen Widerstandes. Dort verkündete er, der Marsch der Rückkehrer sei „friedlich und zivilisiert“. Doch nur wenige Minuten später, noch während der gleichen Ansprache, bezeichnet er die Proteste als „tödliche Waffe gegen Israel“ – sie würden nicht aufhören, bis sie ihr Ziel erreicht hätten und die Palästinenser nach ganz „Palästina“ zurückgekehrt seien.

Keine Anerkennung Israels

Damit proklamiert der Hamas-Führer einen palästinensischen Anspruch auf das gesamte Territorium des heutigen Staates Israel und somit die Forderung nach dem Ende des jüdischen Staates. Um auch keinen Zweifel an der Bedeutung seiner Worte zu lassen, betonte Hanije außerdem explizit, dass er den Staat Israel nicht anerkenne.

Vor einigen Tagen nun gab die Hamas den paramilitärischen Charakter der Proteste – wenn auch nur indirekt – erneut zu. Im Rahmen von ägyptisch moderierten Verhandlungen zu einer Waffenruhe hat die Terror-Organisation jetzt erklärt, dass sie die gewalttätigen Ausschreitungen und Angriffe im Rahmen des Marsches der Rückkehrer graduell reduzieren wolle, wenn Israel 5.000 Arbeitsvisa für Anwohner des Gazastreifens ausstelle und Gazas Fischereizone um 14 Seemeilen erweitere. Außerdem solle Ägypten seine Einfuhrbeschränkungen für Güter in den Gazastreifen lockern und die Führung von Verhandlungen zu einem Gefangenenaustausch zwischen der Hamas und Israel in Aussicht stellen. Das berichtete die libanesische Zeitung „Al-Akhbar“.

Reduktion der Angriffe als Lockmittel

Weiterhin wird über die Einrichtung eines Seeweges zwischen dem Gazastreifen und Zypern gesprochen. Auch die kürzliche Einfuhr von 15 Millionen Dollar Bargeld aus Katar nach Gaza über Israel wird im Zusammenhang mit den derzeitigen Waffenstillstandsverhandlungen gesehen. Die Hamas stellt also eine graduelle Reduktion der Angriffe gegen Israel als politisches Lockmittel in Aussicht und droht gleichzeitig damit, die Gewalt fortzusetzen, wenn Israel ihren Forderungen nicht nachkommt. Damit gesteht die Terror-Organisation nicht nur die Existenz der gewalttätigen Angriffe ein, sondern gibt gleichzeitig zu verstehen, dass sie die Attacken kontrolliert und diese, je nach ihrer politischen Interessenlage, reduzieren oder auch intensivieren kann.

Doch auch ohne dieses Zugeständnis ist die Fadenscheinigkeit von der Behauptung der friedlichen Proteste offensichtlich. So wie das Aufsteigen-lassen fliegender Brandsätze gehört auch das Werfen von Steinen, Sprengkörpern und Brandbomben beim Marsch der Rückkehrer zur Routine. Dazu kommt das Anzünden von Autoreifen. Der Rauch, der durch das brennende Gummi erzeugt wird und die Sicht vernebelt, dient als Schutz für militante Aktivisten, die gewaltsam versuchen, die Sperranlage zu durchbrechen, welche den Gazastreifen von Israel trennt und vor allem auch dazu dient, israelische Zivilisten vor Anschlägen von Terroristen aus Gaza zu schützen.

Eine Gruppe vermummter Männer aus Gaza, die sich selbst als „Zaunschneider-Einheit“ bezeichnet, präsentierte sich im April mit Drahtscheren in der Hand im von der Hamas betriebenen Fernsehsender „Al-Aqsa“ und verkündete dort, dass sie die Sperranlage durchbrechen werden, um „Palästina“ von Juden zu befreien. Das Nahost-Medien-Forschungsinstitut „MEMRI“ (Kurzfassung für Middle East Media Research Institute) hat die Sendung aufgezeichnet und mit englischen Untertiteln ins Internet gestellt.

Erst am vergangenen Freitag gelang es einem dieser Terroristen wieder einmal, die Sperranlage zu durchbrechen. Er setzte daraufhin ein Gewächshaus im israelischen Bezirk Hof Aschkelon, nordwestlich des Gazastreifens, in Brand.

Bei den Randalierern, die regelmäßig auf den Zaun losgehen, handelt es sich zum Teil um Mitglieder der sogenannten Isadin-al-Kassam-Brigaden, einer paramilitärischen Einheit der Hamas. Aus Verhören von Palästinensern, denen es gelungen ist, den Zaun zu durchbrechen und die dann auf israelischer Seite von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen wurden, weiß man, dass sie für solche Aktionen von der Hamas bezahlt werden.

Bezahlte Teilnehmer

Überhaupt lässt sich die Hamas die Ausschreitungen an der Sperranlage etwas kosten. Die Terror-Organisation hat extra einen Fahrdienst organisiert, der die Einwohner des Gazastreifens regelmäßig zu den Randalen fährt. Wer einen der Busse besteigt, wird dafür von der Hamas mit einer monatlichen Zahlung von 100 israelischen Schekel (umgerechnet etwas mehr als 25 Euro) belohnt. Im von Arbeitslosigkeit geplagten Gazastreifen können viele dieses Geld gut gebrauchen. Insbesondere ermuntert die Hamas Frauen dazu, zu den Protesten zu fahren – aus dem einfachen Grund, dass die in der Regel ihre Kinder mitbringen.

Wer bei den Ausschreitungen eine leichte Verletzung davonträgt, wird mit umgerechnet rund 180 Euro entschädigt. Für schwere Verletzungen gibt es etwa 440 Euro. Bei Todesfällen erhalten die Hinterbliebenen umgerechnet knapp 2.650 Euro. Dennoch greifen westliche Medien das palästinensische Narrativ vom „friedlichen Protest“ gerne auf. So berichtete zum Beispiel die britische Tageszeitung „The Independent“ Ende März von „Israels unbarmherziger Reaktion auf Gazas friedlichen Marsch der Rückkehrer“.

Dies ist bei weitem aber nicht das erste Mal, dass palästinensische Terror-Organisationen geplante paramilitärische Kampagnen als arglose Proteste und spontane Volksaufstände verklären. Während palästinensische Selbstmordattentäter in iranisch finanzierten Trainingslagern von langer Hand indoktriniert und auf ihre tödlichen Missionen vorbereitet wurden, bezeichnete die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) diese Terroranschläge gerne als spontanen Ausdruck des Zornes eines entrechteten palästinensischen Volkes.

Die Hamas professionalisierte die Taktik, sich als Opfer gewalttätiger Auseinandersetzungen zu inszenieren, die sie selber anzettelt. Dazu gehört, dass sie ihre militärische Infrastruktur, ihre Raketen und ihre Munition mit Vorliebe in Kindergärten und Krankenhäusern deponiert. Wenn die israelische Armee dann genau gegen jene Waffenlager vorgeht, zeigt die Hamas selbstgerecht mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger auf die vermeintlich bösen Israelis, die zivile Einrichtungen angreifen würden. So wird die Weltgemeinschaft gegen Israel aufgebracht, um den jüdischen Staat zu delegitimieren. Dabei ist es tatsächlich die Hamas, die Zivilisten und vor allem auch Kinder und Kranke auf perfideste Weise als menschliche Schutzschilde in militärischen Auseinandersetzungen missbraucht.

Muster aus der Psychologie

Man könnte sagen, dass palästinensische Terror-Organisationen das Muster der passiven Aggressivität, das man eigentlich nur aus der Psychologie kennt, zu einer Kriegstaktik entwickelt haben. Palästinensische Gruppen warnen regelmäßig davor, dass sich die Wut der palästinensischen Bevölkerung in gewalttätigen Übergriffen entladen könnte, wenn Israel nicht ihren politischen Forderungen nachkommt.

Die gezielte Drohung mit Gewalt wird so hinter einer Warnung vor einer sozialen Dynamik versteckt. Geplante Angriffe werden als spontane Reaktionen eines wütenden Volkes verklärt. Westliche Medien und Politiker, die dieses Narrativ immer wieder unkritisch aufgreifen und replizieren, machen sich dabei mitschuldig. Nicht nur an den Angriffen und Delegitimierungskampagnen gegen Israel. Sondern vor allem auch am Leid der Palästinenser, die von Terror-Organisationen wie der Hamas in einem Krieg gegen die Existenz des Staates Israel verheizt werden, und denen man lieber Geld bezahlt, um ihre Gesundheit und ihr Leben bei paramilitärischen Angriffen gegen den jüdischen Staat aufs Spiel zu setzten, anstatt diese Mittel für die wirtschaftliche Entwicklung des Gazastreifens zu nutzen.

Von: Marc Neugröschel

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