Russische Soldaten im Dezember 2016 im syrischen Aleppo

Russische Soldaten im Dezember 2016 im syrischen Aleppo

Israel im Sog des syrischen Bürgerkrieges

Eine russisch-iranisch-islamische Achse in Syrien sorgt für Verheerung, Zerstörung, Tod, Flüchtlingsströme und Elend. Sie macht Politiker und Betrachter weltweit rat- und sprachlos. Doch im Lichte der 2.800 Jahre alten Prophetien Hesekiels entpuppen sich die chaotisch scheinenden Vorgänge als Teil einer größeren Geschichte. Folgen die Ereignisse einem höheren Plan? Ein Gastbeitrag von Josias Terschüren

Im Israelnetz Magazin 2/2018 hatte ich über die biblischen Verheißungen rund um die Entstehung des Staates Israel geschrieben und angedeutet, dass es nach den Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag an der Zeit sein würde, „unser Auge von der Vergangenheit auf die Zukunft zu richten und in den biblischen Propheten nachzuforschen, was diese über die noch bevorstehenden Dinge und Konflikte gesagt haben: Syrien, Gaza, Hamas, Hisbollah und Iran“.

Wie hochaktuell diese biblischen Prophetien sind, erwies sich beispielsweise am 9. Mai, als der Iran zum ersten Mal überhaupt in der Moderne Israel direkt angriff, indem er von Syrien aus 20 Raketen auf Israel abschoss. Israel reagierte mit voller Härte, machte seine roten Linien geltend und beinahe die gesamte iranische militärische Infrastruktur in Syrien dem Erdboden gleich.

Von der Staatsgründung zur Apokalypse

Die Prophetie aus Hesekiel 37,1–14 deutet an, dass die Juden nach dem Holocaust als Volk wieder ins Land ihrer Vorväter zurückkehren würden. Danach fährt der Prophet Hesekiel in den Kapiteln 38 und 39 mit der Beschreibung eines apokalyptischen Krieges fort, der in Judentum und Christentum als Auftakt für das Kommen des Messias verstanden wird, des sogenannten Krieges von Gog und Magog.

Dieser Krieg wird laut Hesekiel auf den durch Israel wiederbewohnten Bergen Israels stattfinden, ein Hinweis auf das umstrittene Gebiet von Judäa und Samaria. Viele Bibelausleger sind der Meinung, dass dieser Krieg der Zielpunkt ist, auf den die heutigen Entwicklungen im Nahen Osten aktuell zusteuern.

Vorab-Beschreibung eines Krieges

In seiner Vision des Krieges von Gog und Magog nennt Hesekiel präzise Informationen, die uns helfen, ein gutes Empfinden für die von ihm beschriebene Lage zu gewinnen: Wer wen angreift, wann und zu welchem Zweck, wie das Ganze ausgeht und was Gottes Ziel damit ist. Hier ist ein Ausschnitt aus Hesekiels Prophetie:

„So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über dich, Gog, du Fürst von Rosch, Mesech und Tubal! Und ich will dich herumlenken und will dir Haken in deine Kinnbacken legen; ich will dich und deine ganze Kriegsmacht herausführen, Rosse und Reiter, alle prächtig gekleidet, eine große Menge, die alle Ganzschilde, Kleinschilde und Schwerter tragen: Perser, Kuschiten und Put mit ihnen, alle mit Kleinschild und Helm, Gomer samt allen seinen Truppen, das Haus Togarma vom äußersten Norden, auch mit allen seinen Truppen, viele Völker mit dir. So mache dich nun bereit und rüste dich mit all deiner Menge, die sich bei dir versammelt hat, und sei du ihr Aufseher! Nach vielen Tagen sollst du aufgeboten werden; zur letzten Zeit wirst du in das Land kommen, das dem Schwert entkommen und aus vielen Völkern wieder gesammelt worden ist, auf die Berge Israels, die die ganze Zeit verödet waren; es wurde aber aus den Völkern herausgeführt, und sie wohnen nun alle in Sicherheit. Du aber wirst heraufziehen ...“ (Hesekiel 38,3–9).

Wer sind die Feinde?

Hesekiel beschreibt eine Koalition verschiedener Völker, die gegen Israel heraufziehen und kämpfen werden. Der Titel ihres Anführers lautet „Gog“ – das ist kein Eigenname, sondern ein Titel, ähnlich wie Pharao, Zar oder König. Gog stammt laut der Bibel aus Magog und wird uns noch dazu als Fürst über Rosch, Mesech und Tubal vorgestellt – und hier fangen dann auch schon die Verständnisprobleme des modernen Lesers an, denn diese Ortsnamen helfen nicht sonderlich weiter, die durch sie beschriebenen Nationen zu identifizieren.

Der Autor Joel C. Rosenberg hat in seinem Buch „Epicenter“ in akribischer Detektivarbeit historische Quellen und Hinweise zu den beschriebenen Nationen und Orten gesammelt und ausgewertet, mit dem Ziel, die modernen Nationen ausfindig zu machen, über die Hesekiel prophezeit hat. Ohne die historische Herleitung im Einzelnen hier wiederzugeben, steht „Magog“ für das Gebiet nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres, das heißt für das heutige Russland und die ehemaligen Sowjetrepubliken.

Der nächste Partner in der Koalition ist „Persien“, das relativ leicht mit dem heutigen Iran identifiziert werden kann. Es wird also laut Hesekiel eine russisch-iranische Achse geben, die gegen Israel kämpfen wird. Der nächste Angreifer sind die „Kuschiten“ – Kusch beschreibt in der Bibel das Gebiet der oberen Nilregion und entspricht in etwa dem heutigen Sudan, gegebenenfalls noch Teilen Äthiopiens und Eritreas. „Put“ steht für das Gebiet Libyens und Algeriens. „Gomer“ siedelte auf dem Gebiet der heutigen Türkei, während „Haus Togarma“ die turksprachigen Völker bezeichnet, die sich von der Türkei aus im Kaukasus und in Zentralasien ansiedelten. Ein modernes Pendant aufzuzeigen fällt nicht leicht, aber die Region besteht durchweg aus muslimischen Nationen mit enger Anbindung sowohl an Russland als auch den Iran.

Diese russisch-iranisch-islamische Koalition wird Israel laut Hesekiel vom Norden her angreifen. Der moderne Syrienkrieg hat dafür gesorgt, dass dieser Mischmasch von Kämpfern verschiedener Völker anfangen konnte, sich im Norden Israels zu sammeln. Eine russisch-iranische Achse ist ebenfalls erstmalig im Syrienkrieg entstanden.

Wer fehlt?

Es ist auffällig, dass in der Beschreibung Hesekiels die historischen Feinde Israels der ersten 70 Jahre gar nicht auftauchen! Die Kriege in Israels ersten Jahren wurden allesamt gegen Ägypten, Syrien und Jordanien (und den Irak) geführt, doch keine dieser Nationen wird von Hesekiel im Zusammenhang mit dem Gog- und Magog-Krieg benannt. Der „Arabische Frühling“ hat alle drei Nationen extrem destabilisiert, keine der Nationen ist momentan fähig oder willens, gegen Israel zu kämpfen.

Die Umwälzungen des „Arabischen Frühlings“ sind erste Wegbereiter für den von Hesekiel geweissagten Konflikt. Syrien ist längst ein gescheiterter Staat – es gibt keinen Souverän über Syrien mehr und die biblischen Propheten geben uns Anlass dazu, davon auszugehen, dass die Zerstörung Syriens noch fortschreiten wird – Jesaja 17 sagt die völlige Zerstörung von Damaskus voraus. Dabei ist Damaskus die am längsten kontinuierlich bewohnte und unzerstörte Stadt des Nahen Ostens.

Die Zerstörung der Stadt, die mit dem Syrienkrieg begonnen hat, tritt laut Jesaja eine Bewegung los, ein „Wehe“, „ein Tosen vieler und mächtiger Völker“ – wir sind Zeitzeugen dafür, wie die Ereignisse in Syrien und die damit verbundenen Flüchtlings- und Migrantenströme Europa arg zusetzen und erschüttern. Die Zerstörung von Damaskus ist ein weiterer vorbereitender Schritt hin zum Gog- und Magog-Krieg. Doch bevor dieser kommt, muss ganz Israel „in Sicherheit wohnen“. Das heißt, es muss noch etwas mit zwei weiteren modernen Feinden Israels geschehen, damit die Bühne frei wird: Die Rede ist von der Hamas im Gazastreifen und der Hisbollah im Libanon!

Der Prophet Joel spricht im vierten Kapitel in den Versen 4–9 von der Zerschlagung des Libanon („Tyrus und Sidon“) und des Gazastreifens („sämtliche Bezirke der Philister“). Interessant ist: Der Begriff „Palästinenser“ stammt im Hebräischen, Lateinischen und Griechischen von dem Wort für Philister ab. Auch Sacharja 9,5–7 und Zephanja 2,4–7 sprechen von der Zerstörung des Gazastreifens, an der Israel kein Teil zu haben scheint. Wenn die Zerstörung von Damaskus, der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen abgeschlossen sein wird, käme wirklich Sicherheit für alle in Israel hervor. Genau in diesem Rahmen setzt Hesekiel den Gog- und Magog-Krieg an und damit kommen wir zu der Frage nach dem Zeitpunkt.

Wann wird dieser Konflikt stattfinden?

Hesekiel bettet seine Prophetie in einen klaren historischen Kontext ein, aus dem hervorgeht, dass sich die Auslegung der Prophetie auf unsere Zeit bezieht: „Nach vielen Tagen sollst du aufgeboten werden; zur letzten Zeit wirst du in das Land kommen, das dem Schwert entkommen und aus vielen Völkern wieder gesammelt worden ist, auf die Berge Israels, die die ganze Zeit verödet waren; es wurde aber aus den Völkern herausgeführt, und sie wohnen nun alle in Sicherheit.“ (Hesekiel 38,8)

Diese Sammlung des dem „Schwert“ des Holocaust entkommenen Volkes und die Rückführung in „das Land“ Eretz Israel geschah zum ersten und einzigen Mal im 20. Jahrhundert. Diese Vorbedingung für den Gog- und Magog-Krieg ist also seit der Staatsgründung vor 70 Jahren erfüllt, aber Hesekiel gibt uns noch einen weiteren Hinweis: „Sie wohnen nun alle in Sicherheit“ – das heißt, die Erfüllung der Prophetie wird in einer Zeit geschehen, in der alle Einwohner Israels in Sicherheit wohnen. Das ist momentan noch nicht der Fall.

Die obengenannten Prophetien könnten eine Erklärung dafür beinhalten, wie diese Sicherheit hervorkommen könnte, die als letzte Vorbedingung für den Gog- und Magog-Krieg zu gelten hat. Mit dieser Prophetie vor Augen bietet sich eine Erklärung für die historischen Umwälzungen im Nahen Osten an, die wir momentan bezeugen können und die Politiker weltweit in große Ratlosigkeit stürzt.

Der Gog und Magog-Krieg endet laut der Beschreibung Hesekiels abrupt und auf übernatürliche Art und Weise mit einem für alle Völker sichtbaren Gerichtshandeln Gottes an den angreifenden Feinden Israels, durch das er sich als der Gott Israels zu erkennen gibt: „So will ich mich herrlich und heilig erweisen und mich zu erkennen geben vor vielen Völkern, dass sie erfahren, dass ich der HERR bin.“ (Hesekiel 38,23)

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 3/2018 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online. Gerne können Sie auch mehrere Exemplare zum Weitergeben oder Auslegen anfordern.

Josias Terschüren ist studierter Theologe und arbeitet als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit bei der Initiative 27. Januar.

Von: Josias Terschüren

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