Der Einsatz des Raketenabwehrsystems wäre in dem Fall nicht nötig gewesen (Archivbild)

Der Einsatz des Raketenabwehrsystems wäre in dem Fall nicht nötig gewesen (Archivbild)

Mit Kanonen auf Spatzen geschossen

Die Lage an der Grenze zum Gazastreifen ist seit Tagen angespannt. In Israel stehen Feiertage wie Pessach bevor. In dieser Situation verwechselt das Abwehrsystem Gewehrkugeln mit Raketen.

Die Spannungen um den Gazastreifen haben zu einer kostspieligen Überreaktion Israels geführt. Am Sonntag wurde von Vorbereitungen der Hamas zu einem Massenprotestmarsch aus dem Gazastreifen in Richtung Grenzzaun berichtet. Tausende Menschen sollen angeblich in den kommenden Tagen in Zeltstädte nahe der Grenze ziehen und immer wieder versuchen, den israelischen Grenzzaun zu überwinden. Mehrere Termine wurden für diesen Massenansturm von Zivilisten in Richtung Israel genannt, darunter der erste Tag des jüdischen Pessachfestes, das am Abend des 30. März beginnt, und die Feiertage zum 70. Jahrestag des Bestehens Israels. Zudem hatte die Hamas erstmals ein Militärmanöver nahe der Grenze angekündigt.

Am Sonntagabend wurden alle Radio- und Fernsehprogramme gegen 22:30 Uhr unterbrochen, um die Bevölkerung wegen eines Raketenalarms, bezogen auf Städte im Süden Israels, zu warnen. Seit dem Gazakrieg von 2014 habe es keinen so massiven Raketenangriff der Hamas auf Israel gegeben, behauptete noch ein Reporter. Doch konnte er keinen Schaden oder Opfer durch den Raketenbeschuss identifizieren. Bewohner zückten ihre Handys, um aufsteigende israelische Abwehrraketen vom Typ Iron Dome zu filmen.

Nach zwei Stunden wurde dann Entwarnung ausgegeben. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Die Hamas hatte an dem Abend gar keine Raketen auf Israel abgeschossen. Die Iron-Dome-Abwehr hatte mit ihren hochempfindlichen Radargeräten Maschinengewehrfeuer in Richtung Israel ausgemacht und das für Raketenbeschuss gehalten. Daraufhin stiegen Dutzende Abwehrraketen auf. Jede einzelne Rakete kostet zehntausende US-Dollar.Am frühen Montagmorgen gestand die israelische Armee dann einen „Fehler“ ein. Der ganze Vorfall werde nun eingehend untersucht.

Experten erklärten am Montag, dass es natürlich sinnlos sei, mit teuren Raketen auf Gewehrfeuer zu reagieren. Es zeige jedoch, wie empfindlich das Abwehrsystem sei, wenn es sogar Beschuss mit Kugeln identifizieren könne. Zu den hohen finanziellen Kosten sagte der Experte, dass im Vordergrund die extrem hohen Kosten im Falle eines Raketentreffers stünden. Dank des Iron Dome gab es trotz dem Beschuss von bisher etwa 20.000 Raketen der Hamas auf Israel nur relativ geringen materiellen Schaden an Häusern und Fabriken. Auch menschliche Verluste, Verletzte und Tote, hat es kaum gegeben, dank des Vorwarnsystems und allgegenwärtiger Schutzräume und Bunker. Die Bewohner der betroffenen Region sind aufgefordert, diese nach dem „Rote Farbe“ genannten Alarm mit Sirenen und Lautsprechern innerhalb von 15 Sekunden aufzusuchen.

Massenmärsche könnten verheerende Folgen haben

Gleichwohl bereitet sich Israel mit großer Sorge auf die angeblich geplanten Massenmärsche von tausenden palästinensischen Zivilisten in Richtung Grenze vor. Ein Eindringen in israelisches Territorium kann Israel keinesfalls akzeptieren, zumal unter den Zivilisten auch bewaffnete Aktivisten der Hamas versteckt sein könnten, mit der Absicht, Terroranschläge auf die israelische Bevölkerung zu verüben. Für Israel wären Fernsehbilder eines Gemetzels an den stürmenden Palästinensern ebenso verheerend, falls die Soldaten scharf schießen müssten, um ein Eindringen zu verhindern.

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Israel in aller Eile Drohnen entwickelt habe, um auf die anstürmenden Demonstranten aus der Luft Tränengaskanister abzuwerfen. Ob dieses neue Abwehrsystem wirkt, wurde bisher nicht erprobt.

Von: Ulrich W. Sahm

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