Dieses Bild hat Weihbischof Bentz mit der Abschlusserklärung veröffentlicht

Dieses Bild hat Weihbischof Bentz mit der Abschlusserklärung veröffentlicht

Korrespondent Sahm kritisiert Abschlusserklärung zur bischöflichen Nahostreise

Nach ihrer Teilnahme an einer Nahostreise veröffentlichen katholische Bischöfe eine Abschlusserklärung. Doch diese wirft Fragen auf, wie Korrespondent Ulrich W. Sahm in einem offenen Brief anmerkt.

Deutsche und andere Bischöfe haben „Israel und Palästina“ besucht. Der Mainzer Weihbischof Udo Bentz hat einen persönlichen Abschlussbericht bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) veröffentlicht, zusammen mit Fotos von ihm mit dem deutschen „Botschafter“ in Ramallah und dem oben abgebildeten Foto vor einer palästinensischen Flagge. Zu seinem Bericht habe ich einige Fragen und Anmerkungen als offenen Brief verfasst.

Sehr geehrter Weihbischof Bentz,

in Ihrer Abschlusserklärung erwähnen Sie Ihren Besuch in „Israel und Palästina“.

Was genau meinen Sie mit „Palästina“: jenes Territorium in den Landkarten alter Bibeln, dann bräuchten Sie nicht Israel separat erwähnen? Meinen Sie die Autonomiegebiete? Oder auch die von Israel kontrollierten Gebiete im Westjordanland, die die Palästinenser zwar beanspruchen, aber mangels Verhandlungen noch nicht überreicht bekommen haben? Und Ost-Jerusalem zählen Sie offensichtlich auch zu den „palästinensischen Gebieten“.

Sie schrieben: „Beim Besuch katholischer Schulen in den palästinensischen Gebieten (in Beit Jala, Beit Sahour und der deutschen Schmidt-Schule in Ost-Jerusalem)“. Diese Aufzählung bildet allerdings nicht die Wirklichkeit ab, denn die Schmidtschule liegt nicht in palästinensischen Gebieten, sondern in dem von Israel annektierten Jerusalem. Der Begriff „palästinensische Gebiete“ ist zudem sehr diffus. Folgt man den Forderungen der Palästinenser, gehört auch Tel Aviv dazu. Wäre es da nicht sinnvoller, wenn Sie als hochrangiger Geistlicher die derzeitige Wirklichkeit korrekt ausformulieren?

„In einem von der arabischen Kultur geprägten Land“ – Gerade in Jerusalem haben wohl auch noch ein paar andere Kulturen „geprägt“. Die Schmidt-Schule ist durchaus sehr deutsch geprägt …

Krieg zwischen Christen und Moslems?

„Im unbefangenen Umgang von christlichen und muslimischen Jugendlichen wurden die Früchte des katholischen Engagements für ein entspanntes Zusammenleben in einer multireligiösen Gesellschaft deutlich. „Damit leisten die Schulen einen unverzichtbaren Beitrag zum Frieden“, sagte Weihbischof Bentz.

Es ist mir neu, dass es einen Krieg zwischen Christen und Moslems gibt und dass so diese genannten Schulen einen „unverzichtbaren Beitrag zum Frieden“ leisten. Ich dachte immer, dass es in Nahost einen Krieg zwischen Juden und Arabern gibt. Aber da Juden hier weder erwähnt noch betroffen sind, verstehe ich nicht, von welchem „Frieden“ Sie hier reden.

„Bei Begegnungen mit israelischen Studierenden an der Hebräischen Universität von Jerusalem und Schülern einer israelischen Oberschule diskutierten die Bischöfe Perspektiven und politische Fragen mit den Jugendlichen. ‚Von beiden Seiten bin ich beeindruckt: dort die israelischen Studenten, denen viele Möglichkeiten offenstehen, ihre Träume zu verwirklichen; auf der anderen Seite in gleicher Weise motivierte palästinensische Jugendliche, denen oftmals aufgrund der politischen Situation Perspektiven verbaut sind’, so Weihbischof Bentz, ‚und deshalb gehen viele weg.’“

Hier wäre es hilfreich zu erfahren, ob Sie in der israelischen Oberschule mit Juden und Arabern gesprochen haben und ob es dort Jugendliche aus jüdischen, christlichen und muslimischen israelischen Familien gab. Es gibt ja sowohl israelische, als auch palästinensische Jugendliche aus christlichen und muslimischen Familien. Wie unterscheiden sich deren Perspektiven?

Schade, dass Sie nicht auch mit Palästinensern über die „politischen Perspektiven“ unter der Hamas und der PA diskutiert haben. Welche Möglichkeiten sind den Palästinensern „verbaut“ und wer verbaut ihnen diese? Was genau stört an der „politischen Situation“? Offenbar steht ihnen doch die Welt offen, wenn Sie da behaupten: „und deshalb gehen viele weg“. Weggehen tun auch viele Israelis, Deutsche und andere, etwa in die USA. Na und?

„Von dessen bislang schon über 100 Absolventen haben mehr als 95 Prozent direkt nach Abschluss des Studiums eine Arbeitsstelle gefunden, vielfach sogar in Jerusalem.“ Wieso betonen Sie „vielfach sogar in Jerusalem“? Warum ist das verwunderlich, zumal ich vermute, dass manche Jugendliche aus Jerusalem in Qubeibe ihr Ausbildung erhalten. Für die Jugendlichen gibt es also Arbeitsplätze in Israel.

Trump-Erklärung genau lesen

„Die einseitige Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels und zur Verlegung der amerikanischen Botschaft war Thema der Begegnungen in Jerusalem. Die Gesprächspartner der Bischöfe zeigten sich durchgängig besorgt über die möglichen Folgen für das Zusammenleben in der Stadt. Daher halten die Bischöfe in ihrer Schlusserklärung fest: ‚Für eine ganze Generation ist die Aussicht auf Frieden erneut in weite Ferne gerückt, durch moralisch und rechtlich inakzeptable Entscheidungen, darunter insbesondere der jüngste Affront gegen den international anerkannten Status Jerusalems, der sowohl für Christen als auch für Juden und Muslimen Heiligen Stadt.’“

Ich tue mich schwer, Ihnen zu folgen. Haben Sie und die Bischöfe eigentlich die ganze Rede von Trump studiert und vielleicht bemerkt, dass er die Verlegung der Botschaft erneut erst einmal verschoben hat? Warum wird Trump vorgeworfen, einen Mehrheitsbeschluss des Parlaments verwirklicht zu haben, was seit 1995 alle US-Präsidenten versprochen, aber nie gehalten haben?

Trump sagte unter anderem: „Jerusalem ist nicht nur das Herz dreier großer Religionen, sondern auch das Herz einer der erfolgreichsten Demokratien der Welt. In den letzten sieben Jahrzehnten hat das israelische Volk ein Land, in dem Juden, Muslime und Christen und Menschen aller Glaubensrichtungen frei leben können, nach ihrem Gewissen und ihrem Glauben. Jerusalem ist heute ein Ort und muss es bleiben, an dem Juden an der Westmauer beten, an dem Christen die Stationen des Kreuzweges gehen und an dem Muslime in der Al-Aqsa-Moschee beten. Doch während all dieser Jahre haben Präsidenten, die die Vereinigten Staaten repräsentieren, es abgelehnt, Jerusalem offiziell als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Tatsächlich haben wir es abgelehnt, irgendeine israelische Hauptstadt überhaupt anzuerkennen.“

Würden Sie dem widersprechen?

„Wir nehmen keine Stellung zu Fragen des endgültigen Status, einschließlich der spezifischen Grenzen der israelischen Souveränität in Jerusalem oder der Auflösung der umstrittenen Grenzen. Diese Fragen sind Sache der Beteiligten …. Die Vereinigten Staaten würden eine Zwei-Staaten-Lösung unterstützen, wenn beide Seiten zustimmen. In der Zwischenzeit rufe ich alle Parteien auf, den Status quo an den heiligen Stätten Jerusalems aufrechtzuerhalten, einschließlich des Tempelbergs, auch bekannt als Haram al-Scharif. Unsere größte Hoffnung ist vor allem der Frieden. Die universelle Sehnsucht in jeder menschlichen Seele.“

Diese Abschnitte scheinen Sie und die anderen Bischöfe überhaupt nicht gelesen zu haben. Wieso ist das ein „Affront gegen den international anerkannten Status Jerusalems“? Wer hat wann welchen „internationalen Status“ Jerusalems anerkannt? Ich hoffe sehr, dass Sie nicht das sogenannte „Corpus separatum“ meinen. Da gäbe es viele Einwände.

Warum sind die Christen aus Gaza verschwunden?

Gaza: „Die katholische Gemeinde dort besteht mittlerweile nur noch aus 137 Mitgliedern.“ Warum eigentlich? Wie viele waren es vorher? Warum und wohin sind die alle verschwunden? Haben Sie sich je die Frage gestellt, ob es einen Zusammenhang gibt, zwischen der Machtergreifung der Hamas und dem Verschwinden der Christen?

„Welche Mechanismen entwickelt die internationale Staatengemeinschaft, um gemeinsam mit Palästinensern und Israelis diese menschengemachte Katastrophe zu überwinden?“ Warum werden da die Besatzer bis 1967 verschwiegen, jene arabischen Brüder in Ägypten, die auch eine gemeinsame Grenze mit dem Gazastreifen haben und bei Konflikten immer wieder vermitteln?

Sie schreiben abschließend: „Die Kirche stehe hier mit ihrer weltweiten Erfahrung gerade bei der Bewältigung humanitärer Krisen und Notlagen als bewährter Partner zur Verfügung.“

Wie wollen Sie als Kirche erfolgreich vermitteln und helfen, Notlagen zu bewältigen, wenn Sie die Tatsachen auch mit Ihren Formulierungen derart auf den Kopf stellen und damit einen weiteren Keil zwischen die Konfliktparteien treiben?

Ihr Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Von: Ulrich W. Sahm

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