Nicht nur Juden, auch Christen und Muslime zeigen in der Jerusalemer Altstadt Präsenz

Nicht nur Juden, auch Christen und Muslime zeigen in der Jerusalemer Altstadt Präsenz

Wem gehört eigentlich Jerusalem?

Keine Stadt der Welt ist so umstritten wie Jerusalem. Beansprucht wird sie heute vom Vatikan, Christen, der UNO, den Juden, Israelis, Moslems und Palästinensern. Als „Lösung“ wird daher vorgeschlagen, dass Jerusalem der ganzen Menschheit oder gar Gott gehören sollte.

Die Liste der früheren Besitzer der Stadt Jerusalem, von Jebusitern, Kanaanäern, Israeliten über Assyrer, Babylonier, Ägypter, Römer, Kreuzfahrer, Abassiden und Seldschuken, ist zu lang, um hier vollständig aufgezählt zu werden. Unter den türkischen Osmanen verlotterte die Stadt 400 Jahre lang in der Provinz Südsyrien, bis 1917 die Briten einmarschierten. Drei Jahre später erhielten sie Auftrag, in Palästina die Voraussetzungen für einen jüdischen Staat zu schaffen.

Die Juden versuchen heute mit archäologischen Ausgrabungen ihre „Souveränität“ zu beweisen. Die Christen bringen die Auferstehung ihres Messias ins Spiel, während die Moslems infolge der Himmelsreise des Propheten Mohammad mit gewaltigen Moscheen auf dem ehemaligen Tempelberg ihre Ansprüche in den Stein gehauen haben.

Präsenz demonstrieren

Juden bildeten schon Ende des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungsmehrheit. Gleichzeitig haben die imperialistischen europäischen Mächte, allen voran das deutsche Kaiserreich, die Briten und Italiener, mit riesigen Kirchen und Hospizen das Stadtbild sichtbar verwandelt, um Präsenz zu demonstrieren.

Am 29. November 1947 verabschiedete die UNO-Generalversammlung mit Mehrheit den sogenannten Teilungsbeschluss. Das Mandatsgebiet Palästina sollte nach dem bevorstehenden Abzug der Briten in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufgeteilt werden, während man sich auf Betreiben des Vatikans ausgedacht hatte, Jerusalem mitsamt christlichen Ortschaften wie Bethlehem in ein „Corpus separatum“ zu verwandeln. Dieses „Corpus“ sollte dem UNO-Sicherheitsrat unterstellt werden. Zwar hat es in Jerusalem niemals Polizisten mit blauen Helmen gegeben, die den Verkehr regelten, doch die meisten Staaten der Welt betrachten diese „Empfehlung“ der UNO als völkerrechtlich bindenden Beschluss und vermieden es daher, ihre Israel-Botschaften dort zu errichten.

Dramatischer Bevölkerungsaustausch

1948, während des arabischen Krieges gegen die UNO-Resolution 181 von 1947, eroberte Jordanien den Ostteil der Stadt mitsamt den meisten Heiligtümern. Es kam zu einem dramatischen Bevölkerungsaustausch. Die Israelis vertrieben alle Araber aus Westjerusalem, während die Jordanier Ostjerusalem von Juden ethnisch säuberten. Seitdem sind die jüdische Klagemauer und das alte jüdische Viertel in der historischen Altstadt Jerusalem Teil des „arabisch geprägten Ostteils“ der Stadt, wie heute Nachrichtenagenturen formulieren. So werden palästinensische „Ansprüche“ auf Ostjerusalem gerechtfertigt als „künftige Hauptstadt“ eines palästinensischen Staates, den sie bis heute aus guten Gründen nicht ausgerufen haben, dessen Anerkennung sie aber von allen Staaten der Welt einfordern.

1950 hat Israel den Westen der Stadt zu seiner Hauptstadt erklärt. Das haben einige Staaten zwar de facto anerkannt, weil sich in Jerusalem der Regierungssitz und das Parlament (die Knesset) befinden, aber nicht de jure. Ihre Botschaften haben sie in Tel Aviv eingerichtet, darunter die USA, die Briten, die Schweiz und Deutschland, weil sie nicht gegen den vermeintlich „international anerkannten“ Status Jerusalems als „Corpus separatum“ verstoßen wollen.

Entlang der alten Waffenstillstandslinien zwischen Israel und Jordanien hatte sich die UNO eingenistet in einem breiten „Niemandsland“.

1967 eroberte Israel nach einer jordanischen Kriegseröffnung durch Beschuss von Westjerusalem den Osten der Stadt. Daraufhin erweiterte es die Stadtgrenzen, annektierte das gesamte Gebiet und erklärte ganz Jerusalem zu seiner „ewigen Hauptstadt“.

Muslime empfinden Trumps Pläne als „Kriegserklärung“

In dieses politische wie rechtliche Durcheinander droht US-Präsident Donald Trump nun eine neue Ordnung zu bringen, indem er die amerikanische Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels verkünden will, was jedoch die Türkei, die Palästinenser und andere Länder schon im Voraus als „Kriegserklärung“ betrachten. Unklar ist noch, ob Trump auch eine Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem umsetzen will.

Ulrich W. Sahm

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