Vertreter der EU und des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF bei der Einweihung einer Entsalzungsanlage im Gazastreifen

Vertreter der EU und des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF bei der Einweihung einer Entsalzungsanlage im Gazastreifen

Wo Wasseraufbereitung und Terrorausbildung Nachbarn sind

Eine neue Entsalzungsanlage versorgt seit Mitte Januar Zehntausende Palästinenser im südlichen Gazastreifen mit sauberem Trinkwasser. Die EU hat bereits Gelder bereitgestellt, damit die Anlage erweitert werden kann. Doch noch befindet sich auf dem dafür benötigten Grundstück ein militärische Ausbildungsstätte der Hamas. Eine Analyse von Ulrich W. Sahm

Vertreter der EU und des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF haben am 19. Januar eine Entsalzungsanlage im Gazastreifen eingeweiht. Sie soll Erleichterung bringen in einem Gebiet, wo 97 Prozent des Wassers ungenießbar sind. Die Europäische Union finanzierte die Anlage mit 10 Millionen Euro. Sie habe die Kapazität, täglich 6.000 Kubikmeter Trinkwasser zu produzieren, um rund 75.000 Palästinenser mit sicherem Trinkwasser im Süden des Gazastreifens zu versorgen, etwa 35.000 Menschen in Chan Junis und 40.000 Menschen in Rafah. Der Transport der Bauteile für die gesamte Anlage wurden mit Hilfe der israelischen Behörde COGAT ermöglicht, welche die Aktivitäten der israelischen Regierung in den Palästinensergebieten koordiniert. Die Entsalzungsanlage soll teilweise mit Solarstrom betrieben werden.

Wasser eigenhändig weggepumpt

Seit jeher versorgten sich die Menschen im Gazastreifen mit Wasser aus einem flachen Aquifer (Grundwasserschicht) unter sandigem Boden. Dieser Aquifer wurde bereits vor 1967 überbeansprucht, als Ägypten den Gazastreifen noch kontrollierte und eine erste Kontamination durch salziges Meerwasser auftrat. Doch bis in die 1990er Jahre war das Wasser in Gaza überwiegend trinkbar. Nach dem israelischen Rückzug 2005 wurden in Gaza Tausende Brunnen gebohrt – was dazu führte, dass die Wasserqualität weiter sank. Die Menschen wollten sich kostenlos mit Wasser versorgen, zerstörten so aber eigenhändig die Grundwasserschicht.

Gazas schnell wachsende Bevölkerung nutzt pro Jahr mehr als das Dreifache dessen, was durch Niederschläge gewonnen wird. Nur 10 Prozent der Bevölkerung Gazas haben Zugang zu sicherem Trinkwasser, im Vergleich zu 90 Prozent im Westjordanland. Zurzeit sind 95 Prozent des Grundwassers wegen der Verseuchung durch Meerwasser, Dünger und Abwasser ungenießbar. Israel pumpt derzeit etwa 5 Millionen Kubikmeter pro Jahr in den Gazastreifen und will die Menge erhöhen, sobald im Gazastreifen die dafür notwendigen Auffangbecken fertig sind. Gleichwohl können diese Mengen den Bedarf nicht stillen.

Abwasserplage stört auch Israel

Die Abwasserkrise ist die andere Seite des hydrologischen Albtraums von Gaza: Täglich fließen einige Millionen Kubikmeter Abwasser ungeklärt von Gaza ins Mittelmeer. Israels Meerwasserentsalzungsanlage in Aschkelon ist nur ein paar Kilometer nördlich von Gaza entfernt. Ein Zaun kann terroristische Infiltration verhindern, aber nicht den Zufluss von Fäkalien und Plastikmüll stoppen. Damit wird die Krise in Gaza auch ein Problem für Israel, zumal die Meeresströmungen die Abfälle von Gaza nach Norden, entlang der Küste Israels, transportieren.

Die Europäische Union hat bereits eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 10 Millionen EUR gewährt, um die Kapazität der neuen Entsalzungsanlage zu verdoppeln. Die Arbeiten der zweiten Phase haben bereits begonnen. Sie soll täglich zusätzliche 150.000 Palästinenser mit rund 12.000 Kubikmeter Trinkwasser versorgen.

Hamas bei Einweihung nicht vertreten

Robert Piper, Koordinator der Vereinten Nationen für humanitäre und entwicklungspolitische Aktivitäten, sagte, dass für den Gazastreifen weitere Großprojekte für Wasser und Energie dringend erforderlich seien. Die Verhältnisse haben sich jedoch in den vergangenen zehn Jahren stark verschlechtert, seitdem die radikal-islamische Hamas an die Macht kam. Die Hamas nahm an dem Projekt nicht teil und war bei der Einweihungszeremonie nicht vertreten. Die palästinensische Wasserbehörde ist eines der wenigen Organe der Autonomiebehörde, das von der Hamas in Gaza geduldet wird.

Militärstellung bei Entsalzungsanlage

Doch noch steht eine militärische Ausbildungsstätte der Hamas auf einem Teil des Grundstücks, wo die zweite Phase der Anlage errichtet werden soll. Masen Ghunaim, der Chef der palästinensischen Wasserbehörde, sagte, dass die Hamas versprochen hätte, dieses Trainingscenter zu verlegen. Ob sich die Hamas an die Absprachen hält, ist ungewiss.

Die Nähe dieser Militäreinrichtung der Hamas stellt den Erfolg des ganzen Projekts infrage, und wurde wohl deshalb von der UNO verschwiegen.

Islamistischer Terror und innerpalästinensische Machtfragen sind bei den Vereinten Nationen kein Thema. Nicht erwähnt wurde auch, dass die pro-palästinensische Organisation „Ewash“ kurze Zeit auf ihrer Homepage dringend von der Errichtung einer Entsalzungsanlage im Gazastreifen abgeraten hatte. Denn das Wasserwerk sei ein vorzügliches Ziel für das israelische Militär, wenn es darum ginge, die zivile Infrastruktur im Gazastreifen mutwillig zu zerstören.

Tatsache ist, dass Israel Militärstellungen und Trainingslager der Hamas erst nach Vorwarnungen angreift, auch wenn diese neben Hospitälern, vor Schulen oder eben bei Einrichtungen ziviler Infrastruktur errichtet werden. Laut Völkerrecht verlieren Krankenhäuser und Schulen ihren „geschützten“ Status, wenn sie als militärische Stellungen missbraucht werden. Die Hamas hat das in der Vergangenheit oftmals zynisch ausgenutzt und Zivilisten als Schutzschilde missbraucht.

Das Thema war akut während des letzten Gazakriegs 2014, als Journalisten von ihren Hotelzimmern aus Raketenstellungen der Hamas filmten und die Hamas-Spitze ihren Befehlsstand in den Kellern unter dem Schifa-Krankenhaus eingerichtet hatte. Israel wurde dann bezichtigt, dort angegriffen zu haben.

Ulrich W. Sahm

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