Die iraelischen Medien sprachen früher von einem islamistischen Angriff als die deutschen Berichterstatter
Die iraelischen Medien sprachen früher von einem islamistischen Angriff als die deutschen Berichterstatter

Kommentar: Islamistischer Terror in Würzburg?

Deutsche Berichterstatter tun sich nach dem Anschlag von Würzburg schwer, die Dinge beim Namen zu nennen. Ihre israelischen Kollegen sind schneller und exakter, wie Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm beobachtet hat.

Wie der Zufall so will, wurde die Nachricht über den Terroranschlag eines jungen Afghanen im Regionalzug bei Würzburg im israelischen Rundfunk verbreitet, als noch kein einziges deutsches Medium dazu auch nur die kleinste Meldung veröffentlicht hatte. In Deutschland wird er Rias A. genannt. Ein IS-Video identifiziert ihn jetzt als Muhammad Riyad.

Während in Israel sehr schnell mit dem Finger auf „islamistischen Terror“ gewiesen wird, musste die deutsche Polizei erst eine handgemalte IS-Flagge im Zimmer des 17-Jährigen in Ochsenfurt entdecken, um ein islamistisches Motiv einzukalkulieren. Die Polizei hat zur Zeit des Anschlags im Regionalzug das „Allah U-Akbar“ während eines Notrufs mitgeschnitten.

Deutsche Reporter vermieden tunlichst das Wort „islamisch“ oder „islamistisch“. Erst hieß es, ein „Verdächtiger“ sei mit Axt und Messern auf die Touristengruppe aus Hongkong losgegangen. Dann kam der „mutmaßliche Täter“, als ob es Zweifel an der Tat gegeben hätte. Und schließlich wurde neutral von einem „Amoklauf“ geredet.

Einen Höhepunkt des Zynismus vollbrachte die Grünenpolitikerin und ehemalige Justizministerin Renate Künast mit ihrer Frage auf Twitter, weshalb die Polizei den flüchtenden Afghanen erschossen habe, anstatt ihn zu überwältigen. Inzwischen wird in deutschen Medien vorgeschlagen, nicht von Terror oder Terroristen zu reden, sondern von Kriminellen und Gewalttaten. So solle den Tätern die Lust genommen werden, für Allah zu sterben und in der islamischen Welt als „Schahid“ (Märtyrer) verehrt zu werden.

Wer ist Terrorist?

All diese Diskussionen sind seit Jahren in Israel bestens bekannt. „Der Terrorist des Einen ist Widerstandskämpfer des Anderen.“ Diese Definition macht es den Israelis leicht, fast jeden „nationalistisch motivierten“ Anschlag, nicht nur von Palästinensern, sondern auch von extremistischen Juden, als „Terror“ zu bezeichnen.

Selbstverständlich kennen die Palästinenser selber nur Freiheitskämpfer, Widerstand, Heldentaten und am Ende „Märtyrer“, deren Blut den heiligen Boden Palästinas düngt. Selbst Massenmörder, die sich in Bussen oder Restaurants gesprengt haben, um willkürlich israelische Zivilisten zu ermorden, werden von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) offiziell mit Denkmälern oder Wandgemälden geehrt. Schulen, Straßen und Fußballplätze werden nach ihnen benannt. Wenn sie mit lebenslänglicher Haft im israelischen Gefängnis sitzen, erhalten sie fürstliche Gehälter. Und auch ihre Familienangehörigen sind finanziell bestens versorgt.

Europäische Vorschläge nicht realistisch

Zu den europäischen Mantras, wie Israelis am besten den palästinensischen Widerstand/Terror brechen könnten, zählen Rückzug aus den besetzten Gebieten und die Errichtung eines palästinensischen Staates. Seit Aufkommen der Messerstechereien durch „einsame Wölfe“ heißt es zudem, man müsse den jungen Menschen eine „Perspektive“ geben.

All diese Vorschläge verfehlen die Wirklichkeit vor Ort. Palästinensischen Terror hat es schon vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 gegeben, also ehe Israel die heutigen besetzten Gebiete eroberte. Die Fatah-Partei begeht ihre „Gründung“ mit Gedenken an einen Anschlag in Israel durch „Fedajin“ aus dem Gazastreifen 1966. Der „Nahostexperte“ Michael Lüders verglich zwar die Banlieues bei Paris mit den von Israel besetzten Gebieten. Doch Ochsenfurt oder Würzburg dürften kaum einem solchen Vergleich standhalten, um Regierungen in Europa für die Radikalisierung junger Moslems verantwortlich zu machen.

Auch die Errichtung eines palästinensischen Staates bietet keinerlei Garantie für ein Ende des „Widerstandes“. Im Gazastreifen und im Westjordanland leben die meisten Palästinenser dank der Osloer Verträge in einem staatsähnlichen Gebilde, der „Selbstverwaltung“. Sie haben eine eigene Gerichtsbarkeit und Polizei in palästinensischen Uniformen. Bei allen zivilen Belangen haben die Israelis seit 1994 kein Mitspracherecht mehr. Nur wenn Palästinenser nach Israel fahren oder ins Ausland reisen wollen, müssen sie eine kostenlose Genehmigung einholen, so wie jeder Deutsche für die Einreise in bestimmte Länder bei den jeweiligen Botschaften ein kostenpflichtiges Visum beantragen muss.

Unterschiedliche Motive

Und schließlich die fehlende „Perspektive“ für die jungen Leute: Ungebildete Terroristen aus ärmlichen Verhältnissen hat es bisher nur sehr selten gegeben. Der Afghane aus Ochsenfurt sollte demnächst eine Bäckerlehre antreten. Palästinensische Terroristen stammen fast ausnahmslos aus wohlhabenden Familien. Sie studierten an israelischen Universitäten oder hatten schon einen guten Job. Ein relativ neues Phänomen sind Kinder, darunter 13-Jährige, die nach einem Familienstreit zum Messer greifen, um „Juden abzustechen“.

Die Motive der Täter können unterschiedlich sein. Junge Mädchen, die vor ihrer Hochzeit geschwängert wurden, sind aus ihrer konservativen Gesellschaft ausgestoßen. Für sie gibt es dann nur den Selbstmord als „Schahida“, um sich zu rehabilitieren.

Was die Attentäter verbindet

Die Mörder von Brüssel, Paris, Nizza, Kopenhagen oder Ochsenfurt, palästinensische „Widerstandskämpfer“ und Selbstmordattentäter von Bagdad, Aleppo, Beirut oder Tunis haben eines gemein: Selbst wenn sie nicht ausdrücklich „Allah U-Akbar“ (Allah ist der Größte) rufen, was etwa die Zeitschrift „Cicero“ in einem großen Artikel im Falle des Attentäters von Nizza als „Falschmeldung“ abtut, unterliegen alle einer islamistischen Gehirnwäsche und dem Glauben an ein besseres Leben im Paradies, mit oder ohne 72 „Jungfrauen“. Der Motor aller Anschläge ist eine für politische Zwecke missbrauchte religiöse Ideologie. Der Jubel auf Straßen und öffentlichen Plätzen in der muslimischen Welt, etwa nach 9/11 im Jahr 2001 und nach großen Anschlägen seitdem, bezeugt, dass dieser Terror nicht nur von Extremisten gutgeheißen wird, sondern Rückhalt in weiten Kreisen der muslimischen Gesellschaften hat.

Bisher hat noch kein Theologe, Gelehrter oder gar Politiker einen funktionierenden Vorschlag geäußert, wie die von Gott diktierten Glaubenssätze abgeschafft oder geändert werden könnten. Einschlägige Islamfeinde picken brutale Koransuren heraus, um zu beweisen, dass alle Moslems eine akute Gefahr für die Umwelt darstellen.

Moslems hingegen nennen die Namen von extremistischen Geistlichen, die einen großen Einfluss haben und mit ihren Fatwas (Rechtssprüchen) den relativ neuen menschenverachtenden Terror anfeuern. Einer von ihnen ist der prominente Scheich Jussuf al-Kardawi. Der gebürtige Ägypter hat schon vor über 20 Jahren empfohlen, „Rom“ zu erobern. In der arabischen Welt wird er „Mufti der Selbstmordattentate“ genannt. Einen ähnlichen Einfluss hatte Osama Bin Laden. Ohne ihn wäre der bislang schlimmste Terroranschlag der Menschheitsgeschichte nicht zustande gekommen.

In Deutschland hatte eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten ausgereicht, eine mörderische Ideologie zu erfinden und einer ganzen Nation das Gehirn zu waschen. Dies führte zur Zerstörung der Welt und zum Tod von Millionen Menschen.

Von: Ulrich W. Sahm

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