Beobachtern zufolge bereits unter iranischem Einfluss: Jemens Hauptstadt Sanaa.
Beobachtern zufolge bereits unter iranischem Einfluss: Jemens Hauptstadt Sanaa.

Amerikaner verlieren ein weiteres arabisches Land

Der Iran schickt sich an, seinen Einfluss auf die gesamte arabische Halbinsel auszudehnen. Beobachter sehen darin auch die Schuld von US-Präsident Barack Obama.

Die Amerikaner verlieren eine weitere strategische Basis in der arabischen Welt. Der Vormarsch der von Teheran gelenkten Huthi-Rebellen hat erst zum Abzug der Diplomaten aus Jemens Hauptstadt Sanaa geführt. Dann verloren amerikanische Spezialeinheiten den Militärflughafen von Anad, nördlich von Aden. Von dort starteten amerikanische Drohnen zu Angriffen auf die vormarschierenden Islamisten. Nach Beirut, Damaskus und Bagdad könnte der Iran jetzt auch noch Sanaa als vierte arabische Hauptstadt für sich reklamieren. Der Iraner hinter dem Versuch, ein neues persisch-schiitisches Imperium zu schaffen, ist nach Angaben des amerikanischen Außenministers John Kerry der Generalmajor Kassem Soleimani. Er leitet die „Al-Quds-Brigaden“, die Elite-Einheit der islamischen Revolutionsgarden. Al-Quds ist der arabische Name für Jerusalem.

Ein Sprecher der Huthis hat zwar in einer Botschaft an Ägypten „versprochen“, die Seefahrt in der nur 18 Kilometer breiten Meerenge von Bab al-Mandab, dem „Tor der Tränen“, nicht stören zu wollen. Doch niemand weiß, was ein solches Versprechen wert ist. Bab al-Mandab ist der Zugang zum Roten Meer. Das gegenüberliegende Ufer ist das Horn von Afrika. Von dort verunsichern Seeräuber seit Jahren Tanker und Frachtschiffe. Eine Sperre dieser Meerenge hätte strategische Folgen für alle Welt, denn am nördlichen Ende des Roten Meeres liegt der Suezkanal, ein Nadelöhr für die Handelsschifffahrt zwischen Asien und Europa, für die israelische Hafenstadt Eilat und für das jordanische Akaba. Mit einer Eroberung des Jemen könnte der Iran dann zwei Meerengen kontrollieren, durch die fast alles Öl der Welt fließt: Die Meerenge von Hormus und Bab al-Mandab.

Sunnitische Eingreiftruppen

Dem Westen zugewandte „gemäßigte“ sunnitisch-arabische Staaten wie die Golfemirate, Kuwait, Bahrain, Jordanien, Pakistan und Saudi-Arabien greifen derweil in den Krieg um den Jemen ein. Die ägyptische Marine habe ein iranisches Kriegsschiff vor der jemenitischen Küste „verscheucht“, hieß es in Ägypten. Unbestätigt sind derweil Gerüchte, ob der jemenitische Präsident Abdul Hadi auf zwei abgesicherten Schiffen sein Land mit unbekanntem Ziel verlassen hat. Angeblich hält er sich im Oman auf.

Die arabische Koalition habe im Jemen mit Bodentruppen und Luftangriffen interveniert, während die Ägypter mit ihrer Marine unterwegs sind. Kairo sei aber durchaus bereit, auch Bodentruppen zu schicken, erklärte der ägyptische Innenminister. Saudi-Arabien habe für den Krieg im Jemen 150.000 Soldaten bereitgestellt und mehrere Flughäfen nahe der Grenze zum Jemen geschlossen. Nach Angaben aus Schifffahrtskreisen seien alle Häfen des Jemen gesperrt worden.

Iran gewinnt Einfluss

Großer Sieger ist derweil der Iran. Teheran kontrolliert bislang schon den Libanon dank der Hisbollah-Miliz und hat entscheidenden Einfluss auf die Regierung in Syrien. Große Teile des Irak wie des Jemen sind an schiitische Rebellen gefallen. In „sunnitischen“ Ländern wie Kuwait, den Golfemiraten und ausgerechnet in den ölreichen Gegenden von Saudi-Arabien gibt es große schiitische Minderheiten. In Bahrain seien es gar 85 Prozent, die von den sunnitischen Herrschern unterdrückt würden. Das nutzt der Iran, laut Israel der „größte Sponsor von Terror“ in der Welt, um für sich Hegemonie über die gesamte arabische Halbinsel zu gewinnen.

Israelische Experten machen die Amerikaner und speziell US-Präsident Barack Obama für den Untergang und das Chaos in der arabischen Welt verantwortlich. Obama habe erst den alten Verbündeten der Amerikaner, Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, fallen gelassen. Libyens Muammar Ghadafi sei entthront worden, ohne das die USA erst eine Alternative gesucht hätten. Aus Rücksicht auf die Russen habe Obama einen militärischen Angriff in Syrien abgeblasen, nachdem Präsident Assad Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt habe. Die US-Truppen hätten den Irak verlassen und das Land seinem Schicksal überlassen. Seit seiner Kairoer Rede von 2009, als Obama „den Islam umarmte“, bauten sich zunehmend auch Spannungen mit Israel auf. Die fanden nach dem Affront von Israels Premier Benjamin Netanjahu gegen Obama mit seiner Rede vor dem Kongress einen weiteren Höhepunkt, als der US-Präsident Zweifel äußerte, ob Israel überhaupt eine Demokratie sei. (uws)

Von: Ulrich W. Sahm

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