Buchrezension: "Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel"

Wer die Erstlingswerke der Schriftstellerin Lea Fleischmann, "Dies ist nicht mein Land" und "Ich bin Israelin", gelesen hat, würde bei einer Begegnung nicht die orthodoxe Dame mit Kopfbedeckung erwarten. Gerade das ist Lea Fleischmann heute jedoch, das ist sie geworden und diese Entwicklung ist ihr sehr wichtig.

Wer die Erstlingswerke der Schriftstellerin Lea Fleischmann, "Dies ist nicht mein Land" und "Ich bin Israelin", gelesen hat, würde bei einer Begegnung nicht die orthodoxe Dame mit Kopfbedeckung erwarten. Gerade das ist Lea Fleischmann heute jedoch, das ist sie geworden und diese Entwicklung ist ihr sehr wichtig.

Sie lädt zu einer Tasse Kaffee und selbst gebackenem Kuchen ein. Der Esstisch füllt fast das gesamte Wohnzimmer aus, wie das bei vielen religiösen Familien in Israel so ist. Der Tisch ist das Symbol des Sabbats, das Zentrum des religiösen Lebens einer Familie. Der Sabbat ist auch das Zentrum im Leben von Lea Fleischmann geworden. Sie meint, man könne in Israel den Sabbat spüren – im Unterschied zu Deutschland.

 

Das Thema Deutschland lässt sie nicht los. Lea Fleischmann ist in Deutschland aufgewachsen und nach Israel eingewandert. Aber sie schreibt deutsch für einen deutschen Leserkreis. Ihr neuestes Buch, das sie gemeinsam mit Chaim Noll verfasst hat, trägt den Titel "Meine Sprache wohnt woanders, Gedanken zu Deutschland und Israel". Dieses persönlich geschriebene Buch vermittelt einen Einblick in die jüdische Seele, aber auch viele wertvolle Fakten über Israel und das Leben im jüdischen Land.

 

Noll und Fleischmann sind beide sehr stolz auf ihr Land. Im Dialog mit Deutschland beschreibt Lea Fleischmann ihre Empfindungen als Mutter israelischer Soldaten: "Kann jemand in Deutschland heute noch nachempfinden, was es bedeutet, für Soldaten, die an der Front stehen, zu kochen? Jede gemeinsame Mahlzeit kann die letzte sein. Die ganze Liebe, zu der eine Mutter fähig ist, legt sie in das Essen… Das wichtigste Zubehör der militärischen Ausstattung waren für mich die olivgrünen Knöpfe und das zu Zöpfen geflochtene Garn in den Farben der Militärkleidung. Die grünen Fäden nähten mich an Israel an."

 

Die deutsche Vergangenheit lässt die Tochter von Holocaustüberlebenden nicht los: "Mögen die Städte in Deutschland noch so schön aufgebaut und renoviert worden sein, die dunklen Flecken sind sichtbar und können nicht weggewaschen werden. Und überall begegnen sie mir." Auch geistlich kommt Deutschland bei ihr nicht allzu gut weg: "In Jerusalem bin ich von Menschen umgeben, für die Gottes Wort lebendiger Alltag ist… In Deutschland hingegen bleiben mir in Alltagssituationen die Worte ‚Herr’ oder ‚Gott’ im Mund stecken."

 

In Jerusalem hat Lea Fleischmann Gottvertrauen gelernt. Jetzt sieht sie ihre Aufgabe darin, davon in Deutschland zu erzählen und die ethisch-moralischen Werte der Thora weiter zu vermitteln. "Wenn sich die westliche Welt von den jüdisch-christlichen Wurzeln abschneidet, dann verliert sie ihren Halt und reagiert nur noch mit Angst gegenüber den islamischen Kräften", schreibt sie in ihrem Buch.

 

Mit Chaim Noll verbindet sie die gemeinsame deutsche Vergangenheit, obwohl sie aus dem westlichen und er aus dem östlichen Teil Deutschlands kommt. Beide sind als nichtreligiöse Juden nach Israel eingewandert und fanden dort ihren Weg zum Gott Israels.

Von: Krista Gerloff

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