An die Bilder hat man sich schon fast gewöhnt: Zerfetzte Autobusse, Scherben, Blutlachen, schreiende Menschen, heulende Krankenwagen. Doch Bergungshelfer meinen: So etwas haben die Großstädte Israels noch nie erlebt. Innerhalb von 24 Stunden 27 Tote und mehr als 200 teils schwer Verletzte.

 

Die Meldungen überschlagen sich den ganzen Tag über. Bis in die späten Abendstunden des Sonntags werden Schießereien aus dem ganzen Land gemeldet. Die Öffentlichkeit registriert nur noch "erfolgreiche" Terroranschläge, Tote und Verletzte.

 

Am späten Samstagabend, dem Shabbat-Ausgang, hatten sich zwei Araber aus Ostjerusalem in der überfüllten Fußgängerzone der Jerusalemer Innenstadt in die Luft gesprengt. Als die ersten Krankenwagen eintrafen, explodierte eine Autobombe. In der Mittagszeit des darauffolgenden Sonntags sprengt sich in der Hafenstadt Haifa ein Selbstmordattentäter in die Luft, nachdem er einen Bus bestiegen hat.

 

"Ich schäme mich für das palästinensische Volk!", schreit ein Araber in Haifa verzweifelt in laufende Fernsehkameras. Der Stadtteil Chalisa, in dem der Bus explodierte, ist für seine gutnachbarschaftlichen Beziehungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis bekannt. Unter den Toten und Verletzten sind nicht nur Juden und Araber, sondern auch philippinische Gastarbeiter.

 

Offzielle palästinensische Verlautbarungen sind schnell mit Verurteilungen. Der Arafat-Vertraute Saeb Erekat weiß, daß diese Anschläge gegen die Interessen der Palästinenser sind. "Wir haben unser Bestes getan, um den Waffenstillstand einzuhalten", beteuert der Medienstar, ist dann aber gleich wieder dabei, die Schuld den Israelis zuzuschieben: "Gewalt gebiert Gewalt!" Sofort nach bekanntwerden der Anschläge kommt es in der gesamten PA zu Verhaftungen.

 

Am Abend beteuert Palästinenserchef Yasser Arafat persönlich vor ausländischen Diplomaten im Gazastreifen seine Ernsthaftigkeit. Ein Ausnahmezustand soll all diejenigen in Schranken weisen, die sich nicht an den von ihm verkündeten Waffenstillstand halten.

 

Nach Stunden der Vermutungen bekennt sich die radikal-islamische Hamasbewegung zu den Anschlägen. Ihr geistlicher Führer, Sheikh Ahmed Yassin singt in seinem Haus im Gazastreifen das alte Lied von der israelischen Aggression. Die Besatzung sei schuld an allem, weiß der Greis, und daß die Israelis palästinensische Kinder ermorden. Die Anschläge seien die Selbstverteidigung einer zutiefst frustrierten Bevölkerung. An die Adresse der Amerikaner gerichtet ist aus Hamas-Kreisen zu hören: "Zinni, geh heim, wir brauchen dich nicht!"

 

Ähnliches hört US-Unterhändler Anthony Zinni, der den Nahostfriedensprozeß wieder in Gang bringen soll, bei einem Gang durch die Jerusalemer Innenstadt von israelischen Passanten. Am Ort des Geschehens zeigt sich der US-General erschüttert, spricht von "der niedrigsten Form der Unmenschlichkeit, die man sich vorstellen kann". US-Außenminister Colin Powell fordert von Arafat mehr als Worte, Verhaftungen der Verantwortlichen und ein entschiedenes Vorgehen gegen die Terrorinfrastruktur.

 

Die israelische Öffentlichkeit diskutiert darüber, ob Arafat überhaupt Frieden will oder keine Macht mehr hat, und ob er dann überhaupt noch ein Verhandlungspartner sein kann. Manche fordern offen ein direktes militärisches Vorgehen gegen seine Person. Verzweifelt erklärt Yossi Sarid, daß er nicht zur "Partei der Verzweifelten" und auch nicht zur "Partei der Kopflosen" gehöre. "Ich werde immer zur Partei der Hoffnung gehören", verteidigt der linke Oppositionsführer seine weitere Gesprächsbereitschaft mit den Palästinensern.

 

Vertreter der israelischen Regierung machen ohne Zögern Arafat selbst für die Massaker verantwortlich. Der israelische Regierungschef Ariel Sharon verkürzt seinen US-Besuch bis auf das unumgängliche Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Bush. Dem erklärt der alte General unumwunden: "Wir erwarten von Arafat gar nicht, daß er den Terror bekämpft. Wir werden den Terror selbst bekämpfen!"

 

Sofort nach Rückkehr Ariel Sharons aus den USA trat das Sicherheitskabinett am Montagnachmittag zusammen. Um 16.45 Uhr Ortszeit, während die frommen Moslems das Ramadanfasten brachen, beschossen israelische Kampfhubschrauber Arafats Hauptquartier in Gaza-Stadt. Dabei wurden zwei seiner Helikopter vollkommen zerstört, der dritte schwer beschädigt. Der Hubschrauberlandeplatz des Palästinenserpräsidenten wurde unbrauchbar.

 

Während das israelische Kabinett bis tief in die Nacht hinein tagte, pflügten gepanzerte Planierraupen die Landebahn des palästinensischen "Gaza International Airport" in Dahanyia um. Damit ist Arafat praktisch matt gesetzt, kann sich ohne ausdrückliche Genehmigung der Israelis nicht aus Ramallah fortbewegen, wo er sich momentan aufhält. Außerdem wurden Arafats Hauptquartier in Jenin und Ziele der palästinensischen Sicherheitskräfte in Bethlehem bombardiert. In Nablus, Ramallah und Bitunya rückte die israelische Armee auf PA-Gebiet vor.

 

Gegen den Widerstand der sozialistischen Minister in der Einheitsregierung, beschloß das Kabinett in der Nacht auf Dienstag, die Palästinensische Autonomie zur "terrorunterstützenden Einheit" zu erklären. Der militärische Flügel von Arafats Fatah-Fraktion innerhalb der PLO, die sogenannten "Tanzim", und Arafats Leibwache und Eliteeinheit "Force 17" wurden offiziell zu terroristischen Vereinigungen erklärt.

 

Sofort nach Rückkehr Ariel Sharons aus den USA trat das Sicherheitskabinett am Montagnachmittag zusammen. Um 16.45 Uhr Ortszeit, während die frommen Moslems das Ramadanfasten brachen, beschossen israelische Kampfhubschrauber Arafats Hauptquartier in Gaza-Stadt. Dabei wurden zwei seiner Helikopter vollkommen zerstört, der dritte schwer beschädigt. Der Hubschrauberlandeplatz des Palästinenserpräsidenten wurde unbrauchbar.

 

Während das israelische Kabinett bis tief in die Nacht hinein tagte, pflügten gepanzerte Planierraupen die Landebahn des palästinensischen "Gaza International Airport" in Dahanyia um. Damit ist Arafat praktisch matt gesetzt, kann sich ohne ausdrückliche Genehmigung der Israelis nicht aus Ramalla fortbewegen, wo er sich momentan aufhält. Außerdem wurden Arafats Hauptquartier in Jenin und Ziele der palästinensischen Sicherheitskräfte in Bethlehem bombardiert. In Nablus, Ramalla und Bitunya rückte die israelische Armee auf PA-Gebiet vor.

 

Gegen den Widerstand der sozialistischen Minister in der Einheitsregierung, beschloß das Kabinett in der Nacht auf Dienstag, die Palästinensische Autonomie zur "terrorunterstützenden Einheit" zu erklären. Der militärische Flügel von Arafats Fatah-Fraktion innerhalb der PLO, die sogenannten "Tanzim", und Arafats Leibwache und Eliteeinheit "Force 17" wurden offiziell zu terroristischen Vereinigungen erklärt.

 

Aus gut informierten Kreisen im Büro des israelischen Premierministers war zu hören, daß Israel künftig den Palästinensern keine Atempause mehr gewähren, sondern unaufhörlich Druck ausüben werde, bis sich eine entscheidende Wendung in der palästinensischen Politik abzeichnet.

Von: <i>Johannes Gerloff</i>