Vitens hatte erst vor zwei Monaten ein Kooperationsabkommen mit Mekorot unterzeichnet und inzwischen wieder aufgekündigt, weil die Wasserbehörde gegen internationales Recht verstoße, in den besetzten Gebieten aktiv sei und „den Palästinensern das Wasser wegnimmt“. Vitens behauptete, dem Druck des niederländischen Parlaments und der Regierung stattgegeben zu haben. Die niederländische Botschaft in Tel Aviv dementierte laut Medienberichten, dass die Regierung Druck ausgeübt habe, infolge der Richtlinien der EU, nicht mit israelischen Einrichtungen zu kooperieren, die jenseits der „Grünen Linie“ in den seit 1967 besetzten Gebieten aktiv sind. Nach Angaben von Vitens stamme die Einschätzung, dass Mekorot den Palästinensern Wasser vorenthalte, von der internationalen Menschenrechtsorganisation Amnesty International.
Mekorot ist die nationale israelische Wassergesellschaft. Über sie werden alle Wasserfragen abgewickelt, wie sie 1993 in den Osloer Verträgen zwischen Israel und den Palästinensern festgelegt worden sind.
Abraham Ben Josef, stellvertretender Chefingenieur von Mekorot, sagte in einem nächtlichen Interview im israelischen Rundfunk, dass die Gesellschaft jährlich 50 Millionen Kubikmeter Wasser in den Gazastreifen pumpe. „Das Wasser wird durch unsere Rohre geliefert“, ergänzte er. In das Westjordanland werde eine noch größere Menge Wasser geliefert, mehr als vertraglich abgesprochen. Eine genaue Zahl konnte er nicht nennen. Ben Josef bezeichnet den Beschluss der niederländischen Gesellschaft auch deshalb als „absurd“, weil einen Tag vor der Boykottankündigung die Palästinenser, Jordanien und Israel – vertreten durch Mekorot – unter Schirmherrschaft der Weltbank einen historischen Vertrag über die Verlegung von Wasserrohren zwischen dem Roten und Toten Meer unterzeichnet hatten. Dies soll das Tote Meer vor dem Austrocknen bewahren (Israelnetz berichtete).
Jigal Palmor, Sprecher des israelischen Außenministeriums, forderte von den Niederländern einen „dringenden Einsatz gesunden Menschenverstandes“, wenn sogar die Palästinenser mit Mekorot voll kooperieren.
Viele palästinensische Dörfer erst durch Israel mit fließendem Wasser
Obgleich in den Medien immer wieder das knappe Wasser als Kriegsgrund im Nahen Osten hochgespielt wird, ist ausgerechnet die Wasserfrage seit den 1950er Jahren auch zwischen tief verfeindeten Staaten wie Syrien und Israel mit amerikanischer Vermittlung im Rahmen der „Johnston-Verträge“ geregelt worden.
In den Osloer Verträgen wurde genau festgelegt, wie viel Wasser aus welchen Brunnen gepumpt werden darf. Um palästinensische Städte und Ortschaften zu versorgen, wird das nach 1967 von Israel gelegte Rohrsystem verwendet, das gleichzeitig auch israelische Siedlungen versorgt. Viele palästinensische Dörfer erhielten dank der israelischen Infrastruktur erstmals fließendes Wasser.
Mit Jordanien wurde abgesprochen, im Winter überschüssiges Wasser aus dem Jarmuk-Fluss in den See Genezareth umzuleiten. Das zwischengespeicherte Wasser werde im Sommer in den jordanischen Ghorkanal und bis nach Amman gepumpt. Auch der Gazastreifen, wo es durch übermäßiges Auspumpen des Grundwassers kein Trinkwasser mehr gibt, weil salziges Meerwasser die Grundwasserschichten ungenießbar gemacht hat, wird aus dem See Genezareth versorgt.
Der Vize-Chefingenieur von Mekorot, Ben Josef, sagte in dem Radio-Interview auch, dass der Zustand des Wasserhaushalts in Israel dank der in Betrieb genommenen Entsalzungsanlagen „besser als jemals zuvor“ sei. Weil weniger Wasser aus dem See Genezareth abgepumpt werden müsse, habe das größte Süßwasserreservoir Israels in dieser Jahreszeit einen höheren Pegel als in den Jahren zuvor. In den noch wichtigeren Grundwasser-Schichten habe bis vor einem Jahr noch eine Milliarde Kubikmeter gefehlt. Dank der Entsalzungsanlagen und weil in Israel fast 90 Prozent des Brauchwassers geklärt und in separaten Rohrsystemen der Landwirtschaft für die Bewässerung zugeführt werde, sei der Mangel beim Grundwasser auf 400 Millionen Kubikmeter reduziert worden. Ben Josef äußerte sich zuversichtlich, dass Israel bald sogar über einen Wasserüberschuss verfügen werde.