Knesset debattiert über Reaktorsicherheit

JERUSALEM (inn) - Mehrere Knessetabgeordnete haben eine internationale Überprüfung des israelischen Atomreaktors in Dimona gefordert. In einer Debatte über mögliche Lehren aus der Katastrophe in Japan äußerten sie am Mittwoch Sicherheitsbedenken. Der Minister Benny Begin forderte die Politiker hingegen auf, die Öffentlichkeit nicht unnötig in Panik zu versetzen.

"Das Unglück in Japan verpflichtet dazu, unseren Blick auf Dimona zu richten", sagte der Abgeordnete Dov Chenin (Hadasch) laut einem Bericht der Zeitung "Ma´ariv". "Man kann sich nicht weiter damit abfinden, dass die Arbeit des Atomreaktors nicht beaufsichtigt wird, der sich so nah am Syrisch-Afrikanischen Bruch befindet." Der Bruch im Jordantal ist ein bekanntes Erdbebengebiet. "Im Falle eines Unglücks können die Schäden für Umwelt und Gesundheit gewaltig sein", fügte er hinzu. "Der Preis kann zu schwer für die Bürger Israels sein."

Auch Dschamal Sahalka von der arabischen Balad-Partei äußerte seine Besorgnis: "Der Reaktor in Dimona ist der am meisten veraltete Reaktor, der nicht international beaufsichtigt wird. Es ist an der Zeit, das Thema für eine öffentliche Diskussion zu öffnen. Wenn es eine internationale Aufsicht gibt, kann die Welt vielleicht den Bewohnern Israels und der Region helfen, wenn eine Gefahr aus dem Reaktor bemerkt wird."

Madschallie Whbee (Kadima) sagte: "Die israelische Regierung muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und darf es nicht aufschieben, entsprechende Schlüsse zu ziehen und zur Vorbereitung auf ähnliche Katastrophen Wege des Handelns einzuschlagen. Schade, dass die israelische Regierung die Katastrophen der Welt wie das Erdbeben und den Tsunami als Erinnerung braucht, um die Lehren aus den Katastrophen unseres Staates zu ziehen. Das Lernen aus den Fehlern der Vergangenheit soll eures Fußes Leuchte sein."

Minister warnt vor Panikmache

Der Minister Begin (Likud) widersprach den Forderungen der Abgeordneten: "Ich empfehle, die Öffentlichkeit nicht in Angst zu versetzen." Es gebe einen großen Unterschied. "Der Reaktor in Dimona hat eine Leistung  von einigen Dutzend Megawatt, während der Reaktor in Japan Tausende Megawatt produziert. Der Reaktor in Dimona wird von einer Kommission überwacht, der auch Vertreter der Öffentlichkeit angehören. Die Überwachung ist eng. Ich habe eine gewisse Erfahrung auf diesem Gebiet."

Begin, der Geologe ist, fügte hinzu, Israel sei auf Erdbeben vorbereitet: "Im Laufe der letzten 30 Jahre haben sich die Dinge so entwickelt, dass etwa 80 Prozent der Gebäude im Rahmen dieser Vorbereitung errichtet wurden. 50.000 bis 100.000 Gebäude, die vor 1980 errichtet wurden, werden diesen Anforderungen nicht gerecht. Sie sind auf das ganze Land verteilt." Für das Jahr 2011 seien umgerechnet rund 30,2 Millionen Euro eingeplant, um Gebäude erdbebensicherer zu machen, teilte der Minister mit. Es gehe unter anderem um 60 Schulen, einige Feuerwehrstationen, drei Krankenhäuser und Polizeistationen.

Israel lässt bislang eine Kontrolle des Reaktors durch ausländische Vertreter nicht zu. Gemäß ausländischen Presseangaben wird in Dimona Plutonium für den Bau von Atombomben produziert. Angeblich verfügt Israel über 200 oder 300 Atombomben. Das offizielle Israel hat nie öffentlich eingestanden, Atombomben zu besitzen, dieses aber auch nicht dementiert.

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