Erst am Mittwoch, kurz vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch HaSchanah, hatten sich Lapid und Regierungschef Benjamin Netanjahu auf den Haushalt geeinigt. Ein Streitpunkt war die Frage, ob der Gesetzgeber die Steuern erhöhen soll. Dafür sprach sich Netanjahu aus. Der Finanzminister hingegen plädierte dafür, das Staatsdefizit zu vergrößern – und setzte sich durch. Diskussionen gab es zudem um den Verteidigungshaushalt, wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.
Bei der Vorstellung am Sonntag in einer Pressekonferenz sagte Lapid: „Dies ist ein sozialer Haushalt, der Ressourcen vorsieht, um Bildung, Gesundheit und Wohlstand zu verbessern, und alles, was das Leben der Israelis berührt.“ Der Finanzminister fügte an: „Wenn der letzte Haushalt ein Krisenhaushalt war, ist der aktuelle Haushalt einer von Hoffnung und Versprechen. Die sozialen Budgets werden dieses Jahr um Millionen Schekel zunehmen.“
Das Gesundheitsministerium soll umgerechnet rund 600 Millionen Euro mehr Budget erhalten als zuvor. Der Etat für das Bildungswesen wird um rund 380 Millionen Euro aufgestockt, der für die Sicherheit um ungefähr 200 Millionen Euro. Auch die Holocaust-Überlebenden bekommen mehr Unterstützung: Das für sie vorgesehene Budget erhöht sich um etwa 200 Milliarden Euro.
Lapid teilte weiter mit: „Der Verteidigungshaushalt wird um 6 Milliarden Schekel (1,3 Milliarden Euro) zunehmen, und das Defizit wird sich um 3,4 Prozent erhöhen. Der ursprüngliche Plan vor der Operation ‚Starker Fels‘ war, einen Haushalt mit einem angestrebten Defizit von 3 Prozent zu verabschieden.“
Aus der oppositionellen Arbeitspartei hieß es: „Wenn wir einen Schekel für jedes Versprechen hätten, das Lapid gemacht hat, könnten wir wahrscheinlich Israels Defizit ausgleichen und aufhören, Steuern einzutreiben. Nicht nur verlegt er Israel auf den Mond, sondern Lapid hat auch noch der Öffentlichkeit so ziemlich alles versprochen. Es ist nett zu sehen, dass er immer noch sich selbst zu glauben scheint, auch wenn die Öffentlichkeit seit langem ihr Vertrauen in ihn verloren hat.“
Auf die Frage, ob er zurücktreten werde, wenn er den Haushalt im Parlament nicht durchbringe, entgegnete der Finanzminister: „Es wird nicht nötig sein, dass ich zurücktrete, die ganze Regierung würde auseinanderbrechen.“
Vertreter des Finanzministeriums hatten vor der Pressekonferenz geäußert, der Haushaltsplan sei noch nicht endgültig. Eine abschließende Entscheidung über den Verteidigungshaushalt werde erst nach den Feiertagen zu Beginn des jüdischen Jahres fallen, also in der zweiten Oktoberhälfte.