NEW YORK (inn) – Die Verhandlungen des UN-Sicherheitsrates über eine gemeinsame Resolution, die einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah fordern soll, gehen weiter – eine Einigung wurde bisher nicht erreicht. UN-Generalsekretär Kofi Annan strebt eine Resolutionsverabschiedung bis Sonntag an.
Die bisherigen Vorschläge Frankreichs und der Vereinigten Staaten wurden vom Libanon abgelehnt. Der libanesische Außenminister Fawsi Salluch sagte in einem Interview mit dem arabischen Nachrichten-Sender „Al Dschasira“, dass er gegen die Vorschläge sei, weil diese nicht zu einem sofortigen Waffenstillstand aufriefen. „Das ist inakzeptabel für uns“, so Salluch. Russland entschied sich indes, einen eigenen Vorschlag einzubringen, der einen sofortigen 72-stündigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah vorsieht. In der so gewonnenen Zeit könne weiter an einer diplomatischen Lösung der Krise gearbeitet und der Bevölkerung im Libanon humanitär geholfen werden.
Israel lehnte den Vorschlag Russlands ab: „Wir halten das für eine schlechte Idee“, sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman. Dies würde nur der Hisbollah dienen, sich neu zu gruppieren und sich zu regenerieren.
Laut UN-Kreisen wird nun angestrebt, dass sich die israelischen Truppen schrittweise aus dem Libanon zurückziehen. Der Abzug soll nach der Verabschiedung der Resolution beginnen. Wie die Tageszeitung „Jediot Aharonot“ berichtet, sollen die israelische Einheiten mit Einwilligung der libanesischen Regierung und unter Schirmherrschaft der UN durch eine internationale Truppe ersetzt werden.
Diese werde 10.000 französische und Soldaten aus anderen Ländern umfassen. Zudem sollen 15.000 libanesische Soldaten im Südlibanon stationiert werden. Die internationale Truppe hat die Aufgabe, den Schmuggel von Katjuscha-Raketen und Waffen aus Syrien und dem Iran in den Libanon zu verhindern, heißt es in „Jediot Aharonot“ weiter. Zudem soll eine Pufferzone errichtet werden, die frei von Hisbollah-Terroristen ist.
In dem bisherigen Vorschlag Frankreichs und der Vereinigten Staaten war ein Abzug israelischer Truppen nicht vorgesehen. Die libanesische Regierung besteht jedoch darauf.
Die israelische Regierung hatte am Donnerstag die Ausweitung der Bodenoffensive im Südlibanon zunächst ausgesetzt. Die Militärführung sei über diese Entscheidung sehr verärgert gewesen, da die Offensive bereits lief.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana will am Wochenende bei einem Besuch im Nahen Osten auch nach einer Lösung für den Konflikt suchen. Am heutigen Freitag wird er in Beirut erwartet, danach will er mit israelischen und palästinensischen Vertretern sprechen.