Katzav beteuert Unschuld und kritisiert “Medienkampagne”

JERUSALEM (inn) – Israels Staatspräsident Mosche Katzav hat die Anschuldigungen gegen ihn als “Lüge” bezeichnet. Die israelischen Medien bezichtigte er am Mittwochabend einer beispiellosen Kampagne gegen ihn.

Katzav lehnte einen Rücktritt in dieser Phase weiter ab: “Das Gesetz fordert nicht, dass ich gehe. Der Generalstaatsanwalt fordert es nicht. Ich bin nicht bereit, mich einer Erpressung zu beugen.” Falls Generalstaatsanwalt Menachem Masus ihn tatsächlich anklage, werde er allerdings zurücktreten. Zuvor hatte der Präsident mitgeteilt, dass er sein Amt vorübergehend ruhen lassen wolle.

“Ich habe niemals einem Mann oder einer Frau etwas zuleide getan”, sagte Katzav bei seiner Pressekonferenz am Abend. “Ich habe keine der Taten begangen, derer ich angeklagt werde.” Er werde sich “bis zum letzten Atemzug” gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen.

Er habe die vergangenen sechs Monate und eine “Medien-Lynchung” nur überlebt, weil er an seine eigene Unschuld glaube, fügte der Präsident hinzu. Ein “Mediengericht” habe nicht nach der Wahrheit gesucht. Medienvertreter hätten keinen Augenblick aufgehört, darüber nachzudenken, ob die Vorwürfe wahr seien. Die Presse habe keine Untersuchung der Anschuldigungen durchgeführt und damit gegen jegliche Regel journalistischer Ethik verstoßen.

“Die Vorwürfe gegen mich haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun”, so Katzav laut der Zeitung “Ha´aretz”. “Wenn die Wahrheit herauskommt, werden die israelischen Bürger schockiert sein.” Nicht er habe Grund, sich zu schämen, sondern die Medien – wegen ihrer Kampagne gegen ihn. Diese habe bereits im Jahr 2000 begonnen, als er zum Präsidenten ernannt wurde.

Katzav forderte die Israelis auf, den Beschuldigungen keinen Glauben zu schenken. Sie seien eine Verunglimpfung seines Namens als Mann, Bürger und Präsident. Er sprach von “beispiellosen Angriffen” auf ihn und seine Familie. Zudem kritisierte er die Polizei, die den Medien geholfen habe, “mein Blut zu vergießen”. Die Ermittler seien auf die Frauen zugegangen, die ihn anklagten, und nicht umgekehrt.

Olmert fordert Rücktritt

Premierminister Ehud Olmert sagte am Mittwoch, er habe keine Zweifel daran, dass Katzav nicht im Amt bleiben sollte. Er müsse das Präsidentenhaus verlassen. “Dies ist ein trauriger Tag für den Staat Israel.” Zuvor hatten bereits Knesset-Abgeordnete verschiedenster Parteien den Rücktritt gefordert. Ihnen schlossen sich die Minister Zipi Livni, Avi Dichter und Juli Tamir an.

Am Donnerstagmorgen kam das Knesset-Komitee zusammen, um über Katzavs Antrag zu beraten, sein Amt vorübergehend ruhen zu lassen. Laut dem Fernsehsender “Kanal 2” zeichnet sich eine knappe Mehrheit dafür ab.

Vier ehemalige Mitarbeiterinnen werfen dem Präsidenten sexuelle Belästigung vor. Wenn er verurteilt wird, droht ihm eine langjährige Haftstrafe. Am Dienstag hatte Masus die Empfehlung ausgesprochen, Anklage gegen Katzav zu erheben.

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