Kanada setzt Israel auf Folter-Liste

OTTAWA (inn) - In einem kanadischen Regierungsdokument erscheinen Israel und die USA auf einer Liste von Folter-Staaten. Die PowerPoint-Präsentation soll kanadische Diplomaten dazu befähigen, Fälle von Folter im Ausland zu erkennen.

Israel und die USA werden in dem Dokument des Außenministeriums als Länder bezeichnet, in denen wahrscheinlich Folter praktiziert werde. Aufgelistet sind neben dem umstrittenen US-Gefängnis auf Kuba, Guantanamo, auch Afghanistan, Ägypten, China, Mexiko, Saudi-Arabien und Syrien. Das berichtet die kanadische Zeitung „National Post“.

Das Dokument entstand durch eine Empfehlung an die Regierung, protokollarisch festzulegen, wie sich Diplomaten im Ausland im Falle einer Folter verhalten sollen. Die Anregung kam von den Ermittlern, die den Fall „Maher Arar“ untersuchen. Der syrischstämmige Kanadier war 2002 durch die USA nach Syrien deportiert worden. Die Ermittler haben erfahren, dass Arar in Damaskus mehrfach gefoltert worden sei. Aus Mangel an Erfahrung hätten die kanadischen Vertreter in Syrien die Anzeichen hierfür jedoch nicht erkennen können.

Die Diplomaten erhalten nun eine lange Liste von Merkmalen dafür, dass eine Person möglicherweise gefoltert wurde. Diese reicht von der Farbe der Fingernägel bis zu auffälligen Verhaltensweisen wie einer schlechten Körperhaltung oder dem Vermeiden eines Blickkontaktes.

Der Generalsekretär von „Amnesty International“, Alex Neve, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, er habe sehr klare Beweise für solchen Missbrauch in US-amerikanischen und israelischen Gefängnissen. Es sei daher ermutigend und erfrischend, „dass diese beiden Länder aufgelistet wurden und dass außenpolitische Erwägungen nicht die Sorge um Menschenrechte ausstachen“.

Der Sprecher der israelischen Botschaft in Ottawa, Michael Mendel, meinte zu den Vorwürfen: „Wenn Israel in die fragliche Liste einbezogen wäre, würde der israelische Botschafter seine Entlassung erwarten.“

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