Kabinett beschließt Wehrpflicht für Haredim

JERUSALEM (inn) – Ultra-orthodoxe Juden sollen ab dem Jahr 2017 wie alle anderen wehrpflichtigen Israelis in der Armee dienen. Das hat das israelische Sicherheitskabinett am Sonntag beschlossen. Nun muss noch die Knesset über das Gesetz abstimmen.
Viele israelische Jeschiva-Studenten sind mit einer Rekrutierung nicht einverstanden.

Das Kabinett sprach sich dafür aus, die Last der Verteidigung des jüdischen Staates gleichmäßig zu verteilen. Ab dem Jahr 2017 sollen ultra-orthodoxe Juden, Haredim genannt, im Alter von 21 Jahren ins Militär einberufen werden. Für die übrigen Israellis beginnt die Wehrpflicht mit 18 Jahren. Pro Jahr sollen nur noch bis zu 1.800 Ultra-Orthodoxe vom Wehrdienst befreit werden, die nachweislich wissenschaftlich sehr begabt sind und deshalb ihr Torah-Studium fortsetzen sollen. Das berichtet die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.
Der Gesetzesvorschlag wurde mit 14 Ja-Stimmen und vier Enthaltungen angenommen und wird nun der Knesset zur Abstimmung vorgelegt.
Premierminister Benjamin Netanjahu versicherte den Haredim, die Veränderung werde schrittweise vorangehen. Die besonderen Bedürfnisse der ultra-orthodoxen Juden würden beachtet. Ziel sei die Integration der Haredim in die Armee, den Zivildienst und in die arbeitende Gesellschaft. „Ich erachte außerdem die Integration israelischer Araber für sehr wichtig. Der Entwurf ist unvollständig, dieses Thema muss behandelt werden“, fügte der Regierungschef hinzu.
Finanzminister Jair Lapid, der während seines Wahlkampfes vehement eine gleiche Lastenverteilung bei der Sicherheit eingefordert hatte, nannte den Gesetzesentwurf eine „historische Veränderung“. Sowohl die ultra-orthodoxen Juden als auch die israelische Gesellschaft als Ganzes würden davon profitieren.
In den vergangenen Monaten hatten in Israel und auch in den USA ultra-orthodoxe Juden gegen eine Rekrutierung protestiert. Viele künftige Wehrpflichtige kündigten an, lieber ins Gefängnis als in die Armee gehen zu wollen.
Bislang hatte das „Tal-Gesetz“ festgelegt, dass Torah-Studenten vom Wehrdienst befreit sind. Es ist im vergangenen August ausgelaufen. Seitdem wurde an einer Nachfolgeregelung gearbeitet.

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