Kurz nach Beginn der 30-minütigen Ansprache in New Orleans rief der erste Störer aus dem Publikum: „Der Treueschwur delegitimiert Israel.“ Insgesamt fünf Zuhörer unterbrachen den israelischen Regierungschef und wurden von Ordnern aus dem Saal geführt. Netanjahu sagte über die Störer: „Ich wollte darüber sprechen, wie Israel delegitimiert wird, aber sie haben wirklich die falsche Adresse.“ Das Publikum bekundete Unterstützung für den Redner, indem es „Am Israel Chai“ (Das Volk Israel lebt) und seinen Spitznamen „Bibi, Bibi“ skandierte.
Den Protest hatte die Gruppe „Jüdische Stimmen für Frieden“ organisiert. Sie will „einen dauerhaften Frieden erreichen, der die Rechte von Israelis und Palästinensern auf Sicherheit und Selbstbestimmung anerkennt“. Die 17-jährige Studentin Hannah King sagte der Tageszeitung „Ha´aretz“: „Wir glauben, dass Israels Aktionen, wie Siedlungen, wie die Besatzung, wie der Treueschwur, den jüdischen Werten widersprechen, die wir in der jüdischen Schule gelernt haben.“ Sie könne die israelische Überheblichkeit nicht ertragen.
„Wir müssen hart gegen alle Länder sein, die Menschenrechte missbrauchen“, fügte sie hinzu. „Aber ich interessiere mich für Israel, weil es für mich etwas Persönliches ist. Ich glaube nicht, dass Netanjahu unsere Botschaft gehört hat, aber unsere Botschaft war an die anderen jungen Juden in der Versammlung gerichtet.“
Matan Cohen war einer denjenigen, die den Premierminister durch Zwischenrufe irritieren wollten. „Wir beschlossen, dass alle fünf bis sechs Minuten einer von uns aufstehen und schreien sollte“, teilte er der Zeitung „Jediot Aharonot“ mit. „Wir wurden festgenommen und später beim Sicherheitsdienst in Gewahrsam gebracht.“ Der 21-Jährige gehört zu den Gründern der „Anarchisten gegen die Mauer“. Diese israelische Gruppe unterstützt die palästinensische Kampagne gegen den Bau der Sicherheitsanlage im Westjordanland. Cohen wurde vor vier Jahren bei einer Demonstration gegen den Zaun durch ein Gummigeschoss verletzt.
Netanjahu: „Frieden nicht nur auf dem Papier“
In seiner Ansprache sagte Netanjahu: „Es gibt nur einen Weg zum Frieden – eine Vereinbarung mit Verhandlungen. Wir müssen das nächste Jahr Verhandlungen zum Frieden führen und uns nicht mit Randthemen befassen.“ Er fügte hinzu: „Wenn wir es schaffen und diesen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern erlangen, und Frieden zwischen Israel und vielen Staaten in der arabischen Welt, wird er die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Israel, die Palästinenser und die Staaten der Region fördern.“
Der israelische Regierungschef betonte: „Wir wollen keinen Frieden auf dem Papier, wir wollen echten Frieden vor Ort.“ Palästinensische Führer, die nach Frieden strebten, sollten keine Bedingungen mehr stellen, sondern in Verhandlungen treten.