Jerusalem-Marsch: Befürchtete Eskalation bleibt aus

JERUSALEM (inn) - Ein getöteter Palästinenser, Dutzende Verletzte - das ist die Bilanz des "Globalen Marsches auf Jerusalem" vom vergangenen Freitag. Die befürchteten Gewalteskalationen blieben aus. Israels Verteidigungskräfte zeigten sich mit dem Verlauf des Tages zufrieden.

Mehr als zwei Millionen Teilnehmer hatten die Organisatoren des Marsches angekündigt, am Ende waren es mehrere Zehntausend Menschen, die gegen die israelische Politik demonstrierten und Solidarität mit den Palästinensern zeigten. Im Gazastreifen und im Westjordanland kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften. Laut palästinensischen Angaben wurden dabei mehr als 150 Palästinenser verletzt, rund 100 von ihnen durch die Inhalation von Tränengas. Israelische Quellen sprachen von insgesamt mindestens 50 Verwundeten.

Im Gazastreifen hatten Palästinenser versucht, den Eres-Grenzübergang zu stürmen. Soldaten erschossen dabei einen Palästinenser, der sich trotz Warnungen dem Grenzzaun genähert hatte. Im südlichen Teil des Gazastreifens feuerten Palästinenser Granaten auf israelische Sicherheitskräfte, dabei wurde niemand verletzt. Nach Angaben der Tageszeitung "Yediot Aharonot" hätten auch Sicherheitskräfte der Hamas-Regierung im Gazastreifen versucht, die Demonstranten daran zu hindern, an den Grenzzaun zu gelangen.

Nachbarländer verhindern Grenzsturm

Vor dem "Marsch auf Jerusalem" hatte Israels Regierung die benachbarten Staaten dazu aufgefordert, die Teilnehmer von den Grenzen fernzuhalten. Offenbar wurden diese Aufforderungen berücksichtigt. In Jordanien versammelten sich schätzungsweise 15.000 pro-palästinensische Demonstranten. Angeführt wurde der Marsch von der Muslimbruderschaft. Jordanische Sicherheitskräfte hielten die Massen jedoch davon ab, die Grenze zu stürmen.

Im Libanon hatten sich nach unterschiedlichen Angaben zwischen 2.000 und 5.000 Menschen nahe der Festung Beaufort versammelt, etwa 20 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Die meisten von ihnen waren Palästinenser. Laut der libanesischen Tageszeitung "Daily Star" hatte die Hisbollah ihre Beteiligung zurückgeschraubt. Sie habe befürchtet, die Teilnehmer könnten zugleich gegen ihren Verbündeten, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, protestieren.

An der syrisch-israelischen Grenze gab es keine Versammlungen. Lediglich in der Hauptstadt Damaskus waren mehrere Tausend Menschen zusammengekommen, um gegen Israel zu protestieren.

In Ägypten verhinderten Sicherheitskräfte jegliche Demonstrationen an der Grenze. Eine Protestveranstaltung gab es in der Hauptstadt Kairo.

In Israel selbst beteiligten sich Tausende israelische Araber an den Protesten. Darunter waren auch die Knessetabgeordneten Ahmed Tibi (Vereinigte Arabische Liste) und Mohammad Barakeh (Hadasch).

Organisatoren zufrieden

Obwohl sich weit weniger Menschen an dem Marsch beteiligten als angenommen, waren die Organisatoren zufrieden. Ribhi Hallum, Hauptkoordinator der Aktion, sagte gegenüber der palästinensischen Nachrichtenagentur "Ma´an", insgesamt hätten sich Menschen aus 84 Ländern an verschiedenen pro-palästinensischen Veranstaltungen beteiligt. Damit sei der Grundstein für weitere Aktivitäten gelegt worden. Mit dem Marsch soll zudem deutlich gemacht werden, dass die Sache "Palästinas" nicht mehr nur eine Angelegenheit des palästinensischen Volkes, sondern eine globale sei.

Armee warnt vor weiteren Protest-Tagen

Die israelische Armee zeigte sich am Ende des Tages ebenfalls zufrieden. Joav Mordechai, ein Sprecher der Verteidigungskräfte, teilte dazu mit: "Insgesamt gab es keine dramatischen Ereignisse und die Sicherheitskräfte in den palästinensischen Städten haben nicht zugelassen, dass sich die Demonstrationen ausbreiten." Er betonte, die Soldaten hätten sich an die Regeln gehalten und die Teilnehmer zunächst mündlich davor gewarnt, sich den Grenzen zu nähern. Verschiedene Maßnahmen seien zum Einsatz gekommen, um die Massen auseinander zu treiben. Bevor sich widersetzenden Demonstranten in die Beine geschossen worden sei, hätten die Armeeangehörigen Warnschüsse in die Luft abgegeben.

Nun bereite sich die Armee auf die nächste Runde von Demonstrationen vor, so Mordechai. In den kommenden Wochen und Monaten stünden mit dem Tag für die palästinensischen Gefangenen, dem Naksa-Tag und dem Nakba-Tag weitere Herausforderungen an. "Nakba", "Tag der Katastrophe", so nennen Araber den Tag der Gründung Israels am 15. Mai 1948. Mit dem "Naksa-Tag" gedenkt die arabische Welt der Niederlage der arabischen Armeen während des Sechs-Tage-Krieges 1967.

Anlass für den "Globalen Marsch auf Jerusalem" war der "Tag des Landes". Diesen begehen israelische Araber jedes Jahr am 30. März. An diesem Datum hatten arabische Israelis im Jahr 1976 gegen die Beschlagnahmung von Land in Galiläa demonstriert. Bei Zusammenstößen mit Polizisten wurden damals sechs Araber erschossen.

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