Jeder vierte Äthiopier bricht Armee ab

JERUSALEM (inn) – Jeder vierte äthiopischstämmige Soldat bricht seinen Armeedienst ab. Diese und weitere Statistikergebnisse präsentierten die israelischen Streitkräfte am Sonntag einem Knessetausschuss. Die „rassentrennende“ Erhebung stößt auf Kritik.
Vertreter der äthiopischen Gemeinde kritisieren, dass in der Statistik zwischen der allgemeinen Bevölkerung und Äthiopiern unterschieden werde.

Foto: IDF / flickr

Vertreter der äthiopischen Gemeinde kritisieren, dass in der Statistik zwischen der allgemeinen Bevölkerung und Äthiopiern unterschieden werde.

Einer von sechs Israelis schließt durchschnittlich seine Armeelaufbahn nicht ab. 16,5 Prozent der männlichen Soldaten und 7,5 Prozent der weiblichen Soldaten der Bevölkerung brächten ihren Wehrdienst nicht zu Ende. Unter den äthiopischstämmigen Soldaten war die Rate höher: Rund 23 Prozent der Männer und fast 11 Prozent der Frauen brachen den Dienst an der Waffe vorzeitig ab. Das berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“ unter Berufung auf Zahlen, die dem Personalausschuss des Komitees für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung am Sonntag präsentiert wurden. Die Zahl bei den aus Äthiopien stammenden Männern sank damit um 2 Prozent im Vergleich zu 2012, bei den Frauen stieg sie hingegen um 1,5 Prozent. Hintergründe des Abbruchs seien mangelnde Eignung, gesundheitliche oder emotionale Probleme, zitiert die Tageszeitung „Ha‘aretz“ einen Armeesprecher.
Allgemein sei aber das Interesse unter den Jugendlichen mit äthiopischer Herkunft groß, den israelischen Streitkräften zu dienen. 89 Prozent der Teenager-Jungen und 57 Prozent der Teenager-Mädchen wollten sich dem israelischen Militär anschließen.

Äthiopier bei Offizierslaufbahn unterrepräsentiert

Fast 10 Prozent (9,8) unter den israelischen männlichen Soldaten führten ihren Dienst fort, um Offizier zu werden. Unter den äthiopischstämmigen Soldaten seien es nur 2,3 Prozent. Dies sei eine Steigerung von 0,5 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Bei den israelischen Soldatinnen starten ebenfalls fast 10 Prozent (9,9) eine Offizierslaufbahn. Der Anteil bei den äthiopischstämmigen Soldatinnen beträgt 5,4 Prozent.
Rund 9 Prozent der Soldaten mit äthiopischer Abstammung wurden 2013 ins Gefängnis geschickt, 2012 waren es noch 11 Prozent. In der ersten Hälfte des aktuellen Jahres war der Anteil mit rund 7 Prozent weiter rückläufig.
Majorin Hila Halpern erklärte, dass eine neue Vorgehensweise zum Abfall der Abbruchsrate und Inhaftierungsrate führe. Soldaten der äthiopischen Gemeinschaft dürften nun herausforderndere und interessantere Positionen wie bei der Luftwaffe und beim Informationsdienst übernehmen.

Kritik an „Rassentrennung“ in der Armee

Die Knessetabgeordnete Penina Tamano-Schata (Jesch Atid) kritisierte gegenüber der „Times of Israel“, dass ausschließlich Mitglieder der äthiopischen Gemeinschaft für diese Erhebung herausgepickt würden, „ist eine Peinlichkeit und eine Schande und ein Armutszeugnis“. Sie fragte, ob man sich vorstellen könnte, dass in der US-Armee so etwas passiere, „eine Abhandlung nur für Afro-Amerikaner“?
Auch Siva Mekonen Degu, die Leiterin der israelischen Gesellschaft für äthiopische Juden, beklagte die „Rassentrennung“ der Armee. Sie fügte hinzu, dass die Problemlösung nicht auf der Hautfarbe allein basieren könnte.

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