CORTINA (inn) – Israels Olympisches Komitee (OCI) hat am Sonntag seine eigene Viererbob-Mannschaft vor dem dritten Lauf aus dem Wettbewerb genommen. Gegenüber der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“ sagte das Komitee am Sonntag, es habe diesen Schritt gehen müssen, da einer der Athleten durch eine Lüge einen unerlaubten Fahrerwechsel erreichen wollte.
Am Samstag fuhren Adam Edelman, Menachem Chen, Uri Sisman und Omer Katz zwei Läufe und lagen danach auf Rang 24. Für die zwei letzten Läufe am Sonntag sollte statt Uri Sisman Ersatzmann Ward Fawarseh in die Startstaffel kommen. Gemäß den Regeln ist ein Wechsel jedoch „nur dann erlaubt, wenn einer der Athleten verletzt oder krank ist“, sagte das Israelische Olympische Komitee.
Sisman habe, unterstützt von der Mannschaft, sich für krank erklärt. Er ließ sich sogar medizinisch untersuchen und gab eine eidesstattliche Erklärung ab, damit das israelische Komitee einen Antrag auf Fahrerwechsel stellen konnte. Als der Athlet jedoch gegenüber einem Delegierten zugab, dass dies nicht stimmte, zog das Komitee den Antrag zurück und disqualifizierte die Mannschaft.
Das OCI bezeichnete das Verhalten der Mannschaft in einer Stellungnahme als „unangemessen“. Es widerspreche „fairen und sportlichen Verhaltensweisen“. Auch der Präsident des israelischen Bob- und Skeletonverbands, David Greavis, zeigte sich „zutiefst enttäuscht“ von der Mannschaft.
Hohen Anforderungen nicht entsprochen
Ward Farwaseh wäre der erste israelisch-drusische Olympiateilnehmer überhaupt. In einer Stellungnahme am Sonntag schrieb Bob-Pilot Edelman auf Instagram, es sei ihnen wichtig gewesen, dass auch ihr Ersatzmann die Gelegenheit bekomme, bei den Olympischen Spielen mitzufahren – um den Sieg habe man auf den letzten Plätzen ohnehin nicht mehr konkurriert.
Bei allen womöglich guten Absichten: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Der Bob-Pilot erklärt: „Die Umstände, unter denen wir den Wechsel vorgenommen haben, entsprachen nicht den hohen Anforderungen, die eine Mannschaft für eine Aufstellungsänderung erfüllen muss.“
Es war das erste Mal, dass eine israelische Bob-Mannschaft an den olympischen Winterspielen teilnahm. Die Teilnahme der Athleten erregte von Beginn an Aufmerksamkeit. So wurde Anfang Februar die geheimgehaltene Unterkunft der Mannschaft während eines Trainings ausgeraubt. Auch wurde Bob-Pilot Edelman Ziel von verbalen Attacken.
Insgesamt nahmen neun Israelische Athleten an den Olympischen Winterspielen in Italien teil. Die sieben Männer und zwei Frauen konnten zwar keine Medaillen mit nach Hause nehmen, fielen aber durch die eine oder andere beachtliche Leistung auf.
Das formal beste Ergebnis erzielte Jared Firestone für sein Land im Skeleton. Er kam auf Platz 22 von 24. In Alpin Ski trat Barnabas Szollos gegen 96 Konkurrenten an und konnte immerhin Platz 26 erringen. Seine Schwester Noa Szollos erlangte im Riesenslalom der Frauen den 35. Platz und ließ damit 40 Konkurrentinnen hinter sich. Die Eiskunstläuferin Mariia Seniuk kam nach einem Sturz auf den letzten Platz und Attila Mihaly Kertesz fuhr im Skilanglauf als Vorletzter über die Ziellinie. (mw)
6 Antworten
Respekt für den Rückzug, der durch eine Lüge ausgelöst wurde. Israelis genügen hohen menschlichen Ansprüchen – ein feiner menschlicher Zug.
Trotzdem sagt die Bibel, im Menschen ist nichts Gutes – es gibt einen fehlerfreien Menschen, der Sohn Gottes – der sein Leben für alle Sünder gelassen hat. Danke
Lieber Gruß Martin
Das ist sehr schade, wie das dort gelaufen ist und stellt Israel mal wieder in kein gutes Licht. Ich finde es richtig, dass man vor dem Lauf noch die Kurve gekriegt hat und den Fehler zugab. Den Bestimmungen ist nun mal Folge zu leisten und eine solche eidesstattliche Erklärung ist ein Meineid.
Die Bestimmung an sich, einen Ersatzfahrer nur fahren zu lassen, wenn ein Teamkollege krank ist, ist m.E. unsinnig, Athlet ist Athlet.
Viel Glück für’s nächste Mal.
Es gibt Regeln, die sollten von den Sportlern eingehalten werden (Scheinkrankheit). Wäre später sicher rausgekommen und das israelische Komitee hat eben sofort reagiert. 👍
Israels Bobteam wurde vor dem dritten Lauf disqualifiziert. Meine Ehefrau und Marina, unsere Köchin, sehr enttäuscht.
Schade drum. Hatte mich schon schwer gewundert, dass die Israelis nicht drankamen.
Aber machen wir uns nichts vor. Diese Athleten sind keine unverwundbaren Supermänner. Die Attacken und der Einbruch werden psychisch gewirkt haben.
Um so schöner, bei der Abschlussveranstaltung, die israelische Flagge gesichtet zu haben.
Hass und Hetze haben im Sport nichts zu suchen.
Sehr sympathisch auch alle Teilnehmer beim Eiskunstlauf.
Schade, dass das Team sich so die Chance auf einen dritten Lauf genommen hat.
Verständlich ist es ja, den anderen Kollegen auch mal ran zu lassen, aber durch eine falsche Krankmeldung darf das eben auch nicht sein. Wobei ich wie Ella die Regelung, dass nur bei Krankheit ausgetauscht werden darf auch nicht verstehe, aber es wird vermutlich Gründe dafür geben.
Es ist eine Sache, die gut gemeint war, aber der Weg dorthin war nicht gut und die Disqualifikation richtig. Trotzdem zeugt es für mich von Teamgeist und ich wünsche Ward Farwaseh, dass auch er noch mal eine Chance bekommen wird, sein Können international unter Beweis zu stellen. Allen israelischen Athleten und Athletinnen Hochachtung für ihre Leistungen. Diese zusätzlichen Belastungen seit dem 7.10. auszuhalten und trotzdem die mentale Kraft für das Training aufzubringen, nicht aufzugeben und sein Land repräsentieren zu wollen, obwohl einem dermaßen viel Ablehnung entgegen schlägt, das ist schon beachtlich.
Für Maria Seniuk tut es mir leid und ich hoffe, sie kommt über ihren Sturz hinweg.