Israelisches Start-up setzt auf Autisten

Das Start-up „Point.AI“ nutzt die Stärken autistischer Menschen und gibt ihnen somit eine Chance auf einen Arbeitsplatz. Das israelische Unternehmen empfindet Autisten als besonders geeignete Mitarbeiter.
IT-Unternehmen in Israel wollen immer mehr die besonderen Fähigkeiten von Autisten nutzen

Foto: Dino Latoga

IT-Unternehmen in Israel wollen immer mehr die besonderen Fähigkeiten von Autisten nutzen

TEL AVIV (inn) – Das, was die meisten Menschen als einschränkend empfinden, ist für das Start-up „Point.AI“ (Punkt.KI) Einstellungskriterium: ein Handicap. Denn das vor sechs Monaten in Tel Aviv gegründete Unternehmen betrachtet vor allem Autisten als passende Mitarbeiter für seine Arbeit. Viele Autisten brauchen Routine, um erfolgreich in ihrer täglichen Arbeit zu sein. Sie haben oft Stärken, wie eine gute visuelle Fähigkeit, Liebe zum Detail und problemloses Arbeiten an monotonen Aufgaben. All das sind Dinge, die vielen Autisten das Leben vereinfachen.

Laut der Israelischen Gesellschaft für Kinder und Erwachsene mit Autismus gibt es in Israel rund 7.000 Erwachsene, die von dem Handicap betroffen sind. Es wird geschätzt, dass 2.500 geeignet für eine Tätigkeit im Technologiebereich sind.

Das Unternehmen wurde von der Therapeutin und Expertin für Autisten Tamar Dvir, dem Manager Tomer Gorovici und dem bereits ausgetretenen Technologie-Veteranen Eli Gorovici gegründet. Point.AI befasst sich mit dem Verhalten von Datenobjekten für andere Unternehmen, die Künstliche Intelligenz (KI), Algorithmen und maschinelles Lernen entwickeln. Die Nachfrage nach Mitarbeitern für die sich wiederholende Arbeit steigt. Die Eingabe von Daten durch Menschen werden bei der fortschrittlichsten KI-Technologie gebraucht.

Unabhängigkeit und angemessener Lohn

Der 23-jährige Jalon Schani erzählte dem Wirtschaftsmagazin „Globes“, dass er nach Ende seines Wehrdienstes Probleme hatte, einen Job zu finden. Durch den Vermittlungsdienst für Behinderte bekam er ein Gespräch mit dem Unternehmen Point.AI. Inzwischen ist Schani vier Monate in dem Start-up tätig und hat dadurch wieder einen Sinn für sein Leben gefunden. Gegenüber „Globes“ sagt er: „Ich verdiene mein Geld selbst, und es fühlt sich gut an, unabhängig zu sein.“ Die Mitarbeiter bei Point.Al bekommen einen in der Branche angemessenen Stundenlohn.

Der Vermittlungsdienst „Beit Ekstein“ richtet sich an Erwachsene mit Autismus. Mittlerweile befinden sich rund 350 Betroffene in Beratung, 20 Prozent von ihnen sind in der Technologiebranche tätig. Avital Tavor, die Leiterin des Vermittlungsdienstes, sagte „Globes“, die Herausforderung bestehe darin, dass alle Autisten so unterschiedlich seien. Dadurch ändere sich auch die notwendige Anpassung von einem Arbeitsplatz zum anderen und zwischen den Einzelpersonen. Mittlerweile gebe es auch Studienprogramme speziell für Autisten. Immer mehr von ihnen absolvieren Kurse in Betriebswirtschaft und Informatik. Gleichzeitig sehe sie, dass mehr Arbeitgeber sie kontaktieren mit speziell für Autisten zugeschnittenen Jobs.

Von: han

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