Israelische Umfrage: Araber optimistischer bei Friedensverhandlungen als Juden

JERUSALEM (inn) – Trotz des Engagements von US-Außenminister John Kerry, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten voranzutreiben, schätzen 80 Prozent der israelisch-jüdischen Öffentlichkeit die Aussicht auf Erfolg niedrig ein. Das ergab eine Umfrage des „Israel Demokratie Instituts“. Die Araber sind optimistischer.
"Back to the Negotiating Table" - "Zurück an den Verhandlungstisch" ist das Thema einer aktuellen Umfrage unter jüdischen und arabischen Israelis.

Foto: Israel Democracy Institute

“Back to the Negotiating Table” – “Zurück an den Verhandlungstisch” ist das Thema einer aktuellen Umfrage unter jüdischen und arabischen Israelis.

Ein Fünftel (18 Prozent) der Juden hält die Aussicht auf Erfolg für hoch bis sehr hoch. Rund 47 Prozent der arabischen Israelis schätzt die Chance, eine Friedensvereinbarung zu erreichen, als hoch oder sehr hoch ein und 41 Prozent sehen die Chance darauf als gering oder sehr gering. Die Wähler der linksgerichteten Meretz-Partei sind besonders optimistisch: 65 Prozent erwarten mit hoher oder sehr hoher Wahrscheinlichkeit am Ende der Verhandlungen ein Friedensabkommen.
64 Prozent der Juden sind der Meinung, dass die palästinensischen Führer nicht ernsthaft Interesse haben, die Friedensgespräche wiederzubeleben. Hingegen haben 63 Prozent der selben Gruppe die Meinung, dass Israels Regierung ein ernsthaftes Interesse an den Gesprächen hat. Bei den Arabern sind 85 Prozent der Meinung, die palästinensische Führung meine es ernst mit den Gesprächen, über die israelische Regierung denken das immerhin 58 Prozent der Araber in Israel. Jesch Atid-Wähler glauben mit 73 Prozent am stärksten an die Ernsthaftigkeit des Willens der israelischen Regierung, Meretz-Wähler glauben mit 76,5 Prozent am stärksten an den überzeugten Wunsch der palästinensischen Regierung nach einer Lösung.

Nur gute Hälfte der Araber will Ostjerusalem an PA abgeben

Die Teilnehmer wurden auch nach den vier Hauptthemen des Konflikts befragt. Dabei sind 77 Prozent der israelischen Juden gegen das sogenannte Rückkehrrecht mit einer Ausnahme einer geringen Anzahl von palästinensischen Flüchtlingen, die zurückkehren dürften und finanziell entschädigt würden. Bei den Juden sind 62,5 Prozent gegen einen Rückzug zu den „Grenzen von 1967“, also den Waffenstillstandslinien von 1949, inklusive Landtausch. 58 Prozent der jüdischen Bevölkerung halten nichts von der Evakuierung der Siedlungen mit Ausnahme von Ariel, Ma‘aleh Adumim und den großen Siedlungsblöcken und 50 Prozent sind dagegen, dass der arabische Teil von Jerusalem an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) übergeben wird – mit Spezialvereinbarungen für die heiligen Stätten. Bei den gleichen Belangen sind etwa 82 Prozent der Araber für ein Rückkehrrecht von Flüchtlingen. Die kleinste Zustimmung mit 55 Prozent gibt es dafür, dass der arabische Teil Jerusalems an die PA übergeben wird. Das „Israel Demokratie Institut“ sieht einen eventuellen Grund darin, dass die Bewohner Ostjerusalems nicht unter PA-Souveränität stehen wollen.
Sollte es zu Friedensvereinbarungen kommen, sind 62 Prozent der Juden und 72 Prozent der Araber dafür, dass diese durch ein Referendum ratifiziert werden.
Für die Erhebung wurden im Zeitraum vom 28. bis 30. Juli insgesamt 602 Personen über das Telefon befragt, 502 aus dem jüdischen und 100 aus dem arabischen Sektor. Die Teilnehmer waren 18 Jahre und älter.

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