Israelische Berlin-Korrespondentin erhält Journalistenpreis

Die Organisation B'nai B'rit hat die „Kan“-Journalistin Antonia Yamin mit einem Preis bedacht. Gelobt wurde ihre Berichterstattung über das europäische Judentum. Mitunter wagte sich die 31-Jährige auf gefährliches Terrain.
Ausgezeichnete Journalistin: Antonia Yamin

Foto: Ulrich W. Sahm

Ausgezeichnete Journalistin: Antonia Yamin

JERUSALEM (inn) – Die Europakorrespondentin der israelischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft „Kan“, Antonia Yamin, hat am Mittwoch einen wichtigen Journalistenpreis für ihre Berichterstattung zur Diaspora erhalten. Die Organisation B’nai B’rit würdigte damit die Beiträge der 31-Jährigen zu jüdischem Leben in Großbritannien und Österreich sowie ihre Thematisierung des Antisemitismus in Deutschland.

Die Laudatio hielt Gavriela Schalev, eine ehemalige UN-Botschafterin Israels und Mitglied der Preisjury. Yamin wage sich oft in Gegenden und Orte, in die sich andere Journalisten nicht trauen, sagte sie. Mehrfach wurde sie mitten in Berlin angegriffen, weil sie Aufsager auf Hebräisch gemacht hatte.

Geboren in Deutschland, aufgewachsen in Israel

Yamin kam am 13. September 1988 in Mannheim zu Welt. Ihre Mutter ist deutsche Christin. Sie hatte 1986 am Strand in Israel Antonias Vater kennengelernt, eines aus Tripoli in Libyen stammenden Israeli. Als Antonia zwei Jahre alt war, zog sie zusammen mit ihren Eltern in die israelische Küstenstadt Netanja, wo sie aufwuchs und in die Schule ging. An der Agnon-Schule lernte sie bis 2006 unter anderem Psychologie und Literatur. Ihren Militärdienst leistete sie als Erzieherin bei der israelischen Luftwaffe. Dort konvertierte sie zum Judentum, da ihre Mutter Nicht-Jüdin war und die ethnische Zugehörigkeit im Judentum nur über die Mutter vererbt wird.

Nach dem Militärdienst studierte sie Journalistik an der Universität Tel Aviv. Zunächst arbeitete sie als freie Journalistin, ehe sie bei der „Frankfurter Rundschau“ als Lokalreporterin eine Anstellung fand. Sie kehrte bald wieder zurück nach Israel und arbeitete dort beim Fernsehsender „Kanal 10“.

Bekanntheit durch aufsehenerregende Interviews

2015 verließ sie den israelischen Nachrichtenkanal infolge eines Angebots des ZDF, über Israel und die palästinensischen Gebiete zu berichten. Im September 2016 wechselte sie zum israelischen öffentlich-rechtlichen Sender „Kan“, für den sie seit 2017 als Europakorrespondentin mit Sitz in Berlin berichtet.

Berühmt wurde sie nicht nur in Israel durch einige aufsehenerregende Interviews: 2017 befragte sie die 92 Jahre alte Elisabeth Kalhammer. Die war Haushälterin bei Adolf Hitler auf dem Berghof bei Salzburg und hatte 70 Jahre lang ihr Geheimnis gehütet. Im Sommer 2018 berichete sie über ein Rechtsrock-Festival mit Neonazis. Ihr Fazit lautete: „Ich hätte nie gedacht, dass es noch so einen Hass gibt.“

Ab 2018 interviewte sie einige der wichtigsten europäischen Politiker, darunter Sebastian Kurz aus Österreich und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Vor wenigen Tagen sprach sie mit der CDU-Chefin Annegret Kamp-Karrenbauer. Im Oktober 2018 führte sie das letzte Fernsehinterview mit dem berühmten und kurz danach verstorbenen israelischen Schriftsteller Amos Oz, der mehrfach als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch war.

Die 1843 in New York gegründete Organisation B’nai B’rith setzt sich unter anderem für die Aufklärung über das Judentum ein. Der Journalistenpreis wird seit 1992 im Gedenken an Wolf und Hilda Matsdorf vergeben. Wolf Matsdorf war ein Journalist in Israel und Australien, Hilda setzte sich für soziale Belange in diesen Ländern ein. Neben Yamin wurde bereits zum zweiten Mal Zvika Klein von der isralischen Zeitung „Makor Rishon“ ausgezeichnet.

Von: Ulrich W. Sahm

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