Israelis vertrauen am meisten in das Militär

JERUSALEM (inn) – Die Mehrzahl der jüdischen Israelis vertraut in die Streitkräfte des Landes. Arabische Israelis haben dagegen größeres Vertrauen in den Obersten Gerichtshof. Das hat eine Untersuchung des Israelischen Instituts für Demokratie (IDI) ergeben. Der Bericht wurde am Sonntag Präsident Schimon Peres in Jerusalem vorgestellt.
Der aktuelle „Israelische Demokratie Index“ gibt interessante Informationen über die israelische Gesellschaft

Foto: Israel Democracy Institute

Der aktuelle „Israelische Demokratie Index“ gibt interessante Informationen über die israelische Gesellschaft

Demnach setzen 91 Prozent der befragten jüdischen Israelis ihr Vertrauen in die Armee, 79 Prozent in den Präsidenten und 63 Prozent in den Obersten Gerichtshof. Weniger als die Hälfte (47 Prozent) vertrauen den Medien und den politischen Parteien (37 Prozent). Das Vertrauen der arabischen Israelis in die Armee ist niedrig (35 Prozent). Die Hälfte von ihnen vertraut in den Obersten Gerichtshof.
Der „Israelische Demokratie Index“ wird seit 2003 jährlich erstellt. Dazu werden 1.000 Bürger des Staates Israel zu unterschiedlichen politischen, sozialen und gesellschaftsrelevanten Themen befragt. Präsident Peres verglich den IDI mit einem Arzt, der seinen Patienten durchcheckt: „Das ist ein Report über die Gesundheit der Nation und ihrer Demokratie.“

Referendum über endgültiges Friedensabkommen erwünscht

Dem Bericht zufolge möchten die Meisten über ein endgültiges Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern, das den Rückzug aus dem Westjordanland beinhaltet, abstimmen. 31 Prozent gaben an, dass darüber nur jüdische Staatsbürger entscheiden sollten. Während knapp ein Viertel der Befragten dafür war, dass alle Bürger in einem Referendum darüber abstimmen dürfen, sagten auch 25 Prozent, dass allein die Knesset darüber entscheiden sollte. Bei den arabischen Befragten sahen diese Zahlen anders aus: 45 Prozent meinten, alle Bürger sollten darüber abstimmen; 11 Prozent dachten, dass nur die jüdischen Bürger über ein Friedensabkommen entscheiden sollten.

Wenig Vertrauen in die Politik

Das Bild von Politikern hat sich im Vergleich zu letztem Jahr verbessert. Statt 34 Prozent gaben nun 46 Prozent an, dass die Parlamentsmitglieder hart arbeiten und ihre Arbeit gut machen. Doch auf die Frage, welche Interessen die Knessetmitglieder vertreten, sagten lediglich 25 Prozent, dass es die des Volkes sind. 67 Prozent der Befragten nahmen an, die Parlamentarier würden eigene Interessen verfolgen. Auch hatten 61 Prozent das Gefühl, dass sie die Politik der Regierung nicht beeinflussen können.

Jüdischer und/oder demokratischer Staat?

Sowohl Peres als auch Arje Carmon, Präsident des IDI, zeigten sich besorgt darüber, dass der Graben zwischen den jüdischen Befragten, die Israel sowohl als jüdischen als auch demokratischen Staat wahrnehmen und denen, die vor allem den demokratischen Charakter betonen, wächst. Ein Drittel gab an, dass der Schwerpunkt auf dem jüdischen Charakter Israels liegen muss, ein knappes Drittel dagegen legte mehr Wert auf den demokratischen Aspekt. 37 Prozent waren der Meinung, dass beides wichtig ist. 75 Prozent glaubten auch, dass beides möglich sei: Israel als ein jüdischer und demokratischer Staat. Peres machte deutlich, dass ein jüdischer Staat keinen Widerspruch zur Demokratie darstellt. Im Gegenteil: „Die Bibel sagt uns, dass alle Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden und dass alle gleich geschaffen wurden.“ Menschen würden zwar verschieden sein, aber alle die gleichen Rechte haben müssen.

Höhere Steuern, um Arme zu unterstützen

Die Kluft zwischen Armen und Reichen wächst. Diese Spannung spürten 58 Prozent. 63,5 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bereit wären, höhere Steuern zu zahlen, um dem entgegenzuwirken. Tamar Hermann, die Leiterin der Untersuchung, fiel auf, dass diese Frage in europäischen Ländern und den USA stets negativ beantwortet worden war: Dort sei niemand dazu bereit, höhere Steuern zu zahlen, um die Kluft zu verringern. Peres sagte: „Was heute als soziale Solidarität definiert wird, kommt aus der traditionellen jüdischen Maxime: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
Eine grafische Übersicht zur Statistik findet sich unter http://is.gd/umfrage2013.

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