Demnach sind 65 Prozent der befragten Juden aus Israel bereit, auf israelische Atomwaffen zu verzichten, wenn sich auch der Iran darauf einlässt. 19 Prozent sähen es lieber, wenn beide Länder nuklear bewaffnet sind. Das berichtet das israelische Wirtschaftsmagazin "Globes" unter Berufung auf die Studie. Diese hatte das "Saban Center for Middle East Policy" in Washington in Auftrag gegeben. Der dort angestellte Professor Shibli Talhami hat sie durchgeführt.
Von den jüdischen Israelis meinten zwei Drittel, Israel müsse mehr tun, um umfassenden Frieden zu fördern, der auf den Grenzen von 1967 (den Waffenstillstandslinien von 1949) basiere. Hier müssten Verbesserungen vereinbart werden. Eine weitere Grundlage sei ein palästinensischer Staat.
Eine große Mehrheit der befragten Juden ist der Ansicht, dass die Palästinenser Israel als jüdischen Staat anerkennen sollten. 39 Prozent fordern dies als Vorbedingung für Verhandlungen oder einen Siedlungsbaustopp. 40 Prozent sind bereit, die Anerkennung als Teil eines endgültigen Friedensvertrags zu akzeptieren. 71 Prozent wollen Israel als "Heimstatt des jüdischen Volkes und aller seiner Bürger" definiert sehen.
Von den israelischen Arabern wenden sich 60 Prozent unter allen Umständen gegen einen jüdischen Staat. 31 Prozent wären damit nur einverstanden, wenn ein Palästinenserstaat gegründet wird und israelische Araber vollständige Gleichberechtigung erhalten.
Teilnehmer sehen Araber diskriminiert
Dass arabische Bürger in Israel gesetzliche Gleichberechtigung genießen, aber unter gesellschaftlicher und institutioneller Diskriminierung leiden, denken 52 Prozent der Juden und 57 Prozent der Araber. 33 Prozent der jüdischen und 3 Prozent der arabischen Teilnehmer halten die Araber für völlig gleichberechtigt. Hingegen empfinden 36 Prozent der israelischen Araber eine Diskriminierung, die der Apartheid ähnele.
Bezüglich des Friedensprozesses sind die meisten jüdischen Israelis pessimistisch: 49 Prozent der Teilnehmer rechnen damit, dass es niemals Frieden mit den Palästinensern geben wird. 42 Prozent vermuten, dass der Prozess mehr als fünf Jahre währen wird.
Von den befragten Juden definieren sich 53 Prozent in erster Linie als Juden und 37 Prozent vor allem als Israelis. Für 25 Prozent ist der jüdische Charakter ihres Staates wichtiger als die Demokratie. Etwa 50 Prozent halten beide Aspekte in gleicher Weise für bedeutsam.
Einen israelischen Angriff auf die Atomanlagen im Iran würden 43 Prozent der Juden und 4 Prozent der Araber unterstützen. 41 Prozent der Juden und 68 Prozent der Araber sind dagegen.
Ein weiterer Fragenkomplex bezog sich auf die USA. Gegenüber Präsident Barack Obama sind 54 Prozent der jüdischen Teilnehmer positiv und 39 Prozent negativ eingestellt. Die USA selbst sehen 80 Prozent in einem positiven Lichte, allerdings sind 39 Prozent unzufrieden mit der Nahostpolitik. 22 Prozent sind hingegen damit zufrieden.
Merkel besonders beliebt
In einer offenen Frage konnten die Umfrageteilnehmer politische Führer nennen, die sie besonders schätzen. 12 Prozent der Juden führten Bundeskanzlerin Angela Merkel an, 10 Prozent den früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Auf die Frage, welcher Politiker ihnen besonders verhasst ist, entschieden sich 36 Prozent für den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.