Israeli moderiert mit 93 Jahren Radiotalkshows

Ein 93-jähriger Israeli gilt als ältester praktizierender Moderator von Radiotalksendungen weltweit. Von der offiziellen Auszeichnung durch das „Guinness Buch der Rekorde“ erhofft er sich Interviews mit zwei besonderen Persönlichkeiten.
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Walter Bingham (r.) bei einem Interview mit dem ehemaligen US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton

Foto: Privat

Walter Bingham (r.) bei einem Interview mit dem ehemaligen US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton

JERUSALEM (inn) – Zwar wurde er als Zionist erzogen, aber Walter Bingham wanderte erst mit 80 Jahren nach Israel ein. Nun, 13 Jahre später, erhält er eine besondere Auszeichnung: Das „Guinness Buch der Rekorde“ hat ihn als ältesten praktizierenden Radiomoderator der Welt für Talkshows anerkannt.

Walter Bingham kam 1924 als Walter Billig in Karlsruhe zur Welt. Als 15-Jähriger wurde er mit einem Kindertransport nach London geschickt. Nach der Invasion in die Normandie erhielt er eine militärische Auszeichnung. Er studierte in der britischen Hauptstadt Politikwissenschaften, arbeitete als Model und auch als Schauspieler – in den ersten beiden Folgen der „Harry Potter“-Serie hatte er kleine Rollen als Zauberer. Zudem hat er einen Pilotenschein.

Seine Karriere als Radiojournalist begann er vor 50 Jahren: „Nachdem ich für ein paar Lokalzeitungen geschrieben hatte, war ich Gastgeber für jüdische Radioprogramme bei zwei Sendern in London“, erzählte er am Montag der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“. „Eine der Sendungen war irgendwann für den nationalen israelischen Rundfunk, wo ich noch immer jede Woche eine Show namens ‚Walters Welt‘ habe.”

Sein Weg nach Israel war verschlungen: „Ich war in Deutschland während der Kristallnacht und entkam mit 7.500 anderen Kindern nach England. Aber ich wurde streng zionistisch erzogen und es war immer mein Traum, in Israel zu leben.“ Fast 15 Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau, mit 80 Jahren, wanderte der zweifache Urgroßvater 2004 nach Israel aus. „Ich merkte, dass ich alt werde und niemanden in England hatte außer meinem Enkel, dem ich nicht zur Last fallen wollte, also beschloss ich, in der Nähe meiner Tochter in Kapstadt zu sein, aber sie sagte: ‚Mache dir keine Sorgen, Daddy, ich mache Alija.‘ Und ein paar Jahre später folgte ich.“

„So bald wird mich niemand einholen“

Auf die Frage, wie er sich als der älteste aktive Radiotalkshowgastgeber fühle, antwortet er verschmitzt: „An einem guten Tag fühle ich mich wie 40, an einem schlechten Tag wie 50.“ Die vielen Hügel in seiner Stadt erschwerten allerdings mehr und mehr das Laufen: „In Jerusalem führen alle Straßen bergauf, und jede Woche werden sie steiler.“

Am 4. Juni hat ihn die Jury des „Guinness Buches der Rekorde” darüber informiert, dass sein Antrag vom Juli 2016 angenommen wurde. Für Bingham ist die Urkunde „nur ein weiteres Stück Papier, das man an die Wand hängen kann, aber es ist interessant. Und ich zweifle daran, dass mich so bald jemand einholen wird“. Und er hofft dadurch auf Interviews mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin und Premierminister Benjamin Netanjahu. „Ich denke, mit dieser Qualifikation werde ich es tun können.“

Der erfahrene Journalist gibt auch Lektionen weiter, die er beim Rundfunk gelernt hat: Anpassungsfähigkeit, den Wert der Recherche und die Fähigkeit, notfalls aggressiv zu sein. „Manchmal hat man konfrontative Interviews, bei denen man aggressiv sein muss, und manchmal hat man Interviews, die freundlich sind, also muss man seinen Stil anpassen.“ Seine Überzeugung sei allerdings immer gewesen: „Wenn sie einen durch den Vordereingang hinauswerfen, muss man durch die Hintertür zurückkommen.“

Von: eh

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