An der Konferenz in Rabat nahmen Repräsentanten aus 25 Ländern teil. Syrien boykottierte die Tagung wegen Israels Anwesenheit. Vor der Abstimmung hatte Knesset-Sprecher Reuven Rivlin versucht, die Wahl eines türkischen Vertreters an Whabees statt zu verhindern. Er drohte, in diesem Fall würden die israelischen Teilnehmer die Konferenz verlassen. „Bei dem Treffen äußerte Rivlin seinen Ärger und seinen Unmut über europäische Absichten, nicht Whabee zu unterstützen“, zitiert die Zeitung „Jediot Aharonot“ eine nicht näher genannte israelische Quelle. Der Knesset-Vorsitzende habe gesagt: „Israel ist ein Mitglied der Versammlung, um die Zusammenarbeit zu fördern und nicht, damit es sich gegen fortwährende Angriffe verteidigen muss.“
Ein Mitglied der israelischen Delegation bezeichnete das Abstimmungsergebnis als „historischen Sieg für Israel in einem Forum aus arabischen und europäischen Staaten, die traditionell Israel nicht unterstützen“. Es sei das erste Mal, dass ein israelischer Kandidat in eine solche Position berufen worden sei.
Ursprünglich wollte Staatspräsident Schimon Peres Israel bei der Konferenz in Marokko vertreten. Doch aufgrund des Stillstandes bei den israelisch-palästinensischen Friedensgesprächen hatte er seine Teilnahme abgesagt.
„Siedlungen sind palästinensische Ausrede“
Vor der Tagung kam Rivlin in Paris mit dem französischen Senatspräsidenten Gérard Larcher zusammen. Der Israeli sagte bei dem Gespräch, die Siedlungen seien „nur eine Ausrede für die Palästinenser, um nicht in Friedensverhandlungen eintreten zu müssen“. Europa erledige die Arbeit der Palästinenser. „Die Israelis wollen Frieden und keine Illusionen. Wir müssen uns bemühen, miteinander zu leben, anstatt das Land zu teilen.“
Rivlin sprach auch die palästinensische Forderung nach einem Rückkehrrecht für alle Flüchtlinge an: „Die Israelis haben vier Millionen jüdische Flüchtlinge aus Europa und arabischen Staaten aufgenommen. Sie hingegen haben ihr Flüchtlingsproblem nun fast fünf Generationen lang bewahrt und fordern, dass Flüchtlinge in einer Weise zurückkehren, die Israel zerstören würde.“ Palästinenserpräsident Mahmud Abbas überzeuge sein Volk nicht von einem Kompromiss in dieser Sache. Das Flüchtlingsproblem müsse zuallererst gelöst werden.
Rivlin und Whabee luden Larcher nach Israel ein.