In den vergangenen sechs Monaten hätten UNIFIL-Soldaten mindestens vier Mal bewaffnete Hisbollah-Kämpfer ausfindig gemacht, jedoch nichts dagegen unternommen oder dem UN-Sicherheitsrat darüber Bericht erstattet, lautete die Kritik aus Jerusalem. Grund sei offenbar, dass die UNIFIL Konflikte mit der terroristischen Gruppierung vermeiden wolle, hieß es laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung „Ha´aretz“.
Die israelische Armee hat sich wiederholt kritisch über die Einsätze der UNIFIL geäußert, vor allem kritisierte sie, dass der Kommandeur der UN-Truppe, Generalmajor Claudio Graziano, seinen Auftrag gemäß der UN-Resolution 1701 nur sehr lasch ausführe. Die UNIFIL soll seit dem Ende des Zweiten Libanonkrieges dafür sorgen, dass die Hisbollah-Miliz keine Waffen in den Libanon schmuggelt.
Ranghohe Vertreter der israelischen Armee hätten vor kurzem „hinter verschlossener Tür“ gesagt, Graziano präsentiere in seinen Berichten „Halbwahrheiten“ und wolle Konfrontationen mit der Hisbollah aus dem Weg gehen, berichtet „Ha´aretz“.
Erst vor einer Woche hatten sich israelische Armee-Vertreter beschwert, als ein Bericht für UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nur sehr wage von einem Vorfall Anfang März sprach, bei dem Soldaten auf bewaffnete Männer getroffen waren. „Ha´aretz“ berichtete daraufhin, UNIFIL-Soldaten hätten einen Lastwagen von Hisbollah-Kämpfern angehalten. Er war mit Waffen und Munition beladen. Als sich UNIFIL-Mitglieder dem Fahrzeug näherten, bedrohten die Hisbollah-Kämpfer die Soldaten mit vorgehaltener Waffe. Daraufhin sei die Patrouille zu ihrem Stützpunkt zurückgekehrt.
Einen Tag später erhielt der Sicherheitsrat einen zweiten Bericht über den Vorfall, der dieses Mal alle Details enthielt. In dem Bericht hieß es, es sei der erste Vorfall dieser Art gewesen, seit die UNIFIL dort ihren Dienst tue. Daraufhin sagten israelische Sicherheitsexperten, dass es sehr wohl mehrere derartiger Vorfälle in der Vergangenheit gegeben habe.