Israel will Metalldetektoren am Tempelberg aufstellen

Metalldektoren sollen nicht-muslimische Besucher des Jerusalemer Tempelberges überprüfen. Die zuständige islamische Behörde reagiert empört.
Islamische Vertreter sind erbost über israelische Maßnahmen gegen Gewalt auf dem Tempelberg.

Foto: Elisabeth Hausen, Israelnetz

Islamische Vertreter sind erbost über israelische Maßnahmen gegen Gewalt auf dem Tempelberg.
An den Eingängen zum Haram a-Scharif (Tempelberg) sollen E-Tore, elektronische Metalldetektoren, aufgestellt werden. Die „Qassam“-Webseite des militärischen Armes der Hamas veröffentlichte eine wütende Reaktion des Wakf, der muslimischen Aufsichtsbehörde. Metalldetektoren kämen einer Übernahme „voller israelischer Kontrolle“ über den islamischen Komplex gleich. Der islamische Rat verurteilte das als „groben Verstoß gegen die Heiligkeit der Moschee, eine Beschränkung der Religionsfreiheit und eine klare Einmischung in die Macht und Befugnisse des islamischen Wakf, der die gesamte muslimische Welt repräsentiert“. Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Moslems verweigern jegliche Änderung des typisch islamischen Charakters Jerusalems und seiner heiligen Stätten.“ Die Al-Aksa-Moschee sei exklusives Eigentum der Moslems. Juden hätten keinerlei Verbindung zu diesem Ort islamischer Verehrung. Augenblicklich sollte der Schlüssel zum Mughrabi-Tor erstattet werden, den die israelische Besatzungsarmee (1967) ergattert hat, um damit das Tor für die muslimische Gemeinschaft zu verschließen. Weiter wird in der Erklärung die gelegentliche Altersbeschränkung und die Beschlagnahme von Ausweisen kritisiert. Ein israelischer Polizeisprecher erklärte auf Anfrage, dass nur Juden und nicht-muslimische Besucher mit einem Metalldetektor geprüft würden. Unklar sei ihm, was die Suche nach Messern oder Waffen mit Religionsfreiheit zu tun habe. Das Mughrabi-Tor ist das einzige Tor, durch das „Ungläubige“ den Haram a-Scharif betreten können, das „erhabene Heiligtum“. Ab sofort darf auf Weisung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Ramallah in Presseberichten nicht mehr die bisher übliche Bezeichnung „Tempelberg“ verwendet werden. Der Begriff Tempelberg ist unter Juden und Christen üblich, weil dort der Tempel des Salomo und der „zweite Tempel“ gestanden haben, in dem Jesus lehrte und der im Jahr 70 von den Römern zerstört worden ist. Über dessen Trümmern wurde unter Kaiser Hadrian ein Zeustempel errichtet und im Jahr 692 der muslimische Felsendom. Der wurde freilich in der Kreuzfahrerzeit als „Templum Domini“ zur Kirche geweiht. Gemäß jüdischer Tradition ist der Felsen in dem Dom der Gründungsstein der Welt, wo Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte und wo später die Bundeslade gestanden habe. Im Allerheiligsten hat nach biblischer Überlieferung „Gott Wohnung auf Erden bezogen“. Gemäß muslimischer Tradition soll sich der Ausgang des Paradieses am Nordende des Felsens befinden. Zudem sei der Prophet Muhammad vom Felsen aus während seiner „Nachtreise“ in den Himmel gefahren.

Obama und Kerry leisten der PLO Folge

Die PLO hatte am Samstag alle internationalen Medienvertreter aufgerufen, sich an „internationales Recht“ zu halten und den „ungenauen Terminus Tempelberg zu vermeiden, wenn die Rede vom Al-Aksa-Bereich ist. Al-Aksa ist kein umstrittenes Territorium, und deshalb sind alle anderen Begriffe ungültig.“ Der Al-Aksa-Komplex umfasst offenes Gelände sowie den Felsendom und hat eine Größe von fast 36 Hektar. Etwa 1,6 Milliarden Moslems in aller Welt sei der Bereich heilig, und zudem ein Symbol für alle Palästinenser. „Die Moschee befand sich unter exklusiver muslimischer Souveränität und Kontrolle seit der Errichtung des Felsendoms im Jahr 692 der christlichen Zeitrechnung. Deshalb muss jeglicher Zutritt vom muslimischen Wakf genehmigt und mit ihm koordiniert sein.“ Der Al-Aksa-Komplex befindet sich in Ostjerusalem, einem „international anerkannten Teil des besetzten Staates Palästina“, heißt es dort weiter. Seit der „militärischen Okkupation von Ostjerusalem im Krieg vom Juni 1967“ seien mehrere Verschwörungen „von Siedler-Organisationen und anderer zionistischer Extremisten“ von den israelischen Behörden aufgedeckt worden, die Moschee zu sprengen. Abschließend heißt es in der Erklärung, dass heute „viele Siedlerführer mit Unterstützung der israelischen Regierung fortfahren, gegen diese heilige Stätte zu hetzen und so palästinensische Ängste und Wut schüren“. Israel sei als Besatzungsmacht gescheitert, „Siedler-Extremisten“ davon abzuhalten, die Moschee zu betreten. Das sei eine Verletzung der Vollmacht des Wakf und ein Verstoß gegen die Pflicht einer Besatzungsmacht, öffentliche Ordnung und ziviles Leben im besetzten Gebiet aufrecht zu erhalten. Die „Empfehlung“ der PLO ist in Washington schon angekommen. US-Präsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry achten seit einigen Tagen peinlich genau darauf, bei jeder Erwähnung des Tempelbergs auch seine arabische Bezeichnung „Haram a-Scharif“ zu nennen. Der nächste Schritt könnte eine Tilgung „Jerusalems“ sein, das auf Arabisch „Al-Quds“ genannt wird, „die Heilige“.

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