Israel eröffnet weltweit einzigartiges Zentrum für Meeresschildkröten

Am Strand von Michmoret, nördlich von Netanja, startete vor mehr als 25 Jahren eine Rettungsaktion. Daraus ist nun ein international bedeutsames Zentrum zur Rettung, Erforschung und auch Zucht von Meeresschildkröten entstanden.
Von Israelnetz

NETANJA (inn) – Die Geschichte beginnt 1999. Der damalige Meeresbiologiestudent Janiv Levy fand am Strand eine schwer verletzte „Unechte Karettschildkröte“, die sich in einem Angelhaken verfangen hatte. Er nannte sie „Masal“ – hebräisch für „Glück“. Ihre erfolgreiche Rehabilitation war der Ausgangspunkt für ein provisorisches Rettungszentrum aus Containern, welches Levy in Zusammenarbeit mit der israelischen Natur- und Parkbehörde aufbaute.

Heute, rund 30 Millionen Schekel (etwa acht Millionen Euro) später, verfügt das neue Zentrum über Operationsräume, Intensivpflegebereiche und große Salzwasserbecken zur Rehabilitation verletzter Tiere. Ein zehnköpfiges Fachteam kümmert sich um medizinische Versorgung, Forschung und Nestschutz. Unterstützt wird es von rund 100 Ehrenamtlichen. Forschungsleiter der Station ist Janiv Levy.

Weltweit einzigartige Zuchtstation

Ein Alleinstellungsmerkmal ist die weltweit einzige Zuchtstation für Grüne Meeresschildkröten. Während es weniger als 20 vergleichbare Rettungszentren weltweit gibt, verfolgt keines ein derart systematisches Zuchtprogramm. Bereits 2002 begann Levy mit dem Aufbau einer lokalen Zuchtgruppe aus Jungtieren der israelischen Mittelmeerküste. Der Ansatz war bewusst langfristig, denn Meeresschildkröten erreichen ihre Geschlechtsreife erst nach 20 bis 30 Jahren.

Inzwischen umfasst die Gruppe rund 30 Tiere. In den vergangenen vier Jahren wurden mehr als 1.300 Eier gelegt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, sind von globaler Bedeutung. Mehr als 20 Forschungsprojekte laufen derzeit in Kooperation mit israelischen und internationalen Universitäten. Die Wissenschaftler untersuchen unter anderem genetische Faktoren, Hormonzyklen und Umweltbelastungen. So zeigten Analysen, dass Schwermetallrückstände im östlichen Mittelmeerraum deutlich höher sind als in anderen Weltregionen.

Eine bedrohte Art

Die Bedrohung der Meeresschildkröten ist real. Historische Überfischung, Plastikmüll, zurückgelassene Netze, Schiffsschrauben und Umweltverschmutzung setzen den Tieren massiv zu. Allein im vergangenen Jahr wurden 176 Schildkröten in Michmoret aufgenommen, die meisten von ihnen durch Plastik oder Fischereigerät verletzt. 85 konnten nach erfolgreicher Behandlung wieder ins Meer ausgewildert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz der Nester entlang der israelischen Küste. Während der Brutzeit sichern Freiwillige die Gelege, verlegen sie gegebenenfalls an geschützte Orte und begleiten das Schlüpfen der Jungtiere. Rund 28.000 Schildkrötenbabys machten sich im vergangenen Jahr auf den Weg ins Mittelmeer, doch nur etwa eines von tausend erreicht das Erwachsenenalter.

Öffentlicher Zugang soll Aufmerksamkeit steigern

Erstmals ist das Zentrum nun auch für Besucher geöffnet. In Führungen erhalten Interessierte Einblicke in die medizinische Arbeit, die Forschung und die Gefahren für Meeresschildkröten. Dabei geht es nicht um Schauwerte, sondern um Aufklärung. Plastikmüll, Klimawandel und Meeresverschmutzung werden anschaulich thematisiert.

Was einst mit einer einzelnen verletzten Schildkröte begann, ist nach Angaben des Zentrums heute ein nationales Symbol für praktischen Naturschutz geworden. Das Projekt setzt ein Zeichen für Artenvielfalt, wissenschaftliche Innovation und Verantwortung gegenüber den Meeren. (tko)

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6 Antworten

  1. Und wieder ist es Israel,das sich um wirklich jedes Lebewesen liebevoll kümmert!🐢🐢🥰 Obwohl es wirklich genug eigene Probleme hat. Und gerade Schildkröten! Können so alt werden. Wenn die erzählen könnten.🙉🙉 Aber es gibt noch mehr Arten,die von Fischereinetzen bedroht sind. Unter anderem auch Delphine. Ja,der Mensch ist der größte Verursacher solcher Katastrophen. Der Herr hat alles so wunderbar und perfekt gemacht. Und wir Menschen sind rücksichtslos. Schon traurig.

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  2. Israel eröffnet weltweit einzigartiges Zentrum für Meeresschildkröten, Lieblingstier meiner Ehefrau, beste Tierschützerin von allen.

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  3. Wunderbare Arbeit mit so schönen Tieren. Hab sie in Eilat bestaunt und daraus gleich eine Geschichte im Kinderbuch für meine Enkel geschrieben. Der größte Feind der Schildis ist in der Tat die Vermüllung der Meeres. Trotz allen Vermeidens geht es manchmal nicht ohne Plastikverpackung. Dagegen muss eindeutig noch mehr getan werden. 🐢
    Und Trump schafft mit einem Federstrich einfach mal die Umwelt- und Klimapolitik der USA ab. Er ist wirklich ein Mann, der die Welt verändert. Zum Guten? Ich halt mich jetzt lieber mal zurück.

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  4. Das Zentrum zur Rettung und Zucht von Meeresschildkröten ist schön, weil es der Artenerhaltung von Meeresschildkröten dient. Zukünftige Generationen sollen nicht auf einem Artensterben kargen Planeten leben.

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  5. Das Zentrum zur Rettung und Zucht von Meeresschildkröten ist schön, weil es der Artenerhaltung von Meeresschildkröten dient. Zukünftige Generationen sollen nicht auf einem Artensterben kargen Planeten leben.

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