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Israel-Berichterstattung: Der „Propaganda“-Vorwurf eines Kirchenmannes

Israelnetz-Korrespondent Johannes Gerloff (Foto)) wird häufig zu Vorträgen in Kirchengemeinden, Verbänden und Organisationen in Deutschland eingeladen, um über die Situation in Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten zu sprechen. Jetzt wurde Johannes Gerloff erstmals ein Vortragsdienst untersagt – und zwar von einem Dekan der Badischen Landeskirche.

Der Vortrag von Israelnetz-Korrespondent Johannes Gerloff war schon lange geplant. Schwester Hedwig Hasselbach vom Südwestdeutschen Gemeinschaftsverband hatte ihn eingeladen, in Baden-Baden zu sprechen. Die Veranstaltung sollte in einem Raum der dortigen Stadtkirchengemeinde stattfinden, Einladungen waren verschickt – und der Dekan des Kirchenbezirkes, Sieghard Schaupp, seit Wochen informiert.

Die Vorbereitungen liefen. Bis Dekan Schaupp in der vergangenen Woche einen Brief an Schwester Hedwig Hasselbach auf den Weg brachte, der Folgendes enthielt: Johannes Gerloff dürfe in dem Raum der Kirchengemeinde „nicht zu Wort kommen“, schreibt der Dekan. Und begründet seinen Entschluss unter Berufung auf eine Rezension eines Buches von Johannes Gerloff zum Thema „Jüdische Siedlungen“, die er seinem Schreiben beifügte. In dieser Rezension wird das Buch von Johannes Gerloff massiv kritisiert und als „nicht objektiv und nicht ausgewogen bezeichnet“.

Das Buch jedoch hat Dekan Schaupp – vor der Bekanntgabe seiner Entscheidung – nicht gelesen. Für das Redeverbot, das er Johannes Gerloff erteilt, reicht ihm eine einzelne Meinung eines Rezensenten, die eine Pfarrerin im Internet entdeckt habe, wie Schaupp mitteilt.

In dem Schreiben an Schwester Hedwig Hasselbach kündigt Dekan Schaupp weitere Schritte gegen die Arbeit der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Baden-Baden an: „Ich werde außerdem in der nächsten Ältestensitzung einen Beschlussvorschlag einbringen, dass Sie in Zukunft nicht nur die Belegung eines unserer Räume formal einreichen sollen, wie das bisher ja schon geschehen ist, sondern dass Sie die Auswahl der Referenten mit den Pfarrern der beiden Stadtkirchen abstimmen müssen“, schreibt Dekan Schaupp an die Diakonisse.

Israelnetz hat daraufhin reagiert und eine Erklärung an die örtliche Presse im Bereich Baden-Baden abgegeben. „Dekan von Baden-Baden verbietet Vortrag von Israel-Korrespondent“ lautet die Überschrift. Und tatsächlich: Zwei der lokalen Tageszeitungen haben am Donnerstag über den Vorgang berichtet. In einem Artikel wird der Dekan mit den Worten zitiert, bei Gerloffs Vortrag „wird Propaganda gemacht“, woraus der Redakteur die Überschrift konstruierte, „Dekan: Propaganda kein Podium bieten“. Alle von Israelnetz erhobenen Vorwürfe gegen das „beispiellose Vorgehen des Dekans gegen einen Journalisten“ werden in dem Artikel entweder durch Zitate des Dekans oder durch schlichtes Weglassen entkräftet.

Es hat sich gezeigt: Wer über Israel berichtet, wer Belange aller Menschen des Landes – auch der so genannten Siedler – respektiert und in Meldungen, Interviews und Berichten darstellt, wird angegriffen. Die kritische Berichterstattung über Israel ist nach wie vor angesagt, Klischees und die falsche Trennung in „Gut und Böse“ haben sich zum Allgemeingut entwickelt. Nicht nur Israel wird in den Medien kritisiert, sondern auch solche Journalisten, die sich um eine im historischen und gegenwärtigen Kontext angesiedelte Berichterstattung bemühen und vorgefasste Meinungswege verlassen wollen. Doch das werden Johannes Gerloff und die Redaktion von Israelnetz, wie auch viele andere Kolleginnen und Kollegen, auch weiterhin tun – ungeachtet jedweder Kritik, die die Einseitigkeit und mangelnde Dialogbereitschaft der Kritiker offenbart.

Der Vortrag von Johannes Gerloff findet übrigens dennoch in Baden-Baden statt: und zwar am 1. Mai 2004, 19:30 Uhr im Runden Saal des Kurhauses von Baden-Baden.

Andreas Dippel ist Redaktionsleiter von Israelnetz.com

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