BEIRUT / DAMASKUS / JERUSALEM (inn) – Die Hamas im Gazastreifen nutzt den derzeitigen Waffenstillstand, um ihr Waffenarsenal auszubauen, und die Hisbollah im Libanon rüstet seit dem Ende des Krieges mit Israel wieder auf. Israelische Sicherheitsexperten fürchten für 2007 ein „Jahr des Krieges“, in dem das Land gleich an drei Fronten zum Kampf herausgefordert werden könnte.
Über Tunnel schmuggeln Palästinenser weiter Waffen aus Ägypten in den Gazastreifen, berichten israelische Sicherheitskräfte. Da sich Israel mit den Palästinensern auf eine Waffenruhe geeinigt und die Truppen aus dem Gazastreifen abgezogen hat, kann es derzeit nicht gegen den Waffenschmuggel vorgehen. Die „Armee“ der Hamas bestehe mittlerweile aus mehreren Tausend Kämpfern sowie Panzerabwehrraketen, Katjuscha-Raketen und Luftabwehrraketen. Der Waffenstillstand wird nach Meinung der Sicherheitsexperten kaum länger als ein paar Wochen anhalten. Dies berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“.
Hisbollah wieder erstarkt
Gleichzeitig haben Lastwagenladungen voll Waffen die Hisbollah im Südlibanon erreicht, berichtet der israelische Militärische Geheimdienst. Trotz der UN-Resolution 1701 und der Anwesenheit der internationalen UNIFIL-Truppe sowie der libanesischen Armee in der Region südlich des Litani-Flusses nutzte die Hisbollah die Zeit seit dem Krieg im Sommer dazu, ihr Waffenarsenal auszubauen. Die Region gilt eigentlich als „militärische Sperrzone“ der UNIFIL, doch benutzen die Hisbollah-Milizen diese Gegend für Waffenlager und Trainingscamps. Die Anwesenheit der UNIFIL und der libanesischen Truppen zwängen die schiitische Gruppe zwar dazu, ihre Waffenarsenale zu verstecken, ein echtes Hindernis seien sie jedoch nicht, sagten die israelischen Aufklärer. In den vergangenen vier Monaten seien hoch entwickelte Panzerabwehrraketen aus dem Iran und Syrien in den Libanon geschmuggelt worden.
„Früher oder später“ werde die Hisbollah ihre militärischen Operationen gegen Israel wieder aufnehmen; entweder in Form von Raketen oder neuen Entführungen an der Grenze. Die Experten halten einen Beginn der Kämpfe für Frühling oder Sommer für wahrscheinlich. Israels Armee hatte die meisten der weiter reichenden Raketen der Hisbollah während des 34 Tage währenden Krieges im Sommer vernichtet. Dazu gehörten auch die iranischen Raketen Fadschr und die Selsal. Viele der Stellungen der Hisbollah-Miliz im Süden des Libanon, Tunnel, Bunker und Schützengräben, seien immer noch aktiv, lautet die Einschätzung der israelischen Geheimdienste.
Gefahr aus Syrien
Das israelische Verteidigungsministerium sieht zudem die neuesten Entwicklungen im Libanon mit Sorge. Am Freitag demonstrierten in Beirut Tausende Hisbollah-Anhänger gegen die pro-westliche Regierung von Premierminister Fuad Saniora. Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah will Sanioras Regierung stürzen, die von den USA unterstützt wird. Wenn die Sicherheit im Libanon zusammenbräche, würde dies auch eine Bedrohung für Israel sein, so die israelischen Experten. Die Hisbollah könnte die politische Instabilität nutzen und Angriffe auf Israel rechtfertigen. Am Sonntag rief Israel für den Norden des Landes den Alarmzustand aus.
Syrien unterstütze diese Spannung im Libanon, und das Land sei auch hauptverantwortlich für die Ermordung des libanesischen Industrie-Ministers Pierre Gemayel vor zwei Wochen, vermuten die israelischen Geheimdienstler. Die syrische Armee befinde sich in Alarmbereitschaft. Wenn Israel mit Syrien kein politisches Abkommen schließen könne, drohe auch hier Krieg.