ERFURT (inn) – Ein Interview des israelischen Ministers Jakob Ederi mit der „Thüringer Allgemeinen“ hat für Irritationen gesorgt: Er habe darin von Angriffsplänen der USA und Israels gegen den Iran gesprochen, meldete die Zeitung. Doch Ederi hatte lediglich ein Eingreifen Amerikas gefordert.
Die „Thüringer Allgemeine“ hatte berichtet, der Minister habe die Entscheidung über einen Militärschlag gegen den Iran noch in der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush angekündigt. „Es würde sich dabei um eine begrenzte militärische Aktion handeln, bei der Teile des iranischen Atomprogramms zerstört würden“, heißt es in der Mitteilung, die die Zeitung an die Deutsche Presseagentur (dpa) faxte.
Der 55-jährige israelische Minister ohne Geschäftsbereich leitet derzeit eine Delegation, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung nach Deutschland eingeladen wurde. „Herr Ederi hat in dem Interview mit der ‚Thüringer Allgemeinen‘ niemals über eine mögliche Beteiligung Israels an einem Militärschlag gegen den Iran gesprochen“, erklärte Lars Hänsel von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Ederi begleitet. „Ich war bei dem Interview dabei“, so Hänsel gegenüber Israelnetz.
Ein Blick auf das Interview zeigt, dass der israelische Politiker tatsächlich keine konkreten, angeblichen Pläne seines Landes für einen Angriff auf den Iran preisgegeben hat. Im Gegenteil, Ederi äußert sich eher allgemein über die Situation im Nahen Osten.
Der Iran und Syrien hätten nach Meinung Ederis „einen riesigen Einfluss“. Die Iraner wollten „die Welt ablenken von ihren atomaren Plänen“. „Die Bedrohung durch den Iran trifft nicht nur Israel, sondern ebenso den Westen. Die USA müssen dieses Problem lösen mit ihrer gesamten Macht.“ Ederi in der „Thüringer Allgemeinen“ weiter: „Die Iraner setzen auf ihre militärische Stärke und dabei ebenso auf die Öl-Waffe. Folglich bleibt nur eine militärische Lösung. Je früher desto besser.“
Auf die Frage, wie viel Zeit noch bleibe, antwortete der Israeli: „Wie lange braucht der Iran noch bis zur Atombombe? Was wir jetzt noch einfacher lösen können, wird in Zukunft immer komplizierter.“ Der Reporter der in Erfurt erscheinenden Zeitung fragte: „In den USA sind bald wieder Wahlen. Gewöhnlich passiert in der amerikanischen Politik in dieser Phase nicht mehr viel. Oder muss noch dieser Präsident eine Entscheidung herbeiführen?“ Ederi antwortete: „Eindeutig ja. Präsident Bush muss die Arbeit zu Ende führen. Es besteht keine Chance mehr, durch Verhandlungen oder Druck des UN-Sicherheitsrates daran noch etwas ändern zu können.“