Internet: Yad Vashem für Deutsche

BERLIN (inn) – Die Internetseite zur Gedenkstätte Yad Vashem gibt es nun auch in deutscher Sprache. Das Portal soll an die Opfer des Holocaust erinnern, aber auch Hintergrundwissen zum Massenmord an den Juden liefern. Es wurde am Montag im Beisein von Verlegerin Friede Springer in Berlin vorgestellt.
Auf der deutschsprachigen Internetseite von Yad Vashem findet sich auch das Posiealbum einer Berliner Jüdin, die im Holocaust starb.

Foto: Yad Vashem / Screenshot Israelnetz

Auf der deutschsprachigen Internetseite von Yad Vashem findet sich auch das Posiealbum einer Berliner Jüdin, die im Holocaust starb.

Als „Werkzeug der Erinnerung und des Lernens“ lobte der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, die deutschsprachige Internetseite von Yad Vashem. Die Vorsitzende des Freundeskreises von Yad Vashem in Deutschland, Hildegard Müller, erklärte bei der Vorstellung der Internetseite im Axel-Springer-Haus, das Projekt solle einer jungen Generation das Thema Holocaust erschließen und Antisemitismus vorbeugen. Davon gebe es auch in Deutschland zu viel. Die Internetseite zu Yad Vashem existiert nun in insgesamt sieben Sprachen. Im Jahr 2012 wurde die englische Ausgabe nach eigenen Angaben mehr als zehn Millionen Mal besucht.
Die Seite erklärt mit Hilfe von Videos, Fotos und Kunst den Holocaust. Es ist Nutzern auch möglich, Schulmaterial herunterzuladen. Zeitzeugen berichten in O-Tönen über den Nationalsozialismus, etwa die Reichspogromnacht. Experten schätzen die Lage der Juden in Deutschland zu dieser Zeit ein und geben Hintergrundinfos. Die Seite umfasst zudem eine Datenbank, in der 4,2 Millionen Holocaustopfer und Informationen zu 500 Deportationstransporten vermerkt sind.
Die Internetseite zeigt zum einen, wofür Yad Vashem steht, aber auch, wie es dort aussieht. Ein virtueller Rundgang durch das Museum steht Usern offen. Erstmals online ist unter dem Titel „Vergiss-mein-nicht“ die Geschichte eines Poesiealbums der Berliner Jüdin Ester Goldstein zu verfolgen. Sie führte das Buch von 1937 bis 1942, bevor sie nach Riga deportiert wurde und dort ums Leben kam. Eine der letzten Eintragungen stammt von ihrer Freundin Bella. „Fest an Gott und bessere Zukunft glauben: Heißt Leben, und dem Tod sein Bittres rauben“, schrieb sie. Genau wie ihre Freundin wurde Bella von den Nazis ermordet.
Im Rahmen der Präsentation gedachten die Gäste zudem des Journalisten und Juden Ernst Cramer. Er hätte am 28. Januar seinen 100. Geburtstag gefeiert. Cramer arbeitete eng mit dem Verleger Axel Springer zusammen. Gemeinsam mit ihm setzte er sich für die deutsch-jüdische Versöhnung ein. 2006 sprach Cramer zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag. Er selbst war 1938 sechs Wochen lang im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert, bevor er in die USA emigrieren konnte. Seinen Bruder und seine Eltern verlor er im Holocaust. Cramer verstarb im Jahr 2010 in Berlin. „Er hat das Haus geprägt wie wenige“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner anlässlich des Ehrentages. Weiter erklärte er: „Schön, dass wir diesen Geburtstag mit der Vorstellung der deutschsprachigen Internetseite von Yad Vashem verbinden können – die Dinge passen eben doch ganz gut zusammen.“
http://www1.yadvashem.org/yv/de/

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