Internet-Segen ersetzt Pilgerreise

NAZARETH (inn) – Die griechisch-orthodoxe Kirche hat ein neues Angebot für Christen, die sich eine Pilgerreise nach Israel nicht leisten können: Über das Internet sprechen Priester von Nazareth aus ein persönliches Gebet – für fünf bis zehn Menschen pro Tag. Eine Webcam überträgt die kurzen Andachten aus der Gabrielskirche.

Das Gotteshaus befindet sich an dem Brunnen, wo nach griechisch-orthodoxer Tradition der Engel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigte. Die Katholiken lokalisieren dies an einer anderen Stelle – dort befindet sich die Verkündigungsbasilika. Die Stadt, in der Jesus seine Jugend verbrachte, war seit jeher ein beliebter Pilgerort. Doch nicht jeder kann die Reise auf sich nehmen.

„Es gibt Leute, die nicht in die Kirche kommen können, um das Abendmahl einzunehmen“, sagt der Priester Andreas Elime mit Bezug auf Kranke und Alte gegenüber der Zeitung „Ha´aretz“. Über das Internet für Menschen zu beten, diene demselben Zweck. Die zypriotische Firma „Modefine“ hat den Service online gestellt.

Die Andacht beginnt mit einer orthodoxen Hymne. Anschließend bittet Elime Gott um Gnade, Gesundheit, Vergebung und Erlösung. Er liest ein paar Namen von der Liste für den jeweiligen Tag und zündet für jeden eine Kerze an. Der etwa vierminütige Gottesdienst endet mit einem kurzen Segen. Elime bietet das Gebet auf Englisch, Griechisch, Arabisch und Russisch an. Vier Priester halten jeden Tag zwei Internet-Gottesdienste ab.

Der Jesuitenpriester und Mitherausgeber des römisch-katholischen Magazins „America“, James Martin, befasst sich mit religiösen Trends im Internet. Die Technologie in Nazareth öffne den Gläubigen einen neuen Weg für eine alte christliche Praxis: andere darum zu bitten, für sie an einer heiligen Stätte zu beten, sagte er im Gespräch mit „Ha´aretz“. „Es ist ziemlich teuer, nach Israel zu fahren. Deshalb ist es für Leute, die sich das nicht leisten können, aber ihre monatliche Internetrechnung zahlen können, eine Möglichkeit.“

Nur die Gebühr von 10 Dollar pro Internet-Gebet bereitet Martin Sorgen. Doch Said Salem, Repräsentant der Firma „Modefine“ im „Heiligen Land“, sagt, dieses Geld decke nur die Systemkosten. Das Gebet sei kostenlos. Wer von Jerusalem komme, um einen Priester für sich beten zu lassen, erwarte auch nicht, dass der Geistliche das Taxi bezahle, so Salem. „Wir sind das Taxi.“

Seit der Eröffnung am 1. Mai sind nach seinen Angaben Hunderte Anfragen auf der Website (www.mirezo.com) eingegangen. Etwa 70 Prozent kämen von Amerikanern. Doch auch aus Hongkong, Indien, Mexiko und Australien seien schon Bitten um Gebet gekommen. „Wir haben hier etwas Besonderes“, sagt Salem. „Maria hat hier gelebt. Jesus ist hier aufgewachsen. Dies ist eine heilige Stadt. Es ist die Grundlage des Christentums.“

Elime erzählt von einem Amerikaner, der jede Woche ein Gebet bestellt. Eine Frau habe sich vor Kurzem angemeldet, nachdem ihre Tochter verschwunden war. Drei Tage später sei die Tochter gefunden worden.

Der Erzbischof von Nazareth, Metropolis Kyriakos, sähe es lieber, wenn die Leute die Kirche selbst besuchten. Aber gegen die Online-Zeremonie hat er nichts einzuwenden: „Wenn ich auch nur den Hauch einer Vermutung hätte, dass etwas daran nicht stimmen könnte, würde ich das alles abbrechen.“

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