Internet: „Facebook des Friedens“

JAFFA (inn) - Das Internetportal "mepeace.org" ist eine Plattform für Israelis, Palästinenser und andere, die den Frieden im Nahen Osten vorantreiben wollen. Initiator des sozialen Netzwerks ist Eyal Raviv, ein gebürtiger US-Amerikaner, der heute in Jaffa lebt.

Eyal Raviv wurde 1976 in New York geboren und wuchs in Israel und Kalifornien auf. Er war lange Zeit Schüler einer Talmudschule (Jeschiwa) und stand politisch rechts. Weiter beschreibt der Gründer von „mepeace.org“ seine Geschichte in seinem Profil auf dem Internetportal so: „Als ich zwanzig war, traf ich zum ersten Mal einen Palästinenser. Wir waren Studenten an der Wirtschaftsschule London. Ich beschloss, über den Konflikt zu lernen. Ich dachte, ich wüsste viel, bis ich 2004 in Israel ankam. Ich war fassungslos. Ich wusste wenig. Ich lerne jeden Tag ein bisschen mehr und ihr lehrt mich sehr viel auf dieser Plattform. Ich wollte etwas für den Frieden tun und schuf ‚mepeace‘.

Der Name des Netzwerks steht für „Middle East Peace“, Frieden im Nahen Osten. Die Mitglieder von „mepeace“ können ihr persönliches Profil anlegen, sich Nachrichten schreiben, in Foren diskutieren und einiges mehr. Es gibt Gruppen, denen man beitreten kann, wie die „Union fortschrittlicher Zionisten“ oder das „Forum palästinensischer Universitätsstudenten für Frieden und Demokratie“. Insgesamt ist „mepeace“ aufgebaut wie andere soziale Netzwerke und erinnert an populäre Internetcommunities wie „MySpace“ und „Facebook“.

Die Ähnlichkeit zu „Facebook“ ist kein Zufall. So sagte Eyal Raviv laut der Internetausgabe der Zeitung „Ha´aretz“: „Ich nenne es ‚das Facebook des Friedens‘.“ Er hat auch eine Gruppe bei „Facebook“, um seine Plattform bekannt zu machen. Raviv sagt, er hätte dort viele weitere populäre Gruppen gründen können. Das Besondere an „mepeace“ sei jedoch, dass die Mitglieder Friedensstifter seien und keine kurzzeitigen Besucher.

Eine Plattform für Friedensaktivisten

Eyal Raviv, der in mehreren Friedensorganisationen aktiv war, wollte eine Plattform für Friedensaktivisten schaffen. Deshalb traf er sich, so schreibt er bei „mepeace“, im Dezember 2006 in einem Café in Tel Aviv mit einigen anderen, um Ideen dafür zu sammeln. Da seine Freunde sich nicht regelmäßig treffen wollten, beschloss er, die Plattform im Internet aufzubauen. Eine Woche nach dem Treffen registrierte er die Domain „mepeace.org“. Bei einer Konferenz in Frankreich lernte er im Juli 2007 einen Palästinenser kennen, der ihm sagte, er treffe zum ersten Mal einen Israeli. „Ich beschloss und machte an diesem Tag bekannt, dass ‚mepeace.org‘ eine Plattform für jeden sein würde, der sich für den Frieden im Nahen Osten interessiert“, schreibt Raviv.

Inzwischen hat „mepeace“ über 530 Mitglieder, die hier „Peacemakers“ heißen. Unter den Friedensstiftern sind nicht nur Israelis und Palästinenser, sondern Menschen aus der ganzen Welt, von den USA und Kanada über Uruguay, Australien und Indonesien bis Nigeria, Iran, Russland und den Niederlanden. Eine junge Frau aus Teheran schreibt beispielsweise in ihrem Profil: „Ich bin Christ und zuerst möchte ich ein gutes Kind für Gott sein, zweitens möchte ich ein guter Freund für das Volk des Herrn sein.“ Die 22-Jährige möchte für Frieden beten und auch etwas tun. „Aber ich weiß nicht, wie ich helfen kann“, schreibt sie.

Ein 39-jähriger Palästinenser aus Anata, der die Organisation „Kämpfer für den Frieden“ mitgegründet hat, schreibt in seinem Steckbrief auf „mepeace“ über den Tod seiner zehnjährigen Tochter: „Die israelische Grenzpolizei hat geschossen und tötete sie neben ihrer Schule in Atana.“ Der Mann will Frieden, so heißt es in seinem Profil, weil es „der kurze und richtige Weg“ sei, um zu leben und den „schmutzigen Konflikt“ allein durch Dialog zu lösen.

Eine junge Frau aus dem Kibbutz Ein Schemer schreibt: „Ich bin 23, und seit ich letztes Jahr zum ersten Mal einen Araber kennen lernte, habe ich begriffen, hier stimmt etwas nicht.“ Sie habe es satt, Leid und Hass zu sehen, begründet sie ihren Wunsch nach Frieden.

„Sicherheit, Heimat, Liebe, Zukunft“, das bedeutet Frieden für einen 40-jährigen Palästinenser, der in seinem „mepeace“-Profil schreibt: „Ich bin ein Journalist, der immer für Frieden und Koexistenz zwischen Palästinensern und dem israelischen Volk betet. Wenn ich schreibe, schreibe ich nur um des Friedens willen und immer gegen den Terrorismus, indem ich jeden auffordere, zu kämpfen und die Terroristen zu bekämpfen, wo immer sie auch sind. Deshalb werde ich nun von einer terroristischen Bewegung namens Hamas gesucht und bedroht.“

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