JAKARTA / PARIS (inn) – Die israelische Militäroffensive im Gazastreifen hat in verschiedenen Staaten Protest ausgelöst. Besonders in Indonesien und in der Türkei gingen Tausende Demonstranten auf die Straße und drückten ihre Unterstützung für die radikal-islamische Hamas aus.
Frankreich hat Israel am Freitag dazu aufgerufen, die vergangene Woche festgenommenen Hamas-Minister wieder freizulassen. Beide Seiten müssten sich um eine Beruhigung der Lage bemühen, hieß es aus Paris. Der Sprecher des französischen Außenministeriums, Jean-Baptiste Mattei, sagte, Frankreich fürchte, die Situation könne eskalieren, und die Extremisten könnten gestärkt werden. „Die Israelis müssen sehr auf die Konsequenzen achten, die ihre Aktionen haben“, warnte Mattei. Israel hatte am Donnerstag acht palästinensische Minister und 56 andere Hamas-Vertreter festgenommen. „Wir erwarten die Freilassung dieser politischen Vertreter“, so Mattei.
Am Freitag verbrannten Tausende Türken die Flaggen Israels und der USA. Sie riefen Sprüche der Unterstützung für die Hamas und protestierten gegen die israelische Militäroffensive im Gazastreifen. Viele schwenkten palästinensische Fahnen und riefen „Mörder Israel, raus aus Palästina“. Nach dem Freitagsgebet in den Moscheen füllten die Menschen die Straßen und Plätze. Die Polizei sprach von mehr als 2.000 Demonstranten.
Die norwegische Partei „Sozialistische Linke“ rief das Außenministerium in Oslo am Sonntag dazu auf, den Botschafter aus Israel abzuberufen, so lange die Offensive im Gazastreifen anhalte. Der Sprecher der Koalitionspartei, Björn Jacobsen, sagte gegenüber einem Online-Portal: „Die Operation in Gaza verletzt die Palästinenser. Israel übt Gewalt und Druck auf die Palästinenser aus – so kann ein Land nicht handeln.“ Die regierende Arbeitspartei wies die Forderung zurück. Man müsse andere Versuche unternehmen, den Palästinensern zu helfen, ohne die norwegisch-israelischen Beziehungen zu belasten.
Vor der US-Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta versammelten sich rund 10.000 Menschen, um gegen Israels Militäraktion zu protestieren. Ein Spruchband lautete „Solidarität mit dem unabhängigen Volk von Palästina“, ein anderes „Der wahre Terrorist ist das zionistische Israel“. Der Anführer einer Gruppe in Indonesien, die dem Terrornetzwerk Al-Qaida nahe steht, forderte am Montag, Indonesien sollte islamische „heilige Krieger“ nach Israel senden, um es für die Angriffe zu bestrafen. „Israel ist der Feind Allahs“, sagte der islamische Geistliche Abu Bakar Baschir vor Hunderten Mitgliedern der religiösen „Halbmond-Stern-Partei“ in Jakarta. Baschir saß bis vor kurzem eine 26-monatige Haftstrafe ab; er war an den Anschlägen 2002 in Bali beteiligt, bei denen 202 Menschen ums Leben gekommen waren.
Auch Malaysia verurteilte am Sonntag die Aktionen Israels, berichtet die malaysische Nachrichtenagentur Bernama. „Israel hat kein Recht, derartige einseitige Aktionen zu unternehmen“, sagte der malaysische Außenminister Syed Hamid Albar. Ebenso kritisierte er die Festnahme der palästinensischen Minister. Das Außenministerium von Kuba veröffentlichte eine ähnliche Stellungnahme und nannte die israelische Offensive „barbarisch“.
Der neue UN -Rat für Menschenrechte beschloss am Freitag, mögliche Menschenrechtsverletzungen Israels zu untersuchen. Die Resolution dazu wurde von islamischen Ländern initiiert und mit 29 gegen 12 Stimmen angenommen, berichtet die „Jerusalem Post“.
„Wer diesem Resolutionsentwurf zustimmt, landet direkt beim altbekannten schändlichen Verhalten dieser Kommission“, kritisierte der israelische UN-Botschafter Jitzhak Levanon. „Wenn hier mit ‚Ja‘ gestimmt wird, heißt das, dass niemand eine Lektion gelernt hat, dass es keinen Neubeginn gibt.“ Mit „Ja“ stimmten neben arabischen und afrikanischen Staaten Brasilien, China, Kuba, Ecuador, Guatemala, Indien, Mexiko, die Philippinen, Russland und Sri Lanka. Dagegen stimmten Kanada und die Mitglieder der Europäischen Union.