Indien: Israelis unter Geiseln

MUMBAI (inn) - Infolge der Anschlagsserie in der indischen Stadt Mumbai (früher Bombay) befinden sich auch mehrere Israelis in Geiselhaft. Bei den Attentaten in der Nacht zum Donnerstag sind nach Polizeiangaben 104 Menschen getötet worden. Die Terroristen fordern die Freilassung aller in Indien inhaftierten Islamisten.

Zu den Anschlägen bekannte sich eine bislang unbekannte Gruppierung namens “Deccan Mujahideen”. Sie griff zeitgleich an verschiedenen Orten mit automatischen Waffen an. Dann übernahm sie die Kontrolle über mehrere Hotels und das Hauptquartier der jüdischen Chabad-Bewegung in Mumbai. Dieses dient Israelis häufig als Unterkunft. Verantwortlich für das Haus ist der Rabbi Gabriel Holtzberg, der einen US-amerikanischen Pass hat. Er wurde in der Nacht mit seiner israelischen Ehefrau Rivka und dem zweijährigen Sohn als Geisel genommen, wie die Tageszeitung “Ha´aretz” meldet.

Stunden später kam eine Köchin des Chabad-Zentrums an dem Gebäude vorbei und hörte ein Kind schreien. Sie ging hinein, ergriff den zweijährigen Jungen und erkannte in ihm den Sohn des Rabbis. Mit einem Kollegen konnte sie das Haus unerkannt wieder verlassen. Auf der Webseite der Chabad-Bewegung heißt es: “Das israelische Konsulat hatte Kontakt mit Holtzberg, aber die Verbindung wurde mitten im Gespräch unterbrochen. Seitdem wurde kein Kontakt mehr hergestellt.”

Auch in einem der besetzten Hotels halten sich offenbar Israelis auf. Mindestens 100 Menschen werden von den Attentätern festgehalten. Das israelische Außenministerium teilte am frühen Donnerstagmorgen mit, es versuche, etwa 20 vermisste Israelis in Mumbai ausfindig zu machen.

Am Nachmittag umstellten Polizisten das Chabad-Zentrum und versuchten vergeblich, die Geiseln freizubekommen.

“Fordert die Regierung auf, mit uns zu sprechen, dann lassen wir die Geiseln frei”, sagte ein Terrorist im indischen Fernsehen. Er sprach Urdu mit einem Akzent, wie er in der umkämpften Kaschmir-Region üblich ist. “Seid ihr euch dessen bewusst, wie viele Menschen in Kaschmir getötet wurden? Seid ihr euch dessen bewusst, wie viele von ihnen in dieser Woche in Kaschmir getötet wurden?”

Unterdessen kündigte der israelische Sanitätsdienst “Magen David Adom” (Roter Davidstern) an, Helfer nach Indien zu entsenden. Sie sollen mit der Organisation “Joint Commission” und dem Roten Kreuz die zahlreichen Verwundeten behandeln.

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