Hunderttausende demonstrieren gegen Armeepflicht für Ultraorthodoxe

JERUSALEM (inn) – Eine der größten Demonstrationen in Israels Geschichte: Hunderttausende Ultraorthodoxe haben am Sonntag in Jerusalem gegen eine Wehrpflicht-Gesetzesreform protestiert. Diese zielt darauf ab, strenggläubige Juden dem Armeedienst zu verpflichten.
Jung und Alt versammelten sich am Sonntag in Jerusalem, um gegen die Wehrpflicht für Haredim zu demonstrieren.

Ein Meer aus ultraorthodoxen Gläubigen demonstrierte und betete am Sonntagnachmittag, um Protest gegen die Gesetzesvorlage zur Wehrpflicht von Haredim zu äußern. Die Demonstration hatte den offiziellen Titel „Die Torah wird siegen“. Initiiert hatten sie drei rabbinische Räte der politischen Haredim-Bewegungen in Israel.
Die Polizei gab keine offiziellen Teilnehmerzahlen bekannt, inoffizielle Zählungen belaufen sich laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“ auf rund 300.000 Demonstranten. Die ultraorthodoxen Organisatoren nannten 600.000 jüdische Beteiligte. Wichtige Jerusalemer Straßen blieben am Nachmittag gesperrt.
Fokus der Proteste waren die drohenden zwei Jahre Gefängnis für alle Jugendlichen, die ihrer Wehrpflicht nicht nachkommen. Ein solcher Schritt würde das Torah-Studium „kriminalisieren“, äußerten sich ultraorthodoxe Vertreter.

Schändung von Gottes Namen

Die Haredim beteten um göttlichen Beistand für diese Bedrohung. Nach den Gebeten wurde laut „Jerusalem Post“ im Namen der führenden Haredim-Rabbiner eine Erklärung vorgetragen: „Die Versammlung verlangt von den Behörden, dass sie kein Gesetz verabschieden, das Torah-Studenten auf irgendeine Weise verletzt und sie zwingt, ihre Studien zu verlassen und [droht], sie ins Gefängnis zu werfen. Das stellt die Entwurzelung und die Schändung von Gottes Namen dar.“
Die Haredim unterstützen den Staat Israel nach eigener Annahme mit ihren Gebeten und dem Torah-Studium. Das Studium betrachten sie als den der einzigen Beitrag, den sie leisten sollten.

Lapid: Staat kann Masse an Wehrdienst-Verweigerern nicht tragen

Finanzminister Jair Lapid kommentierte die Massenvereinigung in einem Interview mit dem Fernsehsender „Kanal 10“: „Dieses Bild zeigt, warum ein Lastenausgleich beim Militärdienst so wichtig ist: Weil jeder, der sich die Menschenmasse anschaut, versteht, dass der Staat Israel diese Menschen nicht tragen kann, ohne dass sie am Militär- und Zivildienst teilnehmen sowie an der Erwerbskraft und der israelischen Wirtschaft.“ Es könne keinen Teil in der Bevölkerung geben, der von Verpflichtungen befreit ist.
„Ich habe nichts gegen sie, aber ich möchte, dass sie den gleichen Obligationen nachkommen, denen auch mein Sohn nachgekommen ist“, sagte Lapid im Interview. Dies sei keine unerhörte Forderung, es sei ein Teil das Israeli-Seins. „Sie müssen wissen, das ist kein Angriff auf die Welt der Torah oder die Torah-Studien.“
Die Demonstration ist laut Medienberichtenfast komplett friedlich verlaufen. In einem ultraorthodoxen Viertel in der Nähe der Demonstration seien einige Reifen angebrannt wurden. Ein Mann, der gegen die Versammlung protestierte und die Haredim zur Annahme der Wehrpflicht aufrief, sei mit Pfefferspray angegriffen worden. Der Rettungsdienst behandelte rund 70 Menschen wegen kleinerer Verletzungen.
Im Juli 2013 hatte das israelische Parlament in einer ersten Lesung für ein Gesetz gestimmt, das Jeschiwa-Studenten ab einem Alter von 21 Jahren zum Militärdienst verpflichtet. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei besonderer wissenschaftlicher Begabung, wäre demnach eine Befreiung vorgesehen. Das geplante Gesetz sieht eine vierjährige Übergangsphase vor (Israelnetz berichtete).
Eine Verabschiedung wurde in der Knesset bislang jedoch immer herausgezögert. Eine weitere Lesung ist nun für die zweite Märzwoche angesetzt. Im März ist zudem die letzte Möglichkeit einer Einschreibung für den aktuellen Jahrgang. Lapid betonte Ende Februar, dass sich alle 17-Jährigen für den Wehrdienst eintragen sollten.

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